Welt : Richtung Unendlichkeit

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Stehen bleiben und überholen. Nena. Foto: ddp
Stehen bleiben und überholen. Nena. Foto: ddpFoto: ddp

Sie sprüht vor Energie wie ein Feuerwerkskörper, sie springt über die Bühne wie ein Flummiball. Es ist ein ausgesprochen attraktiver Hüpfer, einer in Leder und Röhrenjeans. Das knappe Stones-Shirt, das sie trägt, sieht nicht nur aus wie aus den Achtzigern, es könnte tatsächlich aus den Achtzigern sein. Die Frau kann sich das leisten, denn figürlich, wie in jeder anderen Hinsicht, ist sie bestens in Form. Am heutigen Mittwoch wird Nena 50. Eine Generation staunt.

„Nena“ bedeutet kleines Mädchen, und genau das ist sie bis heute geblieben. Obwohl sie bereits zweifache Großmutter ist und seit einem Vierteljahrhundert im Rampenlicht steht. Irgendwie muss die Zeit bei Nena stehen geblieben sein, mehr noch, rückwärts gehen. Kein Wunder, dass manch einer im Zusammenhang mit ihr vom seltsamen Fall des Benjamin Button spricht. So unglaublich das Alter der dunkelhaarigen Schönen einerseits erscheint, so unglaublich ist umgekehrt, welchen Weg sie schon zurückgelegt hat. Darüber kann sie selbst nur staunen: „Es ist nicht zu fassen, was alles in ein Leben passt.“ Das Gesicht der Neuen Deutschen Welle war mehrfach ganz oben und nie ganz unten. Obwohl Nena, privat wie beruflich, einige Schläge erlitten hat.

1960 als Susanne Gabriele Kerner in Hagen geboren, absolvierte die Tochter eines Lehrerehepaares zunächst eine Lehre zum Goldschmied. Mit 19 startete sie dann ihre Musikkarriere, anfangs in der Gruppe „The Stripes“, später mit eigener Band. Ihren ersten Hit landete sie mit „Nur geträumt“, er schaffte es auf Platz zwei der Hitparaden. Der internationale Durchbruch gelang ihr 1983 mit „99 Luftballons“. Der Song traf den Nerv der Zeit. Ob in den USA, Japan oder England, alle wollten Frieden. Und sie.

Seit dem ist viel passiert. 1987 lernt Nena den Schauspieler Benedict Freitag kennen, im Februar 1988 bringt sie ihr erstes Kind zur Welt. Ein Jahr später stirbt der behinderte Junge, mit dem Album „Wunder geschehn“ verarbeitet Nena ihren Schmerz und legt den Grundstein für ihre Solokarriere. Kurz darauf bekommt sie die Zwilling Sakias und Larissa. Fast zeitgleich machten die beiden Neunzehnjährigen ihre Mutter Ende vergangenen Jahres zur Oma. 1992 trennen sich Nena und Freitag, Mama Nena wechselt das Genre. Sie nimmt zahlreiche Kinderplatten auf, moderiert eine Jugendsendung und spielt Theater. 1995 und 1997 wird sie erneut Mutter, Vater ist der zwölf Jahre jüngere Philipp Palm. Mit dem Musiker ist sie bis heute liiert.

Anlässlich ihres 20-jährigen Bühnenjubiläums bringt Nena 2002 dann das Album „Nena feat. Nena“ heraus und katapultiert sich damit selbst aus der Versenkung. Die Coverversionen ihrer alten Songs verkaufen sich millionenfach, nachgewachsene Jahrgänge entdecken die Künstlerin für sich und akzeptieren sie ohne Weiteres als Star ihrer Generation. Gemeinsam mit Kim Wilde setzt Nena 2003 noch einen drauf: „Anyplace, Anywhere, Anytime“ läuft auf den Musikkanälen rauf und runter. Look und Stimme der Brünetten sind unverändert, nur die Sprache ist neu. Nena singt jetzt englisch, die Teenager des neuen Jahrtausends danken’s ihr. Sie halten sie über Wochen in den Charts.

Nena startet ein zweites Mal richtig durch, liefert 2005 mit „Liebe ist“ den Titelsong zur populären Sat-1-Telenovela „Verliebt in Berlin“ und begeistert kurz darauf mit ihrer Doppel-CD „Willst du mit mir gehen“. Im November desselben Jahres geht Nena international auf Tournee. Fans beglückt, Comeback geglückt.

Nena sucht sich wieder neue Aufgaben, 2007 gründet sie mit ihrem Lebensgefährten die „Neue Schule Hamburg“, in der Schüler selbstbestimmt lernen sollen. Irgendwie, irgendwo, irgendwann macht Nena dann von allem ein bisschen. Sie synchronisiert, moderiert und modelt. Seit 2009 lächelt Nena vom Cover des Otto-Katalogs. Auch in der Fernsehwerbung ist sie zunehmend vertreten. Sechsjährige kennen Nena als „die Frau, die mit den Fleckenzwergen kämpft“. Zuletzt saß sie in der Jury von „Unser Star für Oslo“ - ein weiteres Déjà-vu. Den Grand Prix Vorentscheid moderierte Nena bereits in den Neunzigern. „Countdown“ hieß die Sendung.

Schluss ist bei Nena wohl noch lange nicht. Sie ist präsenter und etablierter denn je. Wir dürfen uns also auf die nächsten Jahre mit ihr freuen. Und sie darf kräftig feiern: die 50 und sich.

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