Winterferien : Am Fuß der Himmelsleiter

Schirmbars und Hullygully mit Mega-Lautsprechern gibt es in den Bergen genug. Fünf leise Alternativen für Langläufer und mittelgute Pistenrutscher.

Hans Eckart Rübesamen

Eine Garantie können wir nicht übernehmen. Es wäre ja möglich, dass ein lokaler Tourismuschef im letzten Augenblick auf die Idee kommt, eine Bar mit Schirm auf dem Dorfplatz zu installieren und die Lautsprecher megastark aufdrehen zu lassen, weil er meint, dass sein Ort nicht hip genug ist. Doch die Gefahr ist gering. Denn die Dörfer, die wir hier für erholsame Winterferien empfehlen, sind bei ihren Gästen gerade deshalb beliebt, weil sie ohne den Rummel auskommen.

Salzburger Land: Goldegg

Der See liegt mitten im Dorf. Wenn Eis und Schnee ihn bedecken, liegt ein Hauch von heiteren holländischen Winterbildern über ihm. Den in Goldegg bevorzugten Aktivitäten in frischer Schneeluft bietet er eine tragfähige Basis und einen charmanten Rahmen. Anderthalb Kilometer lang ist der Weg, auf dem man ihn umkreisen kann mit Hund, Partner, Kind und Rodelschlitten. Ebenso kurz ist der Rundkurs, auf dem Anfänger das Laufen in der Loipe lernen können. Im inneren Kreis des Sees vergnügen sich die Schlittschuhläufer, und wenn einer – besser noch: eine – auf den Po fällt, nehmen Spaziergänger wie Langläufer mitfühlend Anteil.

Fortgeschrittene können sich rund um Goldegg auf 36 Kilometer Loipen abarbeiten. Wer das Pistenfahren vorzieht, kann es sich entweder auf den bescheidenen Abfahrten am Buchberg bequem machen oder aber mit dem Skibus nach St. Johann hinüber fahren. Dort lockt der Einstieg in die „Sportwelt Amadé“ mit ihrem riesigen Pistennetz. Wer sich hier hinreichend ausgetobt hat, kehrt abends liebend gern nach Goldegg zurück. Kluge Lokalpolitik hat es geschafft, alles zu vermeiden, was Touristen in Massen anlocken könnte. Stammgäste genießen die gepflegte, aber keineswegs luxuriöse Atmosphäre des Ortes; Piefkes würden sich hier nicht wohl fühlen, Schickis ginge die Ruhe auf den Keks. Ein paar Hotels, gute Restaurants, Pensionen – das wär’s auch schon.

Hotel Gasthof „Zur Post“ (vier Sterne), die Gastlichkeit der Familie Gesinger ist so herzlich wie professionell. Telefon: 00 43 / 64 15 / 81 03, Internet: www.hotel post-goldegg.at. Eine Woche Halbpension 525 Euro pro Person im Doppelzimmer. Weitere Auskunft: Tourismusverband Goldegg; Telefon: 00 43 / 64 15 / 81 31.

Allgäu: Ofterschwang und Bolsterlang

Schon die Ankunft auf der Mittelgebirgsterrasse ist ein Ferienerlebnis: Alles wirkt freundlich, heiter, im besten Allgäuer Stil aufgeräumt – als würden Fenster und Gehwege nicht nur sonnabends gewienert. Das Gelände ist benutzerfreundlich, wie geschaffen für alle gemäßigten Wintersportarten wie Spazierengehen im Schnee, Eisstockschießen, Langlaufen, Pferdeschlitten fahren, Rodeln und solche Dinge. Am Hausberg, dem Ofterschwanger Horn, beginnt eine rasante Piste, die auch schon zu Weltcup-Ehren gekommen ist; doch gibt es gemütlichere Abfahrten überall im Revier, das dank einer Skischaukel bis ins Nachbartal hinüber reicht. Ofterschwang und Bolsterlang mit ihren bodenschweren Allgäuer Dorfnamen sind wie hübsche Zwillingsschwestern, die beide mit ihren Pisten- und Loipenreizen locken und die Wahl schwer machen. Die Gipfel über den Dörfern bilden die „Hörnerkette“; auf einer der schönsten und harmlosesten Skitouren der bayerischen Berge kommen auch weniger geübte Tourengeher gut zurecht. Da die Allgäuer sparsame Leute sind, rechnen sie mit ebensolchen Gästen, denen sie eine große Auswahl an Ferienwohnungen bieten können.

Allgäuer Berghof, 595 Euro pro Woche und Person im Doppelzimmer inklusive Halbpension (87544 Gunzesried-Ofterschwang; Telefon: 083 21 / 80 60, Internet: www. allga euer-berghof.de).

Auskunft: Verkehrsbüro Ofterschwang; Telefon: 083 21 / 821 57.

Steiermark: Ramsau am Dachstein

Gegenüber, auf der Schladminger Weltcuppiste, finden die größten Open-Air- Partys der Alpen statt (angeblich, die Konkurrenz ist groß!). Hier, auf dem sonnigen Ramsauer Hochplateau, treffen sich Winterurlauber, die es weniger eilig haben und weniger laut mögen. Hier gibt’s schöne Loipen, stille Wälder und stilvolle Bauernhöfe. Ramsau ist – fast möchte man sagen: leider – eine Ausnahmeerscheinung in den Alpen. Hier ist die Natur nicht dem Tourismus geopfert worden wie in so vielen Bergdörfern, sondern die Menschen haben es verstanden, ihre Landschaft zu erhalten, ihre Traditionen zu pflegen und trotzdem ihren Gästen zu bieten, was die heute erwarten dürfen: eine exzellente Infrastruktur, komfortable Gasthäuser und gemütliche Ferienwohnungen. Kuriosität am Rande: Ramsau ist die Gemeinde mit den meisten Pferden in der Steiermark. Davon profitieren auch die Gäste: Ständig sind 40 Pferdeschlitten auf den gepflegten, oft autofreien Sträßchen des Plateaus unterwegs.

Ein Superlativ, mit dem die Ramsauer zu Recht renommieren können, ist die Gletscherbahn, die das Gletscherskigebiet auf dem Dachstein in etwa 2700 Meter Meereshöhe erschließt. Eine andere Gipfelattraktion ist nicht weniger spektakulär: der Dachstein-Skywalk neben der Bergstation, eine „Himmelsleiter“ mit Aussichtsplattform am Ende und einem grandiosen Bergpanorama. Das gewaltige, bis fast 3000 Meter hohe Dachstein- Massiv wirkt sich übrigens auch klimatisch als segensreich aus: Es schützt die Ramsauer Sonnenterrasse vor den kalten Nordwinden.

Alpengasthof Peter Rosegger. Sieben Tage Halbpension, ab Ende Februar 1130 Euro für zwei Personen im Doppelzimmer ( A-8972 Ramsau am Dachstein; Telefon: 00 43 / 36 87 / 812 23, Internet: www.tis cover.at/peter.rosegger).

Weitere Auskunft: Tourismusverband Ramsau; Telefon: 00 43 / 36 87 / 818 33

Tirol: Berwang

Es gibt hier nicht mehr viele Bauern. Doch ein paar Rinder, Schafe oder Ziegen verbreiten immer noch kräftig rustikalen Duft wie in „der guten alten Zeit“, die allerdings in Dörfern wie Berwang vor dem Aufkommen des Tourismus, bis etwa vor 70 Jahren, unvorstellbar armselig war. Der Talschluss, in dem das fast- noch-idyllische, kinderfreundliche Bilderbuchdorf liegt, ist ein typisches „Schneeloch“ und von sanften Skibergen umgeben, die Anfängern keine Angst machen, während mittelgute Pistenrutscher sich schon beinahe wie Schneekönige fühlen dürfen. Kinderfreundlich ist Berwang, weil es im Dorf keinen Durchgangsverkehr gibt. So kann man auch die Kleinsten unbesorgt frei herumlaufen lassen, etwa vom Quartier zum Skikurs, was Eltern zu schätzen wissen, die sich mal für ein paar Stunden auf und davon machen möchten.

Wer mehr Herausforderungen sucht, wird sie in den benachbarten größeren Skistationen Ehrwald und Lermoos finden. Der Grubigstein über Lermoos ist ein abwechslungsreicher Pistenberg, auf dem sich zeigt, wer was – vielleicht – in Berwang gelernt hat. Zum Höhepunkt für die ganze Familie könnte die Auffahrt zur Zugspitze werden. Das gewaltige Felsmassiv von Deutschlands höchstem Berg beherrscht die Region so eindrucksvoll, dass die meisten Feriengäste einer Fahrt mit der Gondelbahn kaum widerstehen können. Dabei erleben sie auf dem Gipfel das totale Kontrastprogramm zu Berwang: rummelig und teuer! Das Entertainment beschränkt sich nämlich auf die Musikantenstadl-Melodien des „Berwanger Lederhosen- Duos“.

Gasthof Rose; Doppelzimmer mit Halbpension ab 70 Euro pro Person (Telefon: 00 43 / 56 74 / 86 35).

Auskunft: Tourismusbüro Berwang; Telefon: 00 43 / 56 74 / 82 68

Engadin: Sils Maria

Wenn es etwas größer und teurer sein darf, ist Sils am Rande der Oberengadiner Hochleistungs- Arena die richtige Adresse: Abseits der Durchgangsstraße, dazu konsequent verkehrsberuhigt, könnte man es einen Kurort nennen, fehlte ihm nicht jeder Hauch von Gesundheitsbetulichkeit, wäre es nicht ein Wintersportplatz, der in allen Fächern Traumnoten verdient: Die legendäre Marathon-Loipe Maloja–Pontresina– St.Moritz–Zuoz führt direkt an den Hotels und Ferienwohnungen vorbei; zur Talstation der Furcellasbahn, mit Anschluss an den riesigen Oberengadiner Pistenzirkus Corvatsch-Corviglia, fährt der kostenlose Skibus; die zuverlässig geräumten Wanderwege ins Fextal, am Silser und am Silvaplana-See entlang gehören zu den schönsten in der ganzen Schweiz.

Das leuchtende Licht des Oberengadins hat schon Friedrich Nietzsche gepriesen, der acht Sommer hier verbracht und Sils Maria in der Geisteswelt berühmt gemacht hat.

Trotz hoch entwickelter Infrastruktur hat Sils seine Eigenart bewahren können: Schöne Häuser mit Charakter stehen am Straßenrand, seine Bewohner vereinen handfestes Erwerbsstreben mit alten Traditionen. So erklärt sich der gute Ruf der Drei- und Vier- Sterne-Hotellerie von Sils.

Nobel: Hotel Waldhaus, CH-7514 Sils Maria; Doppelzimmer mit Halbpension ab 510 Schweizer Franken, rund 300 Euro (Telefon: 00 41 / 81 / 83 851 00, im Internet: www.waldhaus-sils.ch).

Bürgerlich-schweizerisch: Pensiun Privata, CH-7514 Sils Maria; Doppelzimmer mit Halbpension ab 270 Franken, zirka 160 Euro (Telefon: 00 41 / 81 / 826 52 47, Intenet. www.pensiunprivata.ch).

Weitere Auskunft: Verkehrsverein Sils Maria, Telefon: 00 41 / 81 / 838 50 50.

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