Rohstoffe : Eine saubere Sache

T. Boone Pickens wurde mit Erdöl zum Multimilliardär. Er weiß, dass Trinkwasser demnächst einmal knapp werden wird. Deshalb spekuliert er mit dem kostbaren Nass - ausgerechnet in Texas.

Rita Neubauer[San Francisco]

T. Boone Pickens hat sich sein Leben lang gut vom „flüssigen Gold“ ernährt. Zuerst als Geologe, dann als „wildcatter“, der auf eigene Faust Erdöllager aufspürt und ausbeutet. Dann als „corporate raider“ – Firmenjäger – der Ölfirmen seinen Willen aufzwang. Nun jedoch, im achten Jahrzehnt seines Lebens, setzt der Milliardär und ehemalige Eigner von Mesa Petroleum auf das „blaue“ Gold: Trinkwasser. Pickens ist der größte Grundbesitzer in Texas Panhandle, einem abgeschiedenen Landstrich im Norden des Bundesstaates.

Der wahre Schatz liegt jedoch unter der karstigen Erde. Pickens hat rund 100 Millionen Dollar und acht Jahre investiert, um Rechte an einem gigantischen Wasserreservoir zu erwerben.

Unter Pickens Land in Roberts County findet sich der Ogallala Aquifer, der sich über 1280 Kilometer von South Dakota nach Texas erstreckt. Dort hat sich in Millionen Jahren zwischen Lagen von Stein und Sand eines der größten unterirdischen Wasserreservoire der Welt angesammelt. Schätzungen gehen von einer Billiarde Gallonen Wasser aus.

Dieser Aquifer soll Pickens Vermögen mehren. Denn wenn auch 72 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, Trinkwasser ist ein rares Gut. Rar, aber billig. „Trinkwasser ist noch unglaublich billig“, sagt Kevin Kerr vom Market Watch Global Resources Trader. „Aber eines Tages werden wir realisieren, dass es eines der wichtigsten Güter ist, um unseren Lebensstandard aufrechtzuerhalten.“

Wenn der Wasserpreis den Weg von Erdöl geht, will Pickens Firma Mesa Water Kasse machen. Seine Vision: Eine 1,2 Milliarden Dollar teuere Pipeline, mit der durstige Städter im südlichen Dallas aus dem Norden von Texas mit Trinkwasser versorgt werden. Er kalkuliert, dass er Wasser für mehr als 150 Millionen Dollar im Jahr verkaufen könnte.

Noch gibt es jedoch weder Pipeline noch Nachfrage. Was Pickens nicht daran hindert, mehr als 1000 Briefe an Grundbesitzer entlang einer 400 Kilometer langen Strecke zwischen Miami und Jacksboro zu verschicken.

Er informierte die Rancher, dass er auf ihrem Land Wasserleitungen und Strommasten anzulegen gedenke. 30 Millionen Dollar will er sich allein das Land kosten lassen. Der Strom wiederum soll von seiner eigenen Windfarm eingespeist werden. Superlative auch hier: Pickens will in wenigen Jahren zum größten privaten Windenergiehersteller des Landes aufsteigen. Die Rancher über Pickens Ansinnen empört zu nennen, wäre eine Untertreibung. Erst recht, da Pickens notfalls vom Recht der Zwangsenteignung Gebrauch machen will. „Wir sind nicht gerade erfreut“, ließ sich ein Grundbesitzer auf einer Versammlung vernehmen.

Pickens war nicht der Erste, der Wasserrechte in Roberts County aufkaufte. Bereits 1996 hatte das heimische Wasserunternehmen CRMWA erste Investitionen in Millionenhöhe getätigt. Denn in Texas können Farmer die Wasserrechte separat vom Besitz an Grund und Boden verkaufen. Und Roberts County, dessen Land sich nicht für die Landwirtschaft eignet, war ein guter Kandidat, den Ogallala anzuzapfen. Pickens war jedoch einer der Ersten, der im großen Stil von dem Spekulationsobjekt Wasser Gebrauch machen will. Seine Vision ist simpel: der Anteil der Wasserader, der nicht für Trinkwasser oder die Landwirtschaft der anliegenden Gemeinden gebraucht wird, könnte Bürger in Gegenden versorgen, wo Grundwasser aufgrund wachsender Nachfrage der Bauern knapp wird. Beispielsweise im Westen der USA, wo immer mehr Farmer Weizen und Mais anbauen, um die Nachfrage nach Ethanol zu befriedigen. Die Herstellung von einem Liter „Biosprit“ verschlingt mehr als 4500 Liter Wasser.

Schon wittert auch die Hochfinanz lukrative Geschäfte mit dem Spekulationsobjekt Wasser, das als marktgängiges Produkt über Futures verteilt werden könnte. Vorbild ist den Amerikanern Australiens Markt für Wasserrechte. Die Preise dort variieren zwischen 100 und 800 Dollar für eine Million Liter.

In Roberts County wurden bereits 80 Prozent der Wasserrechte von Pickens, CRMWA und der Stadt Amarillo aufgekauft – für rund 150 Millionen Dollar. Als Folge verdoppelte sich auch hier der Preis auf rund 600 Dollar pro Megaliter.

Nicht jeder ist begeistert. Ist doch der Ogallala Aquifer die einzige Wasserquelle für die Region und füllt sich mit einer Rate von 0,1 Prozent pro Jahr nur langsam wieder auf. Die Idee, ihr Wasser ins entfernte Dallas zu transportieren, das einen enorm hohen Wasserverbrauch hat, halten viele Bewohner für unverantwortlich. „Ich habe einen Sohn, der Farmer ist und sein Land bewässert. Ich habe Enkelkinder und möchte, dass sie auch noch in der Zukunft von diesem Land leben können“, kritisiert C. E. Williams, der dem Panhandle Groundwater Conservation District vorsteht. Er hofft, dass sich die Besitzer der Wasserrechte an das Gesetz halten. Es schreibt vor, dass in den nächsten 50 Jahren nur 50 Prozent des Wassers abgepumpt werden dürfen. Danach nur 1,2 Prozent pro Jahr, was eine allmähliche Austrocknung der Wasserader allenfalls verlangsamt.

Pickens ficht die Kritik wenig an. „Wasser ist ein Handelsgut wie Erdöl.“ Was ihn interessiert, ist allein die Frage, „wie viel jemand dafür bezahlt“. Er glaubt, dass 50 Prozent weniger Grundwasser dem Ogallala-Reservoir nicht schaden, dafür aber, eine „Menge Leute sehr reich machen“.

Vor allem ihn.

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