Reise : Wo der Adel Sommergäste empfing

Elf Schlösser im Hirschberger Tal ausgezeichnet.

Schloss Erdmannsdorf. Hier legten auch Schinkel und Stüler Hand an. Foto: gws
Schloss Erdmannsdorf. Hier legten auch Schinkel und Stüler Hand an. Foto: gws

Seit kurzem tragen elf Schlösser und Paläste im Tal rund um Jelenia Góra (Hirschberg) den Titel „Denkmäler der Geschichte“. Das Hirschberger Tal am Fuße des Riesengebirges gilt als eine der schlösserreichsten Regionen Europas mit rund drei Dutzend Burgen, Herrenhäusern und Palästen auf engstem Raum.

Mit der Auszeichnung werden die Bemühungen vieler privater Investoren sowie der „Stiftung der Schlösser und Gärten des Hirschberger Tals“ gewürdigt, die sich seit einigen Jahren erfolgreich darum bemühen, die vergessenen und teilweise verfallenen Anlagen neu zu beleben. Im 19. Jahrhundert hatten hier mehrere Mitglieder der preußischen Königsfamilie und zahlreiche andere Adelige ihren Sommersitz. In den vergangenen Jahren wurden viele der Anwesen erneuert. Einige werden seitdem als Hotels genutzt.

Der ehemalige preußische König Friedrich Wilhelm III. hatte 1831 das Schloss in Erdmannsdorf, dem heutigen Myslakowice, erworben. Er ließ die Anlage durch die berühmtesten preußischen Architekten der damaligen Zeit, Karl-Friedrich Schinkel und Friedrich-August Stüler, im Stil der englischen Gotik umbauen. Der nicht minder bekannte Gartenarchitekt Peter-Joseph Lenné schuf dazu die Parkanlagen im englischen Stil. Heute wird das Schloss von Myslakowice als Schule genutzt.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Palast von Wojanów (Schildau). Der einstige Sommersitz der Königstochter Luise wurde erst vor wenigen Jahren aus den Ruinen wiederaufgebaut und firmiert seitdem als Wellness- und Kongresshotel Palac Wojanów. Im Nachbarort Karpniki (Fischbach) besaß Prinz Wilhelm, der jüngere Bruder des Königs, seine Sommerresidenz. Auch dieses verwunschene Wasserschloss wird derzeit saniert und soll vom kommenden Jahr an ebenfalls als Schlosshotel dienen.

Auf der Liste der elf Objekte, die jetzt als nationale Kulturdenkmäler gelten, finden sich vier weitere Schlosshotels, darunter das Schloss von Lomnica (Lomnitz). Es war vor knapp zwei Jahrzehnten von der Familie von Küster, Nachfahren der letzten deutschen Eigentümer, erworben und wiederaufgebaut worden. Zu den ausgezeichneten Objekten gehören auch der Palast von Bukowiec (Buchwald), früher im Besitz der Familie von Reden und heute Sitz einer öffentlichen Verwaltung, sowie das ehemalige Schaffgottsche Palais im Zentrum von Cieplice (Bad Warmbrunn), das zurzeit von einer Hochschule genutzt wird.

Der Stiftung ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Park- und Schlösserlandschaft am Fuße der Sniezka (Schneekoppe) auch in Polen bekannt zu machen. Die Auszeichnung als nationales Kulturerbe ist eine Voraussetzung dafür, um für das Tal der Schlösser und Gärten den Status des Unesco-Welterbes zu beantragen.

Einige der genannten Schlösser kann man zwischen Mai und September auf einer einwöchigen Radtour des örtlichen Veranstalters White Bike erleben (sieben Übernachtungen mit Frühstück, Gepäcktransport, Tourinformation, Anreise täglich, 895 Euro pro Person im Doppelzimmer, Internet: www.whitebike.pl) Tsp

Allgemeine Auskünfte über Reisen nach Polen erteilt das Polnische Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel

Informationen zur Stiftung der Schlösser und Gärten (Fundacja Doliny Palaców i Ogrodów) unter www.dolinapalacow.pl

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