Welt : Residenz für die Ewigkeit

Sabine Heimgärtner

"Gönnen Sie sich einen schicken, historischen Wohnsitz nach dem Tod" - mit diesem makabren Slogan wirbt die Stadt Paris in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium, der Denkmalschutz-Vereinigung und der Steinmetz-Innung für den Kauf von alten Grabmalen auf dem Pariser Prominenten-Friedhof Père Lachaise. Eine Immobiliengesellschaft hält sogar einen Katalog bereit: Angeboten werden zahllose kleine Mausoleen, winzige Kapellen, Stelen oder Grabhäuschen, meist aus dem 19. Jahrhundert, die allmählich verfallen und auf diese Weise der Nachwelt erhalten werden sollen. "Garantiert vertraulich, Führungen werden auf Wunsch individuell organisiert", heißt es in der Broschüre der Gräber-Makler.

Rund 5000 historische Grabstätten auf dem berühmten Friedhof im Pariser 20. Arrondissement haben sich im Laufe der Jahrzehnte in Ruinen verwandelt und stehen nun zum Verkauf an. Darunter etliche Prachtstücke: Mini-Mausoleen, reich verziert mit steinernen Putten, schmiedeeisernen Törchen, meist aus Naturstein gebaut und mit viel Marmor geschmückt. Die meisten der verlassenen Grabstätten führen seit über 50 Jahren ein einsames Dasein, weil auch die Angehörigen derer, denen sie einst als letzte Ruhestätte gewidmet waren, längst verstorben sind.

Rechtlich gesehen gehören die Gräber der Stadt Paris, die aber hat kein Geld, die historischen Stätten zu renovieren. So entstand die Idee, die Grabmale zu verkaufen, die neben den obligatorischen Engeln, Pyramiden und Obelisken teilweise bizarr gestaltet sind. Bei dem einen steht eine Kanone auf der Grabplatte, bei einem anderen eine Lokomotive und wieder ein anderer hat einen Leuchtturm als Grabmal. Der Käufer verpflichtet sich, die als "historische Monumente einzigartiger Architektur" eingestuften Gräber zu renovieren. Dafür darf er später darin ruhen. Billig ist das Vergnügen nicht. Mit einigen hunderttausenden Francs müsste man rechnen, meint der Chef der Steinmetz-Innung.

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