Reise : Wo Franzosen deutsche Küche goutieren

Elisabeth Binder

Hoteliers sind prädestiniert, die friedliche Völkerverständigung durch die stetige Vervollkommnung des Prinzips Gastfreundschaft voranzutreiben. Aber natürlich verstehen das nicht alle in gleicher Weise als Mission. Für Hermann Bareiss, Hotelier aus dem Schwarzwald, ist der Beruf gleichzeitig eine Berufung, seine Philosophie des Verwöhnens hat er unter anderem in eigenen Büchern dokumentiert. Zu den vielen fachlichen Auszeichnungen ist nun eine hinzugekommen, die den Schwarzwälder mit besonderem Stolz erfüllt. Für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft wurde er mit dem Orden des Chevalier de la Légion d’honneur ausgezeichnet.

Anlass war ein deutsch-französisches Freundschaftsessen, das er seit vielen Jahren jeweils zum französischen Nationalfeiertag organisiert. Viele Gratulanten, darunter der frühere Präsident Jacques Chirac und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, würdigten den „französischsten aller Deutschen“, wie der Laudator André Bord, langjähriger Minister und früherer Resistance-Kämpfer, den Ausgezeichneten nannte. Innenminister Wolfgang Schäuble betonte, dass nicht die große Politik, sondern die Menschen in ihrem tagtäglichen Bemühen die deutsch-französische Freundschaft voranbringen. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel hob hervor, dass Bareiss insofern „nachgerade ein Wunder“ gelungen sei, indem er einen nicht für möglich gehaltenen Gegenverkehr in den deutsch-französischen Beziehungen eingeführt habe. Nicht mehr nur die Deutschen pilgerten ehrfürchtig nach Frankreich, um sich dort von Esprit und Genießertum inspirieren zu lassen, sondern mit dem Bareiss habe der Patron „ein Refugium des Savoir-vivre“ geschaffen, in dem die Franzosen geschmackvolle Kultiviertheit und gelöste Entspannung suchten. Der amtierende Ministerpräsident Günther Oettinger hob in seiner Tischrede hervor, dass Herzlichkeit und gastliche Wärme dazu beitrügen, dass dieses Haus ein Brückenende zur Pflege der völkernachbarlichen Beziehungen sei.

Praktisch schlägt sich das nieder in den vielen französischen Plaudereien, denen man in der ausgedehnten Pool- und Wellnesslandschaft des Hauses lauschen kann. Zwar wird hier nach wie vor mit unverhohlenem Stolz die ganz große Küchenoper aufgeführt. Aber auch die Franzosen haben längst gelernt, dass der Mensch nicht allein von Gänsestopfleber und Champagner lebt, und honorieren die Anstrengungen, die hier für das innere und äußere Wohlgefühl unternommen werden. Elisabeth Binder

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