Rettungsaktion : Neue Lockgeräusche für verirrte Wale

Die Buckelwale, die sich in den kalifornischen Sacramento River verirrt haben, sollen mit neuen Geräuschen auf den richtigen Weg gebracht werden. Die Zeit wird knapp.

San Francisco - Mit dem Krach von Metallrohren war es Wal-Experten auch am Mittwoch nicht gelungen, die riesigen Meeressäuger in Richtung Pazifik zu treiben. Nun wollen sie es auf die "sanfte" Methode versuchen, berichtete die Zeitung "San Francisco Chronicle". Dann sollten das auf den Namen "Delta" getaufte Muttertier und ihr "Dawn" genannter Sprössling mit aufgezeichneten Geräuschen von Artgenossen nach Westen gelockt werden.

Sollten die Walgesänge als Köder scheitern, könnten flussaufwärts zur Abschreckung auch die für Buckelwale bedrohlichen Töne eines Killerwals eingesetzt werden. Diese Geräusche wurden bei dem Angriff eines Killerwals auf zwei Grauwale aufgenommen.

Haut der Wale wird bereits stumpf

Vor fast zwei Wochen hatte die Odyssee der Tiere durch das Flussdelta ins Landesinnere begonnen. In den vergangenen Tagen zogen sie große Kreise unter einer Brücke nahe Rio Vista, mal flussaufwärts, mal flussabwärts. Biologen und Mitarbeiter der Küstenwache, die sich verzweifelt um die Rettung der Tiere bemühen, sind besorgt, dass die Wale immer schwächer werden. Ihre Haut sei in dem Flusswasser bereits stumpf geworden, und mehrere Wunden, die vermutlich von Schiffsschrauben stammen, würden nicht verheilen.

Am Montag hatten die Wissenschaftler erstmals zu drastischeren Mitteln gegriffen und mit Metallrohren Krach geschlagen. Die Methode ist allerdings umstritten, denn die lauten Geräusche könnten die ohnehin gestressten Tiere noch mehr irritieren. "Bis jetzt gibt es keine Anzeichen dafür, dass wir mit dem Krach Erfolg haben", sagte ein Sprecher des Meeressäuger-Zentrums in Sausalito. "Wir haben es mit sehr großen Tieren zu tun, die uns die Rettung nicht einfach machen".

Helfer müssen Schaulustige fernhalten

Falls die Wale am Donnerstag auf die Geräusch-Experimente nicht reagieren, wollen die Wissenschaftler ihnen am kommenden Feiertagswochenende eine Pause gönnen. Helfer haben dann alle Hände voll zu tun, Urlauber und Schaulustige von den Tieren fern zu halten. Boote müssen knapp 500 Meter Abstand halten.

Der Bestand von Buckelwalen vor der amerikanischen Westküste zwischen Mexiko und Kalifornien wird auf rund 1500 Tiere geschätzt. Bei so einer kleinen Zahl sei es äußerst wichtig, das Muttertier und ihr Junges zu retten, sagte der Biologe Trevor Spradlin. Als bedrohte Tierart werden sie durch zahlreiche Gesetze geschützt. (tso/dpa)

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