Welt : Resistentes Bakterium breitet sich aus

Erreger in den USA tötet auch Junge und Gesunde

Adelheid Müller-Lissner

Ein Bakterium, das bisher vor allem Klinikärzten Sorgen machte, könnte in Zukunft auch Gesunde und Junge gefährden. So starb in den USA eine 31-jährige Frau, die während einer Zwillings-Schwanger- schaft erkrankte, nach einer Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile an einer schweren Darmentzündung. Und das „trotz aggressiver Behandlung“, wie Forscher von den Centers of Disease Control (CDC) der USA im „Morbidity and Mortality Weekly Report“ mitteilen.

Der Erreger ist dafür bekannt, dass er sich im Darm ungestört verbreitet, wenn Patienten wegen anderer Erreger mit Antibiotika behandelt werden und die Darmflora ins Ungleichgewicht gerät. Er produziert Giftstoffe, die Durchfälle und Darmkrämpfe verursachen. Die Autoren des CDC-Berichts zeigen sich jetzt aber beunruhigt darüber, dass acht der 33 Erkrankten, die sie in ihrem Bericht vorstellen, in den letzten drei Monaten gar keine Antibiotika eingenommen hatten, die die Darmflora hätten verändern können. Bisher ging man davon aus, dass Clostridium difficile unter normalen Umständen ein friedliches Mitglied in der Gemeinschaft der Mikroorganismen bleibt, die den Darm besiedeln. Meist ruht es dort in der Dauerform inaktiver Sporen. Etwa drei Prozent aller Gesunden und 20 bis 40 Prozent der Krankenhauspatienten beherbergen den Erreger nach Schätzungen des „Deutschen Ärzteblattes“. Erst wenn ein Patient Antibiotika nimmt, ist die Stunde der schlummernden Darm-Mikroben gekommen. Sie können sich dann, ungestört von ihren natürlichen Rivalen, schnell vermehren und in größerem Ausmaß Giftstoffe bilden. Vor allem Krankenhauspatienten über 65, die die Mittel bekommen, sind gefährdet, ist in der morgen erscheinenden Ausgabe des renommierten „New England Journal of Medicine“ zu lesen. Dort beschäftigen sich gleich zwei Studien mit dem bisher möglicherweise unterschätzten Erreger. Eine Arbeitsgruppe aus Atlanta hat mit molekularbiologischen Methoden einen besonders gefährlichen neuen Stamm identifiziert. Aufgrund einer genetischen Veränderung produzieren Bakterien dieses Stamms vermehrt Giftstoffe.

Eine andere Untersuchung aus dem kanadischen Québec bestätigt, dass die Infektionen inzwischen häufig zu ernsthaften Erkrankungen führen. Auf 1000 Klinikeinweisungen kommen 22 Fälle, sieben Prozent der Infizierten sterben, von den Hochbetagten stirbt sogar jeder Sechste. In Deutschland sei die aggressivere Variante bisher noch nicht gefunden worden, sagt Charité-Mikrobiologe Ulf Göbel. „Ich würde mich jedoch nicht wundern, wenn es sie auch hier gibt.“

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