Rio de Janeiro : Zwölf Tote nach Amoklauf in Schule

In einer Mittelschule in Rio de Janeiro hat ein Amokläufer ein Blutbad angerichtet. Er tötete mindestens zwölf Kinder und Jugendliche, bevor er sich selbst erschoss.

Denise Menchen
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07.04.2011 17:31Brasilien im Schockzustand: Ein Amokläufer hat an einer Mittelschule in Rio de Janeiro zwölf Kinder und Jugendliche erschossen.

Ein bewaffneter Mann hat am Donnerstag in einer Schule in Rio de Janeiro mindestens zwölf Kinder und Jugendliche erschossen. Das Gesundheitsministerium von Rio bestätigte, dass bei dem Amoklauf zehn Mädchen und ein Junge getötet wurden. Nach Angaben der Zeitung "O Globo" starb am späten Abend auch ein 13-Jähriger im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. Die Opfer waren zwischen 12 und 14 Jahre alt, wie die Behörden mitteilten.

Nach Polizeiangaben wurde der Täter von Polizisten in die Beine geschossen, bevor er sich selbst erschoss. Sein Alter wurde mit 23 Jahren angegeben. Das Motiv des Täters ist noch unklar. Die brasilianische Polizei erklärte, der Mann habe einen Brief mit religiösem Inhalt hinterlassen. "Er hatte die Absicht, sich nach der Tragödie selbst umzubringen", bestätigte der Polizeibeamte Djalma Beltrami.

Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass weitere 10 Mädchen und drei Jungen verletzt wurden. Vier befänden sich im kritischen Zustand. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. Psychologen unterstützen die Familien der Opfer.

Ein 10-jähriger Schüler sagte der Nachrichtenwebseite G1, dass er und seine Mitschüler in der Klasse waren, als sie die Schüsse hörten. "Die Lehrerin hat uns gesagt, wir sollten uns auf den Boden legen, und hat dann die Tür geschlossen. Es war furchtbar, ich dachte, ich würde sterben", so der Junge. Seine Mutter, die gegenüber dem Schulgebäude wohnt, konnte die Schüsse ebenfalls hören. Sie lief sofort zur Schule, um ihren Sohn und noch zwei Neffen zu holen.

Die Tageszeitung Folha de S.Paulo berichtet, dass viele verletzte Kinder mit Hubschraubern der Feuerwehr in verschiedene Krankenhäuser transportiert wurden. Die Regierung bat die Bevölkerung um Blutspenden. Folha schrieb auch, dass Bundespräsidentin Dilma Rousseff, die an eine Veranstaltung in Brasilia teilnahm, weinte, als sie von dem Amoklauf sprach. "Diese Art von Tat war uns nicht bekannt. Ich denke, wir müssen gemeinsam Gewalt ablehnen", sagte sie vor einer Schweigeminute für den Opfer. Ein Amoklauf an einer Schule hat Brasilien anders als etwa die USA und Deutschland noch nicht erlebt. Rousseff betonte, derartige Verbrechen seien für Brasilien nicht charakteristisch. Sie verordnete eine dreitägige Staatstrauer.

Der Täter soll ein ehemaliger Schüler des "Tasso da Silveira"-Schule gewesen sein. Bewaffnet mit zwei Schusswaffen und viel Munition hatte er um 8 Uhr 30 Uhr das Schulgebäude unter dem Vorwand betreten, einen Vortrag halten zu wollen. Dann eröffnete er in einer Klasse aus zwei Revolvern mit Kaliber 38 das Feuer auf die Schüler. Die meisten Opfer starben durch Kopfschüsse.

Die Schule liegt im Westen der zweitgrößten brasilianischen Stadt Rio. In der öffentlichen Schule lernen 999 Schüler vom 4. bis zum 9. Schuljahr. In den Morgenstunden hielten sich etwa 400 Schüler im Gebäude auf. Die Lage vor Ort ist derzeit noch unübersichtlich. Viele Eltern suchen nach Informationen über ihre Kinder.

Der brasilianische Minister für Bildung, Fernando Haddad, sagte, dass der Amoklauf eine noch nie da gewesene Tragödie für Brasilien sei. Für ihn sei es ein Trauertag für das ganze Land. (mit dpa)

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