Reise : Zeitschachtel am Fluss

In Bangkok lädt ein Künstler Besucher in sein Haus.

Paul Martini
Foto: Martini
Foto: Martini

Mitten in Bangkok, eingeklemmt zwischen zwei alten glanzvollen Tempelanlagen aus der Ayutthaya-Zeit und einem geschichtsträchtigen Kanal, ducken sich die niedrigen Häuschen einer kleinen Gemeinde unter weit heruntergezogenen Blech- und Eternitdächern. Hier ist ein Teil Großstadt bewahrt, der aus jener Zeit stammt, als Thonburi noch Hauptstadt von Siam war, und als sich das Verkehrs- und Marktgeschehen noch überwiegend auf einem weit verzweigten Netz von Wasserwegen abspielte.

Wer heute auf engen, düsteren Gehwegen in das labyrinthische Wohnquartier eintaucht, kann noch den Geist jener vergangenen Zeit spüren. Da trifft man auf vollgestopfte Krämerläden und Generationen alte Handwerksbetriebe, die wie zeitgeschichtliche Gedenkstätten dem schnelllebigen Takt des Weltenlaufs widerstanden haben. Bangkok scheint hier weit weg zu sein, und doch ist die Millionenstadt nur eine Stadtbusfahrt entfernt.

Eines der Kanalhäuser gehörte über viele Generationen der aristokratischen Raksamruad-Familie, und sein letzter Besitzer war Admiral Yodchai Raksamruad. Über viele Jahre war das Haus vernachlässigt worden. Als der Admiral auf den Künstler Chumpol Akkapantanon aufmerksam geworden war, der mit anderen Kunstschaffenden ein heruntergekommenes Stadthaus zu einem stilvollen Boutiquehotel umgebaut hatte, bat er Chumpol um Hilfe.

Als Chumpol das Haus und die kleine Kommune sah, kam es ihm vor, als hätte er eine kostbare Perle in einer Zeitschachtel gefunden. Er kaufte das Haus und renovierte es. Heute steht Baan Silapin – das Künstlerhaus – Besuchern offen. Gäste können an niedrigen Tischen Gipsfiguren modellieren oder auf der schmalen Klongveranda entlang abgeschubberter Werktafeln Gesichtsmasken bemalen. Chumpol ist nahezu täglich anzutreffen. Gegen den bedrohlichen Bootsverkehr vorm Haus hat sich der Künstler eine List ausgedacht: Er hat lebensecht wirkende Schockfiguren als Achtungssignale vors Haus gesetzt, die Bootsführer mahnen sollen, das Tempo zu drosseln. Die haben ihrerseits jene sonderbare Flussszene als Ausflugsziel für ihre Bootsgäste entdeckt und verlangsamen tatsächlich ihre Fahrt. Paul Martini

Telefonische Auskünfte gibt es unter 089 / 125 39 49

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