Welt : Rettungsfirma war im Konkurs

KASSEL (dpa).Das nordhessische Bohrunternehmen Angers & Söhne, das den Rettungsschacht für den verschütteten Georg Hainzl in Lassing gebohrt hat, war bis vor zwei Monaten noch im Konkurs.Arbeitgeber des zehnköpfigen Rettungsteams ist die am 1.Juni gegründete Nachfolgefirma des pleite gegangenen Traditionsunternehmens.Die Geschäftsführer Müller-Ruhe und Schindler haben sie mit Mitarbeitergeldern und der Hilfe des alten Firmenchefs Anger ins Leben gerufen.

Der Tief- und Brunnenbauer wurde 1863 im thüringischen Nordhausen gegründete und 1951 nach Hessisch-Lichtenau bei Kassel umgesiedelt.Das Unternehmen gehört seit Generationen zu den renommiertesten Firmen der Branche.1995 verkaufte Heinrich Angers das gut ausgelastete und profitable Familienunternehmen an die große nordhessische Baufirma Fröhlich, um die Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern.Er hatte keinen Nachfolger gefunden.

Angers geriet dadurch aber mit in den überraschenden Konkurs der Firma Fröhlich, die sich mit ehrgeizigen Auftragszuwächsen übernommen hatte.Im Februar 1998 mußte Angers Konkurs anmelden.140 Beschäftigte standen zunächst auf der Straße.Die neu gegründete Firma beschäftigt nun 55 Mitarbeiter im Bereich Brunnenbau/Tiefbohrungen weiter.Beim Bohrauftrag in Lassing haben die Geschäftsführer trotz ihrer knappen Kassen nicht nach Geld gefragt, wie Schindler betonte."Wir sind angerufen worden und sofort losgefahren.Wer das bezahlt, wissen wir noch nicht."

"Sie waren die ersten, die verfügbar waren, eine solche Großbohrung vorzunehmen", begründete die Sprecherin des österreichischen Wirtschaftsministeriums den Einsatz der deutschen Retter.Sie hatten mit einem 33 Tonnen schweren Spezialgerät einen Stollen von rund 60 Zentimetern Durchmesser senkrecht in die Tiefe getrieben, durch den Hainzl später geborgen werden konnte.Entgegen ersten Berichten wurde er nicht mit einer sogenannten Dahlbusch-Bombe gerettet, wie sie andernorts immer wieder zum Einsatz kam (Foto rechts).

Georg Hainzl ist zwar körperlich gesund, aber stark verängstigt.Das berichteten die Ärzte im Krankenhaus Graz.Er werde nun vor allem psychisch betreut.Er weiß noch nichts vom Schicksal der anderen zehn Kollegen, die unmittelbar nach dem Unglück zu ihm vordringen wollten und ebenfalls verschüttet wurden.Nach ihnen sucht jetzt noch ein zweites Bergungsteam aus Deutschland, das zur Verstärkung angefordert wurde.Es kommt aus Celle.

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