Reporter ohne Grenzen : 60 getötete Journalisten im Jahr 2008

Der Irak bleibt für Journalisten das gefährlichste Land der Erde. Mindestens 15 Journalisten sind dort 2008 wegen ihrer Arbeit getötet worden. Aber auch in Pakistan, den Philippinen oder Afrika müssen Journalisten nicht selten um ihr Leben fürchten.

Reporter ohne Grenzen
Mindestens 15 Journalisten wurden während der Ausübung ihrer Pflicht im Irak ermordet. -Foto: dpa

BerlinMindestens 60 Journalisten und ein Medienassistent sind nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen in diesem Jahr wegen ihrer Arbeit getötet worden. Nach der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Bilanz wurden 673 Journalisten festgenommen, 929 erlitten Gewalt oder wurden bedroht und 29 wurden entführt. Der Irak bleibe mit 15 getöteten Journalisten das unsicherste Land für Medienmitarbeiter. Danach folgen Pakistan mit sieben Todesfällen und Philippinen, wo sechs Medienleute getötet wurden. In China und Kuba sitzen mit jeweils 30 und 23 Medienleuten die meisten Journalisten hinter Gittern.

Im Jahr 2007 waren 86 Journalisten und 20 Medienassistenten getötet worden. 2008 gab es zwar weniger Todesfälle oder Verhaftungen unter Journalisten, die für traditionelle Medien arbeiten. Daraus lasse sich aber nicht schließen, dass sich die Lage der Pressefreiheit verbessert hätte, heißt es in dem Bericht. Mit der wachsenden Bedeutung von Onlinemedien und Blogs konzentrieren viele Regierungen ihre repressiven Maßnahmen stärker auf das Internet.

Online-Zensur in 37 Ländern

In Afrika sei die Todesrate unter den Journalisten zwar gesunken - von zwölf im Jahr 2007 auf drei in diesem Jahr. Der Grund liege aber nicht im besseren Schutz von Journalisten. In Kriegszonen wie Somalia gebe es immer weniger Nachrichtenmedien. 2007 war der ostafrikanische Staat noch das zweitgefährlichste Land für Journalisten.

Dem Bericht zufolge wurden mindestens 29 Journalisten aus politischen oder kriminellen Gründen entführt. In Afghanistan wurden sieben Journalisten und Medienassistenten gekidnappt, in Somalia und Mexiko jeweils fünf und im Irak vier.

Anfang 2008 sei in China erstmals ein Mann getötet worden, der sich als Bürgerjournalist im Internet engagierte. Kommunale Polizeibeamte erschlugen den chinesischen Unternehmer Wei Wenhua, als er am 7. Januar einen Zusammenstoß mit Demonstranten filmte. Weltweit sind laut Reporter ohne Grenzen 59 Blogger im Gefängnis, Fälle von Online-Zensur wurden in 37 Ländern dokumentiert. Die Liste wird von Syrien angeführt mit 162 zensierten Webseiten, gefolgt von China mit 93 Seiten sowie der Iran mit 38 Seiten.

In ihrer Bilanz dokumentiert Reporter ohne Grenzen nur Fälle, die eindeutig oder mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Berufsausübung in Verbindung stehen. Fälle, die nicht geklärt oder etwa mit Krankheit oder Unfällen verbunden waren, seien nicht in der Statistik aufgeführt. (ah/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben