Welt : Reisen mit Handicap: Die Extraportion Freundlichkeit

Elisabeth Binder

Nach einer Hüftoperation ist die Siebzigerin zwar nicht gehunfähig, aber noch unsicher und ziemlich wackelig auf den Beinen. Der USA-Trip, den sie aus familiären Gründen auf sich nimmt, könnte zum Abenteuer werden, fürchtet sie. Die Furcht ist überflüssig. Schon beim Einchecken in Frankfurt schaltet die Angestellte einer amerikanischen Fluggesellschaft auf extrafreundlich, fragt genau nach, wie viel Hilfe sie benötigt und regelt den weiteren Verlauf der Reise vorab.

In Dallas ist alles generalstabsmäßig geregelt. Einige Flughafenmitarbeiter erwarten die Hilfebedürftigen direkt am Flugzeug. Vorsichtshalber geht es nach dem langen Transatlantikflug mit dem Rollstuhl durch die Pass- und Zollkontrollen. Auch hier ist jener Extraschuss Freundlichkeit zu spüren, der in den USA selbstverständlich ist im Umgang mit Menschen, deren Bewegungsfreiheit in irgendeiner Weise eingeschränkt ist. Um zum Anschlussflug in einen anderen Teil des Flughafens zu kommen, steigt die Frau um auf eine kleine Bahn, die überwiegend ältere Menschen durch die weitläufigen Flughafengebäude fährt. Der Lokomotivführer weiß genau, wo seine Passagiere hinwollen, das haben ihm die Helferinnen vorab gesagt. Ja, man nimmt Trinkgeld an, signalisieren die Helfer. Aber das wird ihnen auch gern gegeben.

Auf einem kleineren Flughafen im Westen sind nicht sofort genug Leute zur Stelle. Dort hilft der Pilot persönlich beim Schieben der Rollstühle. Auch der weitere Verlauf der Reise zeigt, wie freundlich Amerika mit seinen Fußlahmen umgeht. Supermärkte stellen neben Einkaufswagen auch Rollstühle oder Elektrokarren zur Verfügung. Auch in Restaurants gibt es durchdachte Hilfestellungen. Als komfortables Reiseziel für Senioren sind die USA also unbedingt zu empfehlen. Man mag sich nur nicht recht vorstellen, wie es einer Siebzigerin aus den USA ergeht, die nicht ganz so gut zu Fuß ist, und sich gutgläubig auf den Trip nach Europa begibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar