Welt : Römische Zerstreuungen

Die Ewige Stadt bietet jetzt einen revolutionären, naturnahen Bestattungsservice an

Paul Kreiner[Rom]

Die Piazza Navona: Fehlanzeige. Das antike Forum: keine Chance. Das Kapitol – da kann man heiraten wie Joschka Fischer, aber sich dort begraben lassen, das geht nicht.

Aber was anderes geht jetzt in Rom: Seit dieser Woche darf die Asche von Toten frei verstreut werden. Irgendwo im Grünen, in Privatgärten, im Tiber, im Meer – wo immer der Verblichene dies wollte. Die Angehörigen müssen den frommen Akt lediglich „abseits von bewohnten Zentren, von Badestränden und Tätigkeiten am Ufer“ vornehmen. Eine amtliche Begleitung durch städtische Funktionäre ist nicht notwendig. Kommerzielle Privatfriedhöfe bleiben verboten.

„Seit langem“, sagt Roms Dezernentin für Sozialpolitik, Raffaela Milano, „bereiten wir uns darauf vor, den Bürgern diesen Service anzubieten. Jetzt endlich ist auch die Gesetzgebung so weit.“ 72 Euro soll die neue Art der Beerdigung kosten. Die Anträge können bei der AMA bestellt werden, bei der städtischen Müllabfuhr; sie ist in Rom auch für das Bestattungswesen zuständig.

Schon vor einem Jahr hat die AMA in einem ihrer Friedhöfe einen „Garten der Erinnerung“ eingerichtet. Umrahmt von 200 schwarzen Zypressen und mit idyllischer Aussicht auf die blauen Sabiner Berge können Angehörige dort ihren „caro defunto“, ihren „teuren Toten“, ausstreuen. Ein System von Wasserläufen, so teilt die AMA mit, gebe die Asche dann „der Natur zurück“.

5500 Römer haben sich im vergangenen Jahr verbrennen lassen, in der ersten Hälfte 2006 waren es bereits 4600. Da kommt also noch einiges auf die städtischen Gärten, Grünanlagen und Wiesen zu – zumal nun auch ältere Asche verstreut werden darf. Nachweisbar muss nur sein, dass der Verstorbene sich das so gewünscht hat.

Die neue Regelung gilt auch für Romfans aus aller Welt, die sich mit ihrer Verstreuung in der Ewigen Stadt einen Lebenstraum erfüllen wollen. Nur die Gebühren und die Fristen erhöhen sich: Dreißig Tage könne es bei importierter Asche schon dauern, bis die Bürokratie ihren finalen Segen zur Freilandbestattung gebe, teilt die AMA mit.

Die offiziellen Friedhöfe bleiben weiterhin den regulär gemeldeten Städtern und allenfalls Familienangehörigen vorbehalten – außer, man stirbt direkt in Rom.

Strengere Regeln gelten innerhalb der vatikanischen Mauern: Wer dort ein Grab oder eine Urnennische auf dem winzigen „Deutschen Friedhof“ finden will, dem „Campo Santo Teutonico“, der muss in Rom wohnen und Mitglied der „Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes“ sein. Einfach beitreten aber reicht nicht: Fleißiger Gottesdienstbesuch gehört dazu. Und über die Aufnahme wird erst nach einem Probejahr entschieden.

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