Rettungsaktion : Phönix aus der Grube

Aus 700 Metern Tiefe müssen die Verschütteten des chilenischen Grubenunglücks an die Oberfläche gebracht werden. Die Rettungsaktion ist minutiös geplant.

Angela Reyes
Nach oben werden die Männer in dieser kaum schulterbreiten Kapsel gebracht.
Nach oben werden die Männer in dieser kaum schulterbreiten Kapsel gebracht.Foto: dpa

Die Vorbereitungen für die Rettung der 33 verschütteten Bergleute der Mine San Jose in der chilenischen Atacama-Wüste gehen in die Schlussphase. Am Sonntag begannen die Arbeiten für die Verkleidung der Innenwände des Rettungsschachts. Die ersten hundert Meter des insgesamt 624 Meter langen Kanals werden mit Stahlröhren verkleidet. Das soll verhindern, dass herabbröckelndes Gestein die Kapseln während ihrer Fahrt in die Tiefe oder an die Erdoberfläche blockiert. Da der Rest des Kanals aus überwiegend festem Gestein und Fels besteht, halten es die Ingenieure für vertretbar, diesen nicht speziell zu behandeln. Eine Kamerafahrt in die Tiefe hatte den Experten wertvolle Erkenntnisse über den Zustand des Kanals geliefert.

Nach endgültiger Fertigstellung des Kanals werden ein oder zwei Mitglieder des Rettungsteams in die Mine hinabfahren. Sie sollen die Verschütteten in dem Stollen in fast 700 Metern Tiefe auf die Bergung vorbereiten. Zudem sollen die Männer medizinisch untersucht werden. Gegebenenfalls wird dann auch eine Reihenfolge festgelegt, wer wann die Fahrt in die Freiheit antreten darf. Es stehen mehrere speziell für die Aktion gebaute Rettungsbomben bereit, um die Minenarbeiter nach oben zu befördern. Diese Hightech- Körbe bieten im Inneren gerade mal Platz für eine Person. Die Vorderseite der orangeblauen Rettungskapseln ist mit einem Gitter versehen, so dass die Männer nicht komplett von einem Eisenmantel umgeben sind. Pro Auffahrt werden zwischen 20 bis zu 60 Minuten eingeplant.

Obwohl die medizinische Untersuchung vor Ort die Reihenfolge der Bergungsaktion noch einmal ändern kann, wurden vorab bereits drei Gruppen gebildet. Zuerst sind diejenigen an der Reihe, die für die Auffahrt körperlich am besten geeignet sind. Dazu zählen etwa vier bis sechs Personen. Sie haben kein Übergewicht und werden als besonnen und ruhig genug eingeschätzt, um sich bei etwaigen Komplikationen richtig zu verhalten. Ihre Erfahrungen nach den ersten Fahrten in der Kapsel wollen die Retter nutzen, um das weitere Vorgehen anzupassen. Der zweiten Gruppe gehören Männer an, die gesundheitliche Probleme wie Diabetes oder Atemschwierigkeiten haben oder größer und schwerer als die anderen sind. Die stärksten kommen zuletzt – sie sollen ihren Kollegen bis zum Schluss beim Aufstieg helfen.

Die Bergleute müssen sich auf einen enormen Medienrummel gefasst machen. Sie wurden bereits psychologisch darauf vorbereitet. Das Wiedersehen mit den Angehörigen soll in abgesperrten Containern stattfinden. Offizielle Kameras der chilenischen Regierung sollen die emotionalen Momente festhalten. Damit die Gefühle kontrollierbar bleiben, sollen die Angehörigen die Männer nicht alle gleichzeitig, sondern in einer festgelegten Reihenfolge treffen. Die Minenarbeiter werden rund 400 US-Dollar teure Spezialsonnenbrillen erhalten, um sich nach zwei Monaten Dunkelheit gegen das grelle Tageslicht zu schützen. Die UV- Strahlung in der Atacama-Wüste gilt als besonders intensiv, daher raten einige Experten, die Bergung bei Nacht durchzuführen. Nach einem medizinischen Check werden die Geretteten mit dem Hubschrauber ins Hospital der Stadt Copiapo geflogen. Nach zwei Tagen Beobachtung sollen die Bergleute dann endlich nach Hause dürfen. Angela Reyes

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