Welt : Rettung für einen Sechsjährigen - der Junge war vier Tage lang verschüttet

Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Taiwan haben Rettungsmannschaften am Freitag einen sechsjährigen Jungen aus den Trümmern eines zwölfgeschossigen Wohnhauses gerettet. Mit bloßen Händen gruben die Helfer aus Südkorea und Japan den Verschütteten frei, der anschließend in ein Krankenhaus gebracht wurde. Der behandelnde Arzt sagte nach der Untersuchung, der Junge habe viel Wasser verloren, sei ansonsten aber in guter Verfassung.

"Ich brauche Wasser. Warum bin ich hier, und wo sind meine Eltern", waren die ersten Worte des Jungen, der 87 Stunden unter den Trümmern lag. Für die Eltern und beiden Schwestern, die ebenfalls von dem eingestürzten Wohngebäude bei der Stadt Taichung verschüttet wurden, bestand wenig Hoffnung auf Rettung. Auch an anderen Orten schwanden die Hoffnungen der Rettungsteams, noch Überlebende zu finden.

Der Schwerpunkt der Hilfsaktionen verlagerte sich von der Suche nach Überlebenden zu dem Wegräumen des Schutts und der Hilfe für die mehr als 100 000 Obdachlosen. Nach Behördenangaben wurden bisher mehr als 2200 Tote geborgen, 68 Menschen wurden noch vermisst. Wie es weiter hieß, wurden bei dem Beben in der Nacht zum Dienstag 8137 Menschen verletzt. 306 Menschen sollen den Angaben zufolge noch verschüttet sein.

Im Gegensatz dazu gingen Rettungsmannschaften davon aus, dass noch Hunderte Menschen unter den Trümmern liegen. In den ländlichen Gebieten bei Taiwans drittgrößter Stadt Taichung hätten die Behörden gerade erst mit der Suche begonnen, sagte ein örtlicher Beamter.

Das Schweizerische Katastrophenhilfekorps (SKH) teilte am Freitag mit, die 77 Katastrophenhelfer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die gemeinsam in der Region Taichung im Einsatz stehen, hätten seit Donnerstag 16 Verschüttete geortet. Wie es weiter hieß, konnten vier der Opfer nur noch tot geborgen werden. Die Bergung der übrigen Verschütteten dauere noch an.

Unterdessen berichteten lokale Tageszeitungen, mehrere Hunderttausend Menschen seien bei dem Beben obdachlos geworden. Die Regierung hatte bisher von etwas mehr als 100 000 Obdachlosen gesprochen. Unter den Menschen, die in Zeltstädten leben, wuchs unterdessen die Kritik am Krisenmanagement der Regierung. Diese räumte ein, sie sei auf eine Katastrophe dieses Ausmaßes nicht vorbereitet gewesen. Am Freitag, dem Tag des Herbstmondfestes, wehte die Flagge vor dem Präsidentenpalast in Taipeh auf Halbmast.

Nachdem ein 24-Jähriger erfuhr, dass seine Mutter bei dem Erdbeben umgekommen sei, unternahm der Mann einen Selbstmordversuch. Mit dem Aufschrei "Mutter, ich will bei dir sein" übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an.

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