• Reserven reichen nur noch für zwei Monate - Tourismus wächst schneller als die Infrastruktur

Welt : Reserven reichen nur noch für zwei Monate - Tourismus wächst schneller als die Infrastruktur

Ralph Schulze

Die Trinkwasservorräte sind auf einem Minimum. Wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, wird es im Sommer aus vielen Hähnen und Duschen auf den Baleareninseln nur noch tröpfeln. Die Lage ist so dramatisch, dass die Inselregierung in aller Eile einen Krisenplan beschloss. Die letzten Reserven sollen ausgeschöpft werden, damit Bewohner wie Touristen nicht auf dem Trockenen sitzen. Fachleute bezweifen, ob dies ausreicht und hoffen auf Regen - viel, viel Regen.

Die Inselwasserwerke ließen vor einigen Tagen die Bombe platzen: Wir verfügen nur noch über Reserven für zwei Monate. Schon jetzt, in der touristischen Nebensaison, könne die benötigte Trinkwassermenge nur noch mit Mühe beschafft werden. Spätestens im Sommer würden bis zu 50 000 Kubikmeter pro Tag fehlen. Und das allein im Südwesten der Insel, im Einzugsgebiet Palmas, Calvias und Llucmajors, wo sich mehr als die Hälfte aller Touristen aufhalten. Rund 150 000 Kubikmeter täglich müssen in der Hochsaison für diese Region ins Netz gespeist werden.

Die Talsperren in Mallorcas Hinterland sind schon fast ausgetrocknet. Nur noch zu rund 15 Prozent gefüllt. 1999 war das trockenste Jahr der vergangenen drei Jahrzehnte. Und zugleich das Jahr mit dem höchsten Wasserverbrauch auf der Insel. Noch nie hatten so viele Touristen die spanischen Mittelmeerinseln besucht: Rund 11 Millionen waren gekommen, ein Zuwachs von zehn Prozent. Mit dem Touristen- und Bauboom wachsen auch die Umweltprobleme. Wasser und Strom werden knapp, etliche Dörfer mußten 1999 bereits Wasserbeschränkungen hinnehmen, der Müll stapelt sich mangels ausreichender Entsorgungskapazität immer höher. Dabei war auf Mallorca erst im Sommer 1999 eine riesige, mit europäischen Geldern gebaute Meerwasser-Entsalzungsanlage in Betrieb genommen worden. Ausreichend für 42 000 Kubikmeter Trinkwassergewinnung. Hochmodern und schon wieder zu klein. Der Tourismus auf Mallorca wächst schneller als die begleitende Infrastruktur.

Um die Wasserkrise zu bekämpfen, hat die linke Balearenregierung nun einen Notfallplan in Kraft gesetzt. Wichtigste Punkte: Wassersparen und die Ausbeutung der letzten Ressourcen. Die Kapazität der Entsalzungsanlage wird um zehn Prozent vergrößert. Lecks im unterirdischen Wassernetz abgedichtet, Trinkwasserbrunnen im Landesinneren bis zum letzten Tropfen angezapft. Alle Wohnungen und Häuser erhalten eigene Wasserzähler, um die Verbraucher zum Sparen zu animieren.

Beim Kampf gegen die Trinkwasserverschwendung müssten die Behörden zunächst einmal im eigenen Stall aufräumen. Noch immer geht mindestens jeder fünfte Liter Trinkwasser im undichten Leitungsnetz verloren. Inoffizielle Quellen sprechen gar von 50 Prozent des Trinkwassers, das ungenutzt in der Erde versickert. Wenn alle Wassersparpläne scheitern, dann müssen vielleicht doch wieder die Wasserschiffe kommen. Jene schwimmenden Container, die von 1995 bis 1997 geklärtes Wasser aus dem nordspanischen Ebro-Fluss herbeibrachten. Ein sündhaft teures Unternehmen, dass die Mallorquiner noch bis zum Jahr 2004 mit ihren Wassergebühren abbezahlen müssen.

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