„Rock am Ring“ wird „Grüne Hölle“ : Schwenkow verdrängt Lieberberg

Der Berliner Konzertveranstalter Peter Schwenkow hat Marek Lieberberg den Nürburgring als Festivalort weggenommen. Damit geht eine fast 30-jährige Tradition zu Ende. Wie erfolgreich das Nachfolgefestival von Peter Schwenkow werden wird, ist unklar.

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Ende einer Festival-Ära. Seit fast drei Jahrzehnten zieht es jedes Jahr Zehntausende zu „Rock am Ring“ in die Eifel. Foto: dpa
Ende einer Festival-Ära. Seit fast drei Jahrzehnten zieht es jedes Jahr Zehntausende zu „Rock am Ring“ in die Eifel. Am kommenden...Foto: dpa

Berlin - Das legendäre Open-Air-Festival „Rock am Ring“ findet in dieser Form am kommenden Pfingstwochenende zum letzten Mal statt. Damit geht eine fast 30 Jahre lange Tradition zu Ende, bei der ganze Generationen jedes Jahr in die Eifel gezogen sind.

Dem bisherigen Veranstalter Marek Lieberberg ist gekündigt worden. Er sucht einen neuen Ort für sein Spektakel. Marek Lieberberg ist offenkundig von seinem Konkurrenten Peter Schwenkow ausgebootet worden. Der Berliner Großveranstalter hat den Zuschlag bekommen, am Nürburgring ein Nachfolgefestival zu organisieren. Es wird ab 2015 den Namen „Grüne Hölle – Rockfestival am Nürburgring“ tragen. Das gaben die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) und der neue Musikpartner, Peter Schwenkows Deutsche Entertainment AG (Deag), am Dienstag bekannt.

Beide Seiten schlossen einen Vertrag für fünf Jahre. „Der Nürburgring ist und bleibt auch in Zukunft das Mekka für Rockfans in Europa“, sagte CNG-Geschäftsführer Carsten Schumacher.

Marek Lieberberg, der zuerst erwogen hatte, mit seinem Festival zum Lausitzring nach Brandenburg zu gehen, zieht es jetzt mit seinem Traditionsfestival in das rund 130 Kilometer nördlich gelegene nordrhein-westfälische Mönchengladbach. Der Konzertveranstalter will künftig auf dem Gelände JHQ Rheindahlen, einem ehemaligen britischen Militärgelände, ein Musikspektakel auf die Beine stellen.

Ein entsprechender Antrag sei bereits gestellt worden, sagte eine Lieberberg-Sprecherin in Frankfurt. Darüber hatte die „Rheinische Post“ berichtet. Der Zeitung sagte Lieberberg: „Ich kann mir keinen schöneren Festivalplatz vorstellen.“ Ob es letztlich auch dazu komme, sei noch nicht klar, sagte die Sprecherin. Verwalter des Geländes ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn.

Die Stadt Mönchengladbach führt nach eigenen Angaben bereits seit geraumer Zeit Gespräche mit Lieberberg, berichtet dpa. Bei einem weiteren Treffen würden noch die Themen Lärm- und Naturschutz angesprochen. Rock am Ring sei „eine Option unter mehreren“ für die Nutzung des JHQ-Areals, teilte Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) mit. Er freue sich, dass Lieberberg die Stadt als Veranstaltungsort für das Festival bevorzuge. „Für das Image der Stadt wäre dies eine tolle Sache.“

Für das Festival am Nürburgring geht dagegen eine Ära zu Ende. David Bowie, U2, Robbie Williams oder Depeche Mode – jedes Jahr zog es Superstars in die rheinland-pfälzische Provinz.

Am kommenden Wochenende wird Rock am Ring noch ein letztes Mal am Nürburgring über die Bühne gehen. Zu den Top Acts zählen Metallica, Linkin Park, Kings of Leon und Iron Maiden. 2013 waren rund 87 000 Besucher und 80 Bands gekommen. An dem Zwillingsfestival Rock im Park in Nürnberg soll sich nichts ändern. Grund für den Weggang aus der Eifel ist laut Lieberberg die Kündigung des Vertrags seitens des Ring-Betreibers. Dessen Forderung sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Dabei sei der Nürburgring schon die teuerste Veranstaltungsstätte in Deutschland.

Marek Lieberberg fällt der Traditionsbruch nicht leicht, wie er sagt: „Mit sehr viel Wehmut und Nostalgie verabschieden wir uns vom Ring.“ In den vergangenen Jahren habe auch die gesamte Landespolitik hinter dem Festival gestanden und es als eine Flaggschiff-Veranstaltung für das gesamte Bundesland Rheinland-Pfalz gesehen. Doch nun hätten nach der Insolvenz der Rennstrecke eben neue Herren das Sagen.

Der langjährige Berliner Konzertveranstalter Peter Schwenkow hat viel vor. Er machte kürzlich Schlagzeilen, weil er mit einer Einstweiligen Verfügung gegen die Berliner Senatsinnenverwaltung erreichen will, dass er die Waldbühne pachten darf. Die Behörde von Schwenkos Parteifreund Frank Henkel (CDU) will dagegen den Vertrag mit dem jetzigen Pächter verlängern. Peter Schwenkow war früher CDU-Abgeordneter. Die Waldbühne hatte er schon einmal 1981 übernommen. Für 28 Jahre. mit dpa

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