Ritual : Philippiner lassen sich kreuzigen

Fast schon makaber muten die Bilder an: Mehr als 30 Philippiner lassen sich am Karfreitag an Holzkreuze nageln, um Buße zu tun. Das alte Ritual wird von der katholischen Kirche kritisiert.

Kreuzigung
Altes Ritual: Kreuzigung auf den Philippinen. -Foto: dpa

ManilaVor den Augen zehntausender Schaulustiger haben sich am Karfreitag auf den Philippinen mehr als 30 Männer und mindestens eine Frau aufs Kreuz nageln lassen. Dutzende andere nahmen an Prozessionen teil, bei denen sie sich mit Peitschen, an deren Ende Glasscherben gebunden waren, die Rücken blutig schlugen. Die Teilnehmer betrachten dies als Form von Buße für Sünden, als Opfer für erhoffte Erlösung oder Danksagung. Die katholische Kirche kritisiert diese Rituale. Die Philippiner sollten den Karfreitag nicht zum Zirkus für Touristen verkommen lassen, monierte der Erzbischof der Provinz Pampanga.

"Ich tue es für meine Familie", sagte Fernando Mamago (37), Vater von neun Kindern, vor der Peinigung. "Eines meiner Kinder ist krank und meine Frau hatte gerade eine Brustoperation. Wenn ich vom Kreuz genommen werde, fühle ich mich gereinigt und aller Probleme und Sünden entledigt."

Mamago ließ sich zum 14. Mal in einem Ort bei San Fernando in der Provinz Pampanga 75 Kilometer nordöstlich von Manila 15 Zentimeter lange Nägel durch Hände und Füße treiben. Die Holzkreuze, an die die so genannten "Kristos" sich nageln lassen, werden dann mindestens fünf Minuten aufrecht gestellt. Ein 47 Jahre alter Schneider ließ sich zum 22. Mal ans Kreuz nageln. Nördlich von Manila nahm nach Medienberichten eine 18-jährige Frau daran teil.

Die Teilnahme von Ausländern wurde 1997 verboten, nachdem sich im Jahr davor ein japanischer Schauspieler an das Kreuz nageln ließ und die Sequenz später in einem Pornofilm zu sehen war. (sba/dpa)

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