Reise : Will ich eine Broadway-Show?

Wie Urlauber das passende Schiff finden: Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene

Dagmar Zurek

Auf einer Großyacht in Monte Carlo einlaufen, in der Schiffslounge Walzer tanzen wie einst auf der „Titanic“ oder an Bord eines Windjammers den Naturgewalten trotzen: Die Bandbreite bei Kreuzfahrten ist gewaltig – und nichts ist vergnüglicher, als auf einem Kreuzfahrtschiff die Welt kennenzulernen. Zudem war es eigentlich niemals preiswerter als heute. Doch vor die Wahl steht die Qual – welches Schiff ist das richtige für mich? Wann soll man welches Schiff für welche Route buchen? Und wo? Nachfolgend geben wir einige Empfehlungen.

Spartanisch oder fünf Sterne?

Als Passagier auf kleineren Kreuzfahrtschiffen zu reisen , wie zum Beispiel auf der „Amadea“ oder der „Deutschland“, kann durchaus von Vorteil sein: Das Ein- und Aussteigen bei Ausflügen beispielsweise geht wesentlich schneller als bei größeren Schiffen, wie etwa der gigantischen „Voyager of the Seas“. Dafür haben diese andere Vorzüge: Das Vier- Sterne-Schiff der Reederei Royal Caribbean, das Platz bietet für mehr als 3100 Passagiere, ist mit seinen bezahlbaren sommerlichen Kurzreisen durchaus für Kreuzfahrteinsteiger geeignet: Eine siebentägige Rundreise ab Barcelona mit Stopp in Neapel, Civitavecchia, Livorno, Villefranche und Marseille ist ab 524 Euro (ohne Anreise) zu buchen.

Vor allem Schiffe der Reederei Royal Caribbean widerlegen gleich mehrere Vorurteile: Kreuzfahrten sind durchaus nicht nur etwas für Senioren mit viel Geld und noch mehr Zeit, die mit Vorliebe schick gestylt herumlaufen und jeden Abend edel dinieren. Neben den normalen Bordrestaurants gibt es dort in der Regel auch Selbstbedienungsrestaurants, wo man, ja, auch im Jogginganzug, nahezu rund um die Uhr Sushi und Salate essen kann. Die Passagiere sind hier im Durchschnitt Anfang vierzig. Die Schiffe bieten ihren Gästen alles, was man auf See so braucht (oder auch nicht). Lange Einkaufsmeilen, Bibliotheken, Kletterwände, oft Eislaufbahnen und immer riesige Theater, in denen vorzugsweise Broadway-Shows gezeigt werden.

Mit ihrem breit gefächerten Unterhaltungsprogramm und der entspannten Atmosphäre sind diese Schiffe auch für Familien mit Kindern eine gute Wahl – auf exklusiveren Schiffen werden Kinder manchmal als störend empfunden.

Veranstaltungen aller Art, Konzerte, Vorträge, Sprach-, Mal- und manchmal Computer- oder Keyboard-Kurse sind auf „klassischen“ Kreuzfahrtschiffen bereits im Preis enthalten. Wie die Vollverpflegung. Das können – je nach Schiff – bis zu sechs Mahlzeiten täglich sein, vom Early-Bird-Frühstück bis zum Mitternachtsbüffet. Schiffe der Luxusklasse bieten oft zusätzlich einen 24-Stunden-Zimmerservice an, bei dem der Gast aus der Speisekarte von der Bratwurst bis zum Kaviar alles bestellen kann, was sein Herz begehrt.

Eine Ausnahme in fast jeder Hinsicht sind die Schiffe von Easycruise. Die Törns sind zwar konkurrenzlos billig – eine viertägige Kreuzfahrt in der Ägäis gibt es im Frühherbst bereits ab rund 220 Euro –, doch die Einrichtung der engen Kabinen ist spartanisch und für alles außer der Unterkunft muss extra bezahlt werden – ob für Speisen und Getränke oder gar für die Reinigung der Kabine.

Ausgiebige Landgänge gehen zusätzlich ins Geld – längere Zeiten auf See sind bei Easycruise vom Konzept her nicht vorgesehen. Da sind die zumeist jungen Easycruise-Passagiere am Ende ihrer vermeintlich superbilligen Kreuzfahrt dann von den Endkosten oftmals doch ein bisschen überrascht.

Extras an Bord

Da die Nebenkosten oft einen Großteil des Urlaubsbudgets verschlingen, gilt es bereits vor der Reisebuchung, die Gesamtkosten zu kalkulieren. Dazu gehören zum einen die Getränkekosten. Kaffee und Tee sind bei klassischen Kreuzfahrern gratis. Eine Flasche Bier kostet meist um drei Euro. Ein Glas (Haus-) Wein findet sich in der Regel mit vier Euro auf der Rechnung wieder, die Flasche so ab 25 Euro. Wem das oft auf den Schiffen selbst aufbereitete Trinkwasser nicht schmeckt, der benötigt einen zusätzlichen Wasseretat. Leider halten sich viele Reederien auch hier schadlos. Auf manchen Schiffen kann man jedoch auch eine Getränkepauschale buchen. Das macht die Endabrechnung überschaubarer.

Wie in Ferienclubs üblich offeriert etwa Aida auf ihren Schiffen alle Tischgetränke, ob Bier, Wein oder Softdrinks kostenfrei. Weinliebhaber sollten allerdings immer von der regulären Weinkarte bestellen (und extra zahlen), es sei denn, sie können für die Dauer einer Reise mal auf Bier oder Wasser umschalten. Die Schiffe von Hapag-Lloyd bestücken die Kühlschränke der Passagiere ständig mit Softdrinks, auf einigen hochpreisigen Schiffen wie der „Seadream“ oder der „Silver Whisper“ sind sogar die Bargetränke im entsprechenden Reisepreis enthalten.

Einige Reedereien nehmen Aufschläge, will man in einem Spezialitätenrestaurant essen, wie auf den Aida-Schiffen (24 Euro für ein Sechs-Gänge- Menü), während man beispielsweise das Restaurant Venezia auf der „Europa“ oder die Sushi-Bar auf der „Crystal Serenity“ ohne Extrakosten nutzen kann.

Trinkgelder

Ein weiterer Kostenfaktor – und oft bei deutschen Gästen ein wunder Punkt – ist das Trinkgeld. Üblich ist es, für das Personal einen Obulus zwischen 2,50 Euro und vier Euro pro Person und Tag zu entrichten. Auf amerikanischen Schiffen kommt auf jede Bestellung von der Bar ein Servicezuschlag von zumeist 15 Prozent. Außerdem findet der Gast am Ende seiner Reise in seiner Kabine einen Umschlag, den er mit einem bestimmten Betrag zu füllen hat. Man bedenke: Dieses Geld macht den Hauptteil der Löhne des Servicepersonals aus. Andererseits gibt es Schiffe, wo das Trinkgeld laut Reiseausschreibung im Preis bereits enthalten ist. Was nicht heißt, dass man besonders flotten oder zuvorkommenden Service der Besatzung nicht mit einem Extraobulus versüßen darf.

Unterm Strich sollte von einem Zusatzetat von mindestens 200 bis 300 Euro pro Person und Woche ausgegangen werden – plus Landausflüge.

Landgänge

Nimmt man wirklich alle Landausflüge wahr, können bei einer längeren Tour deren Kosten höher ausfallen als der Preis der Kreuzfahrt selbst. Denn die Ausflüge kosten zwischen 30 und 120 Euro. Lediglich Großsegler und -yachten, wie beispielsweise die „Sea Cloud“ oder „Sea Dream“, bieten Landausflüge gratis an, da es keinerlei Unterhaltungsprogramm an Bord gibt. Für eine Teilnahme an organisierten Ausflügen spricht, dass man (meistens!) kundige Reiseführer hat, in bestimmten Häfen, wie in St. Petersburg, komplizierten Visa-Formalitäten aus dem Wege geht und als Alleinreisender auf Ausflügen schnell Kontakt findet. Individuelle Ausflüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind natürlich preiswerter. Manche Passagiere lassen sich allerdings gerade den individuellen Landgang richtig viel kosten. So ist es oft zum Beispiel möglich, bereits auf dem Schiff eine Limousine mit Privatchauffeur zu ordern, der den Gast dann zu den schönsten Plätzen der jeweiligen Gegend fährt. Das kann dann aber mit rund 200 Euro auch kräftig zu Buche schlagen. Alternativ gibt es in jedem Hafen Taxis, dann kostet der Ausflug nur einen Bruchteil. Die Fahrer sind in der Regel pfiffig genug, die schönste Aussicht oder den tollen Wasserfall anzusteuern.

Schnäppchensuche

Die Meinungen gehen darüber auseinander, wann und wo man seine Kreuzfahrt buchen sollte. Mit guter Beratung im spezialisierten Reisebüro, direkt bei der Reederei, im Internet oder gar beim Kaffee- Discounter? Es kommt drauf an. Zunächst gilt: je früher gebucht, desto preiswerter die Reise. Die meisten deutschen Reedereien möchten allerdings ihre Stammgäste nicht mit einem Rabattgewirr vergrätzen. Deshalb zahlen Passagiere hier fast immer Katalogpreise. Also kein Passagier kann dem Tischnachbarn die Laune verderben, indem er von dem Schnäppchenpreis schwärmt, den er gezahlt hat. Hapag-Lloyd etwa gewährt normal lediglich fünf Prozent Frühbucherrabatt, aber auch schon mal Angebote wie „drei Reisen genießen und nur zwei bezahlen“. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass für Restplätze doch mal „Sonderpreise“ gewährt werden. Generell ist das Preisniveau auf den „deutschen Schiffen“ (die ja mit Ausnahme von Deilmann alle ausgeflaggt sind) jedoch recht stabil – und relativ hoch. Preisvergleich bei Buchung von Außenkabinen: Für eine 14-tägige Mittelmeerkreuzfahrt auf der mit fünf Qualitätssternen ausgezeichneten „Europa“ sind mindestens 6480 Euro (inklusive Flugarrangement) zu zahlen, für 15 Tage im östlichen Mittelmeer auf dem Vier-Sterne- Schiff „Norwegian Jade“ ab 1599 Euro in der Zwei-Bett-Kabine (Reisezeit Dezember 2009, ohne An- und Abreise).

Immer mehr Reedereien gehen indes dazu über, tagesaktuelle Preise – je nach Auslastung – aufzurufen. Vor allem die amerikanischen Anbieter von Luxuskreuzfahrten sind sehr flexibel in der Preisgestaltung. Schnäppchen kann zudem machen, wer die Angebote in Zeitungen und auf speziellen Internetseiten wie www.e-hoi.de durchforstet.

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