Rekordansturm europäischer Touristen : Mallorca droht der Wassernotstand

Steigende Touristenzahlen und ausgebliebene Regenfälle machen auf Mallorca Einschränkungen nötig: Private Pools sollen nicht mehr gefüllt werden.

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Der Massentourismus auf Mallorca hat Folgen für den Wasserhaushalt - jeder Urlauber verbraucht pro Tag im Durchschnitt 278 Liter.
Der Massentourismus auf Mallorca hat Folgen für den Wasserhaushalt - jeder Urlauber verbraucht pro Tag im Durchschnitt 278 Liter.Foto: Andreas Lander/dpa

Wird es in diesem Sommer aus Wasserhähnen und Duschköpfen auf Mallorca nur noch tröpfeln? Die Gefahr ist real. Zumal der Rekordansturm europäischer Touristen die Wassernot auf der Insel weiter verschlimmert. Trinkwasser ist auf Mallorca ein rares Gut, und die Versorgung der Touristenmassen bereitet wachsende Probleme.

Seit fast einem Jahr hat es nicht mehr ausgiebig geregnet, Wälder und Felder sind knochentrocken. Der Wasserstand der Talsperren im Tramuntana-Gebirge nordwestlich von Palma und die Pegel der unterirdischen Grundwasserseen sind besorgniserregend niedrig. Die Inselregierung sah sich bereits gezwungen, Krisenpläne in Kraft zu setzten, um dem drohenden Wassernotstand entgegenzusteuern und um Einschränkungen bei der Versorgung zu vermeiden.

Die Behörden lösten „Voralarm“ aus. Mit dieser Warnstufe werden Wassersparmaßnahmen in Gang gesetzt. Ein akuter Trinkwassermangel wäre eine Katastrophe mitten in der Hochsaison, in der sich allein im Monat August nahezu zwei Millionen Urlauber auf der Insel aufhalten. Mit Schrecken denken die Tourismusmanager noch an Mallorcas Wassernot von 1995 bis 1997, als Tankschiffe das kostbare Nass zur Ferieninsel bringen mussten und auch in Hotels zeitweise nichts mehr aus den Leitungen kam.

Kapazität von Entsalzungsanlagen wurde hochgefahren

Zum Krisenplan gehört nun, dass drei große Meerwasserentsalzungsanlagen in den Inselorten Palma, Andratx und Alcúdia hochgefahren wurden. Sie wurden nach der letzten Wasserkrise in den 1990er Jahren mit Millionengeldern der EU gebaut. Diese Aufbereitungsfabriken, die das Salz und andere Stoffe herausfiltern und das Meerwasser dann ins Leitungsnetz pumpen, sollen Mallorca vor dem Wasserkollaps retten. Der immer noch salzige und chlorige Geschmack dieses Leitungswassers lädt freilich nicht unbedingt zum Trinken ein.

In normalen Jahren werden diese Entsalzungsanlagen kaum genutzt. Aber 2016 ist auf Mallorca kein normales Jahr, warnt der regionale Umweltminister Vicenç Vidal. Die Insel habe einen extrem trockenen Herbst und Winter erlebt. Die üppigen Regenfälle, die üblicherweise für eine Auffüllung der Wasserreserven sorgen, blieben aus, es ging nur die Hälfte der üblichen Niederschläge nieder. Und nun landen auf der Insel auch noch rund zehn Prozent mehr Urlauber als im Vorjahr – was die Hoteliers freut, aber die Umweltpolitiker besorgt.

Die Wetterprognose sagt einen heißen Sommer voraus

Vom Himmel ist vorerst keine feuchte Abhilfe zu erwarten. Die Wetterprognose für den Sommer auf Mallorca verheißt vor allem Hitze und tropische Nächte. Die Urlauber müssten sich dieses Jahr auf eine besonders heiße und trockene Zeit einstellen, prophezeit María José Guerrero vom staatlichen Wetteramt Aemet in Palma.

Mallorcas Wassernot wird also vermutlich noch länger bestehen bleiben. Vielerorts wurde bereits der Wasserdruck vermindert. Die 24 Golfplätze wurden angehalten, ihren Rasen nur noch mit recyceltem Abwasser zu beregnen – was etliche Plätze auch schon tun, aber eben noch nicht alle. Die privaten Poolbesitzer, so bitten die Behörden, sollen ihr Becken nur füllen, „soweit es unverzichtbar ist“.

Den mallorquinischen Hotels will man nicht zumuten, ihre Schwimmbecken diesen Sommer leer zu lassen. Aber die Hotelgäste werden aufgefordert, wenigstens auf ihren Zimmern beim Sparen zu helfen. „Das Glas ist nur noch halb voll!“, steht auf Infoblättern und Aufklebern. „Verschwende kein Wasser!“ Etwa durch überlanges Duschen. „Schließen Sie den Wasserhahn beim Einseifen, Rasieren und Zähneputzen“, wird geraten. Auch die Handtücher sollen nur zum Waschen gegeben werden, wenn sie wirklich schmutzig sind.

Nicht nur der Regenmangel, sondern auch der immer weiter wachsende Massentourismus hat Mallorcas Wasserversorgung an den Rand des Kollapses gebracht. Zehn Millionen Urlauber kamen 2015 auf die Insel, auf der nur 860000 Menschen leben. 2016 könnten es elf Millionen Feriengäste werden.

Jeder Urlauber verbraucht pro Tag 278 Liter Wasser

Und das hat Folgen für das ökologische Gleichgewicht: Jeder Urlauber verbraucht im Schnitt 278 Liter pro Tag. „Das ist mehr als doppelt so viel Wasser, wie ein Inselbewohner benötigt“, rechnet eine Sprecherin der Wasserwerke Emaya in Palma vor. Zu den großen Wasserverschwendern auf Mallorca zählen freilich auch die Gemeinden und Wasserversorger selbst. In ihren maroden Leitungsnetzen gehen annähernd 25 Prozent des gesamten Trinkwassers verloren, stellte die Inselregierung entsetzt fest. Deswegen wurden die Netzbetreiber jetzt dazu verdonnert, schleunigst die vielen Löcher in ihrem Rohrsystem zu stopfen.

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