Reise : Willkommen auf dem Bau

Hamburgs HafenCity ist noch im Werden, doch zu sehen gibt’s schon viel.

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Auha, sagen die Hamburger nur, wenn von der Elbphilharmonie die Rede ist. Foto: pa
Auha, sagen die Hamburger nur, wenn von der Elbphilharmonie die Rede ist. Foto: paFoto: picture alliance / Bildagentur-o

Spaziergänge an der Elbe, auch im Winter, gehören für viele Hamburg-Touristen zu den Klassikern. Ein noch vergleichsweise neues Terrain für Besucher ist die Hafen-City – mit immer mehr Möglichkeiten zum Bummeln am Fluss entlang. In der Jahreszeit, wenn die neu gepflanzten Bäume ihr Laub färben und die tiefstehende Sonne die Wasseroberfläche glitzern lässt, hat das noch einmal einen ganz anderen Reiz als im Sommer. Zu sehen gibt es einiges, auch wenn die Hafen-City noch eine Baustelle ist: Das Internationale Maritime Museum beispielsweise ist bereits ein beliebter Anlaufpunkt. Manche kommen auch nur, um zu gucken, wie weit die Bauarbeiten am umstrittensten Gebäude der Hafen-City sind: der Elbphilharmonie. Wer etwas Zeit mitbringt, kann sich kostenlosen Führungen anschließen.

Zu den touristischen Glanzpunkten gehört die Umgebung der Hafen-City schon lange: Das Deutsche Zollmuseum findet sich hier, das Gewürzmuseum, das Miniaturwunderland – die „größte Modelleisenbahn der Welt“ –, der Hamburg Dungeon und natürlich die Speicherstadt mit ihren vielen ansehnlichen Speicherhäusern aus Backstein, erbaut zu Kaisers Zeiten und seitdem der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt.

Mal ganz abgesehen davon, dass es von dort nur ein Katzensprung bis zu den Landungsbrücken in St. Pauli ist. Dort starten die traditionellen Hafenrundfahrten genauso wie die Fleettouren, bei denen man die Speicherstadt auf dem Wasser erkundet.

Nun ist mit der Hafen-City ein weiterer Anziehungspunkt hinzugekommen, von dem die Touristiker der Stadt glauben, dass er den Höhenflug der Besucherzahlen noch ankurbeln wird. Schon in den vergangenen Jahren ist Hamburg als Reiseziel immer beliebter geworden. Etwa zehn Millionen Gästeübernachtungen werden für dieses Jahr (2011) erwartet – 2020 werden es konservativen Schätzungen zufolge 13,5 Millionen sein. Aber auch 18 Millionen seien möglich, glaubt Dietrich von Albedyll, der Chef von Hamburg Tourismus.

Das neue Stadtviertel hat daran seinen Anteil: „Wir rechnen damit, dass 2025 täglich rund 80 000 Touristen in die Hafen-City kommen“, sagt Susanne Bühler von der Hafen-City GmbH. Einige sollen in dem neuen Quartier auch gleich übernachten. Denn weil es Hamburg insgesamt an Hotelzimmern fehlt, sind in der Hafen-City mehrere Neubauten geplant. Das Design-Hotel „25hours“ hat bereits im vergangenen Juli eröffnet.

Susanne Bühler steht vor dem Internationalen Maritimen Museum, das in den alten Kaispeicher B eingezogen ist, ein Speicherhaus aus dem Jahr 1878. „Es widmet sich 3000 Jahren Schifffahrtsgeschichte und ist schon jetzt eine Touristenattraktion“, sagt Bühler. Das Museumsgebäude liegt direkt am Magdeburger Hafen, in den früher die Schiffe von der Elbe kommend einliefen und ihre Ladung löschten. Bis ins Überseequartier ist es nicht weit – Besucher können vom Museum aus zu Fuß dorthin schlendern, ohne privaten Grund zu betreten: 37 Prozent der Flächen in der Hafen-City sind öffentlich zugänglich.

Das Überseequartier ist ein Stück fast fertige Hafen-City. Es gibt schon grüne Rasenflächen mit Parkbänken, einige Restaurants, eine Grundschule in einem fünfstöckigen Gebäude mit Pausenhof auf dem Dach samt Sonnensegel für heiße Sommertage. Der Schulgong klingelt gerade – die ersten Schüler sind vor zwei Jahren in ihre Klassenräume eingezogen. Die Architektur ist zeitgenössisch, nimmt aber Anleihen an den Backsteinbauten der Kaiserzeit. Die Atmosphäre ist offenbar entspannend: Auf einer Steinfläche zwischen zwei Rasenstücken hat sich ein erschöpfter Besucher zum Ausruhen hingelegt.

Die Gebäude des Quartiers haben klangvolle Namen wie Sumatra-Kontor. Und Bürohäuser stehen gleich neben solchen mit Wohnungen. Das ist typisch für das neue Stadtviertel, das die Hamburger unermüdlich als das größte Städtebauprojekt Europas feiern, und war von Anfang an so geplant: Das Ungewöhnliche an der Hafen-City sei die „Nutzungsmischung“, sagt Susanne Bühler. Wohnen und Arbeiten ist hier Tür an Tür möglich. „Es sind schon 300 Unternehmen hier, vom ,Spiegel‘ bis zum Germanischen Lloyd.“ Ein Ziel des Projekts sei, das Wohnen in die Innenstadt zurückzuholen. „Geplant sind 5800 Wohnungen für 12 000 Bewohner – heute leben in der Innenstadt 14 000 Menschen.“ Die Hafen-City sei ein klassisches Waterfront-Projekt, erklärt Bühler, „aber mitten in der Stadt, nur 900 Meter vom Rathaus entfernt. Das ist schon etwas Besonderes.“

Den Beschluss, mit der Hafen-City ein neues Viertel unweit der Elbe entstehen zu lassen, fasste die Hamburger Bürgerschaft schon 1997, Baubeginn war vor gut zehn Jahren. Und gerade erst wurden die Pläne für die Bebauung im Osten vorgestellt, wo bis voraussichtlich 2018 rund 1800 neue Wohnungen entstehen. Eine neue Brücke, über die Bewohner und Besucher aus der Innenstadt in die Hafen-City kommen können, soll es schon fünf Jahre früher geben. Die neue U-Bahn U 4 fährt ab Herbst 2012 in das neue Stadtviertel.

Noch einiges mehr, was Touristen interessieren könnte, ist Zukunftsmusik: Am Grasbrookhafen ist eine Marina geplant, vor dem Marco-Polo-Tower eine „Sansibar“, die erste außerhalb von Sylt. Und dann die Elbphilharmonie: Der Bau hat sich immer wieder verzögert, die Kosten explodieren. Noch immer ragen an der Baustelle Kräne in den Himmel. Eigentlich war die Eröffnung für 2010 vorgesehen. Wann das Konzerthaus fertig wird, ist ungewiss, sicher nicht vor 2014. Der Konzertsaal in 50 Metern Höhe soll 2150 Plätze bieten.

In den 26 Stockwerken soll es aber auch Wohnungen, Hotelzimmer und Restaurants geben. Und die Plaza im 8. Stock soll so groß werden wie der Hamburger Rathausmarkt – in 37 Metern Höhe lässt sie sich komplett umrunden. Wer zwischendurch eine Pause einlegen will, hat dazu in mehreren Cafés und Restaurants Gelegenheit. Man muss aber nicht warten, bis sie eröffnet sind: Sonntags gibt es öffentliche Baustellenführungen, bei denen die Besucher mit Helm und Gummistiefeln durch Hamburgs künftiges Wahrzeichen schlendern. Der Blick über die HafenCity ist schon jetzt ganz eindrucksvoll.

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