Rom : Mord in der Via Puccini

Es war ein Skandal, der ganz Rom erregte: Eine schöne Frau, ihr junger Liebhaber und der adlige Gatte, der die beiden und sich selbst erschoss. Auf dem Schreibtisch fand die Polizei sein Tagebuch. Jahrelang hatte der Marchese seiner Frau junge Männer zugeführt – und beim Sex zugeschaut. Wenige Jahre später profitierte einer von diesem Drama: Silvio Berlusconi.

Corrado Augias
Rom
In einem Tagebuch hielt Marchese Casati detailliert die Affären seiner Frau fest, die er selbst arrangiert hatte. Nach ihrem Tod...Foto: Osburg-Verlag

Der Notruf ging am Sonntag, 30. August 1970, gegen 22  Uhr im Polizeipräsidium ein. Der Anrufer meldete ein Verbrechen im Pinciano, in der Via Puccini 9, einem großbürgerlichen Palazzo. Der Chef der Mordkommission war der Erste am Tatort, dem prunkvollen Wohnsitz des Marchese Casati Stampa di Soncino: Penthouse und Super-Penthouse mit hängendem Garten und Blick auf die Villa Borghese. „Ich war als Erster im Arbeitszimmer und damit auch der Erste, der die grauenhafte Szene zu sehen bekam: die Frau rücklings auf dem Sessel, noch mit ungläubigem Erstaunen im Blick, der Marchese auf dem Boden, neben sich das Gewehr, und der Junge zusammengekrümmt hinter einem umgestürzten Tischchen.“

Wer waren die drei Protagonisten dieser Tragödie? Die Frau, Anna Fallarino, war durch Heirat Marchesa Casati Stampa di Soncino geworden. Der Mann neben dem Gewehr war der Marchese Camillo; das dritte Opfer, vom Kommissar als „der Junge“ bezeichnet, war Massimo Minorenti, Langzeitstudent, 25 Jahre alt, Römer. Angesichts des Szenarios erschien das Motiv auf Anhieb offensichtlich: ein typisches Eifersuchtsdelikt. Sie, eine schöne Frau von 41; er, der Gatte, ein Mann von edlem Äußeren, mager, fast kahl; und dann der junge 20-Jährige, eindeutig der „andere“. Eifersucht war aber, wie sich nach und nach herausstellte, nicht das tatsächliche Motiv. Die Geschichte war erheblich verworrener, und die Gefühle, die diese drei Personen miteinander verbanden und voneinander trennten, waren sehr viel komplexer.

Von allen seit dem Zweiten Weltkrieg in Rom begangenen Bluttaten ist das Verbrechen in der Via Puccini vielleicht das denkwürdigste: aufgrund der Umstände, der gestörten Persönlichkeiten der Eheleute Casati, der Vorgeschichte, die in den darauffolgenden Tagen ans Licht kam und die man in diesem Falle mit vollem Recht als „schmutzig“ bezeichnen darf. Schließlich auch wegen des Wirbels, den diese drei Toten verursachten, als es darum ging, den Adressaten der sehr beträchtlichen Erbschaft zu bestimmen, und wegen der Folgen.

In jedem Fall interessiert uns das Verbrechen in der Via Puccini wegen des Hintergrundes, vor dem es sich abspielte, denn das Leben der Protagonisten beschwört das Rom und die gesellschaftliche Kultur jener Jahre herauf, die der Not des Krieges unmittelbar folgten, als der Wirtschaftsboom einsetzte und sich der Wohlstand auszubreiten begann und plötzlich für jeden erreichbar schien, der nur über genügend Geschicklichkeit oder Skrupellosigkeit verfügte oder einfach Glück hatte. Manchmal aber genügte allein Schönheit.

Genau darauf hatte Anna Fallarino gesetzt, auf die Schönheit. Sie hatte schöne Augen, ein ebenmäßiges Gesicht, eine gute Figur, auch wenn sie von den Hüften abwärts ein bisschen kräftig gebaut war. Es waren aber die Jahre der „Busenstars“, als auch das gefiel. Sie wurde am 29.  März 1929 in Amorosi geboren, in der Campania, Provinz Benevento, einer Gegend, in der ihr Name Fallarino ziemlich häufig vorkommt. Sie stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie. Mit 16, der Krieg war gerade vorbei, zog Anna nach Rom, in die große Stadt, wo ein schönes Mädchen viele Möglichkeiten hatte, Fuß zu fassen, sich eine „Zukunft“ zu suchen oder auch, wie man damals sagte, eine „gute Partie“. Sie wohnte bei ihrem Onkel in der Nummer 43 der Via Milano, einer Seitenstraße der Via Nazionale, zwischen Piazza Venezia und Piazza Esedra (oder della Repubblica) mit dem schönen Najadenbrunnen, der von vier Frauenskulpturen von aufreizender Schönheit geziert wird – wie Anna.

Bei Mädchen wie Anna vollzog sich die Erziehung der Gefühle im Allgemeinen über Groschenhefte mit Namen wie „Grand Hotel“ oder „Zazà“, die voll waren mit verwunschenen Geschichten: Die Heldin, Stenotypistin oder Verkäuferin, trifft auf eine verwandte Seele. Das kann ein Rechtsanwalt sein oder besser noch ein Journalist oder sogar ein Pilot. Die Geschichten lassen eine glanzvolle Zukunft erahnen, das Maximum dessen, was man sich wünschen kann.

In den Groschenheften gab es aber auch Geschichten, die als strenge Warnung gelten sollten. Darin fällt das Mädchen leichtsinnig in die Hände eines Schurken, wird trotz seines schwachen und deshalb umso einladenderen Widerstandes erst verführt und dann, sobald es schwanger ist, verlassen. Niemand sprach damals über Verhütung. Abtreibungen wurden auf dem Tisch von Engelmacherinnen durchgeführt oder, wenn man es sich leisten konnte, im Ausland. Für die Bischöfe war die Zivilehe gleichzusetzen mit „Konkubinat“. „Scheidung“ war nur für die Reichen möglich und hieß „Annullierung durch die Sacra Rota“. Anna Fallarino wird beide Welten kennenlernen: zuerst die der Ausgrenzung, dann die der Privilegien.

Sie fand Arbeit als Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft. Damit hätte sie sich zufriedengeben können. Sie aber hatte eine fixe Idee: Sie wollte ihre Schönheit gewinnbringend einsetzen. Bei den Miss-Italia-Wahlen gingen Mädchen als Siegerinnen hervor, mit denen sie sich durchaus messen konnte. Wenn sie in den Wochenschauen vor dem Hauptfilm die Schönheitsköniginnen vorbeidefilieren sah – mit ihren eng anliegenden, schönen weißen Badeanzügen, den vom Busen prall gefüllten Körbchen, den hohen Hacken, die den Beinen Schwung gaben –, wusste Anna, dass sie an deren Stelle keine schlechtere Figur abgeben würde. Sie musste nur eine Methode finden, in diese Welt hineinzugelangen, denn von dort aus ging es zum Film, an die Luxusstrände, auf die Motorjachten an der Mole der Piazza San Marco in Venedig, zu den bunten Drinks mit klingendem Eis auf den Terrassen der großen Hotels.

Mit Mühe fand sie den einen oder anderen Job als Mannequin, lernte, mit gerader Haltung zu gehen, die Füße in einer Linie voreinander zu setzen und dabei die Hüften zu schwenken. Und sie schaffte es bis ins Kino: Als Mario Mattoli 1949 den x-ten Film mit Totò drehte, Totòtarzan, ergatterte sie eine Rolle als Kleindarstellerin; wenig mehr als nichts, aber sie war überzeugt, dass zuweilen nichts für den Anfang durchaus reicht. Anna ist an Totòs Seite für einige Sekunden zu erkennen. Ihre Kinokarriere endete hier, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie sich bemerkbar gemacht hätte, hätte sie es darauf angelegt. Ihre füllige mediterrane Schönheit traf den Geschmack der Zeit, in der man nach dem Hunger und der Trauer des Krieges Frauen mit üppigen Rundungen bevorzugte.

Mit gerade mal 20 Jahren fand Anna einen jungen 28-jährigen Industriellen, Sprössling einer wohlhabenden römischen Familie, den Ingenieur Giuseppe Drommi, Peppino genannt, der die angesagten Salons frequentierte und die Art Leben führte, von dem sie bis dahin nur träumen konnte. Fast sofort wurde über Heirat gesprochen, und sie schickte ihm Briefchen von der Art: „Ich bete zur Madonna, damit sie uns bald heiraten lässt.“ So wird es geschehen. Die beiden werden in der Kirche heiraten, sie im weißen Kleid, mit Reiskörnern, Confetti, Applaus, Tränen und allem Drum und Dran. Peppino Drommi war ein langjähriger Freund des Marchese Camillino, das wusste Anna aber in dem Augenblick noch nicht, und sie wusste auch noch nicht, welche Bedeutung diese Freundschaft für ihr Leben haben würde.

Zehn Jahre dauerte die Ehe. Es gab keine Kinder, aber ein komfortables Leben im Wohlstand, wie es aus der Familie Fallarino noch niemand kennengelernt hatte. Wenn Anna ihrer Familie erzählte, wie sie ihre Tage verbrachte, was für Kleider sie sich gekauft, was für Orte sie gesehen hatte, glaubten die Fallarinos, ihren Ohren nicht zu trauen. Dieser Wechsel entsprach dem gesellschaftlichen Wandel, der in Rom und ganz Italien im Gange war: Anna Fallarino lebte ihren persönlichen Boom, der den des ganzen Landes widerspiegelte, eines Landes, das sich in genau diesen Jahren mit hundert Widersprüchlichkeiten und fast unbemerkt von einer patriarchalischen und im Wesentlichen agrarischen Gesellschaft zu einer bedeutenden Industriemacht entwickelte.

Das Leben, die Wurzeln, die kulturellen Parameter von Camillo Casati Stampa di Soncino waren vollkommen anders. „Camillino“ wuchs in einer Familie traditionsreichen alten Adels auf. 1848, während des Mailänder Fünftageaufstandes, war Gabrio Casati Chef der provisorischen Regierung; später sollte er als Minister für staatliches Bildungswesen eine Schulreform durchsetzen, die bis 1923 gültig blieb.

Vom Glanz der Familiengeschichte war bei unserem 1927 geborenen Camillo nichts mehr zu spüren. Vielleicht reichte schon das Bewusstsein, einen solchen Namen zu tragen, selbst wenn er von keinerlei sonstigen Qualitäten begleitet wurde, zu einer gelegentlichen, völlig ungerechtfertigten Arroganz. Nach der Tragödie wird der untadelige Majordomus Felice berichten: „Der Marchese war ein Mann voller Widersprüche. Wir Dienstboten erinnern uns an ihn einerseits als wirklich großen Herrn mit einwandfreien Manieren … Aber gelegentlich empfand er es zum Beispiel als unpassend, das Wort an die Dienerschaft direkt zu richten, deshalb sprach er mit uns durch eine dritte Person, auch wenn wir uns nur einen Schritt von ihm entfernt befanden. Einmal betrug er sich auch gegenüber meiner Frau Oliviera so. Um sie zu tadeln, ließ er nach ihr schicken, hieß sie, sich vor ihm hinzustellen, regungslos. Dann rief er die Marchesa, die für ihn sprechen musste.“ An seine Gattin gewandt, sagte Camillo: „Man soll Oliviera wissen lassen, dass sie einen Fehler gemacht hat. Ich wünsche, dass sich dieser Fehler nicht wiederholt.“ Anna wandte sich an die bestürzte Hausangestellte und sagte: „Du hast einen Fehler gemacht! Der Marchese wünscht, dass sich dieser Fehler nicht wiederholt.“ Die Ärmste brach in Tränen aus.

Camillo verbrachte seine Tage mit zwei großen Leidenschaften: der Jagd und den Kreuzworträtseln. Die Passion für Kreuzworträtsel kultivierte er mit Beharrlichkeit, wo auch immer er ging und stand. Er verfügte über verschiedene Wohnsitze: das Apartment in der Via Puccini in Rom; das Ferienhaus auf der Insel Zannone (im Nationalpark von Circeo); ein weiteres luxuriöses Apartment in Mailand; die Landgüter von Velate Milanese, Cinisello Balsamo, Muggiò, Nova Milanese, Trezzano sul Naviglio, Gaggiano, Bareggio; riesige Ländereien in Cusago mit dem gräflichen Schloss; außerdem den Palast von Arcore in Brianza (18. Jahrhundert) mit einer wertvollen Sammlung von Gemälden aus dem 15. und 16. Jahrhundert und einer Bibliothek, die 10 000 Bände umfasste. Der ebenso rastlose wie langweilige Alltag des Marchese erhielt durch gewisse Extravaganzen ein wenig Farbe. Einer seiner Hausangestellten erinnert sich: „Wenn er im Palazzo Soncino in Mailand weilte, ging der Marchese immer mit einer Tasche aus dem Haus, in der er gekochte Eier hatte. Er ging in eine Bar auf der Piazza Santa Maria Beltrade und blieb dort den ganzen Tag: Er plauderte mit den Gästen, aß seine gekochten Eier und trank Champagner … und wenn er am Abend wieder in seinen Palazzo zurückkehrte, hatte er im Lokal 100 000 Lire Trinkgeld gelassen.“

Dabei wechselte die Leutseligkeit des Müßiggängers ab mit plötzlichen Anfällen von Tobsucht. Der Majordomus erzählt, dass der Marchese mit seinem Auto einmal rückwärts aus dem Hof der Via Puccini herausfahren wollte und ein anderer Wagen im Weg stand, ohne allerdings das Manöver wirklich zu behindern. Der Marchese wurde ungeduldig, schließlich überwältigt von einer seiner schrecklichen Attacken und rammte mit seinem Rover 3000 das andere Auto mehrmals: Er fuhr ein Stück vorwärts und raste dann mit Karacho immer wieder rückwärts gegen das Hindernis. „Dabei fletschte er die Zähne, es war furchterregend. Diese Aktion wiederholte er wieder und wieder, bis der andere Wagen nur noch ein Schrotthaufen war.“ Am Tag darauf beglich er, ohne mit der Wimper zu zucken, den gesamten Schaden.

Im ersten Jahr der Nachkriegszeit heiratete Camillo Letizia Izzo, eine Tänzerin aus Neapel, die ein Jahr später eine Tochter zur Welt brachte, Annamaria. 1970, im Moment des Dramas, war das Mädchen 19 Jahre alt, und auch dies ist ein wichtiges Detail. Damals wurde man nämlich erst mit dem 21. Geburtstag volljährig.

1958 gab es ein Ereignis, das, soweit wir wissen, erstmals zwei Männer vor Annas Augen in Konkurrenz zueinander brachte. Das war in Cannes, an der Côte d’Azur, in einem der großen Traditionshotels. Dort fand eines jener Feste statt, denen, damals noch mehr als heute, das Flair eines großen Events anhaftete, wodurch sich den Gästen der Eindruck vermittelte, einem sehr exklusiven Kreis anzugehören. Anwesend war unter anderem Porfirio Rubirosa: ein Name wie erfunden, der aber zu einem der bekanntesten Playboys der fünfziger Jahre gehörte. Anna war elegant und sehr schön. Wie vielen anderen fiel sie Rubirosa auf. Er aber begnügte sich nicht wie die anderen mit Blicken. Er näherte sich und begann eine Konversation mit ihr. Während des Gesprächs legte er wie selbstverständlich seine Hand auf ihre nackte Schulter. Eine Geste übertriebener Vertraulichkeit, die eine heftige Reaktion auslösen wird.

Man kann Verständnis dafür haben, dass Peppino Drommi nervös wurde, als er sah, wie Rubirosas Hand auf der nackten Schulter seiner Gattin ruhte. Mehr noch als Drommi selbst wurde jedoch der Marchese Camillo von Unruhe gepackt. Peppino näherte sich dem „rey de los playboys“ und forderte ihn auf, die Hand wegzunehmen. Porfirio lächelte ihm freundlich zu und redete weiter mit Anna – als ob nichts wäre. Inzwischen wurde Camillo von einem seiner bekannten Wutausbrüche übermannt und sprang auf. Peppino versetzte den ersten Fausthieb, Rubirosa (der unter anderem auch ein Amateurboxer war) reagierte; Camillo warf sich ihm seinerseits entgegen. Eine Schlägerei wie im Film: umgekippte Tische, Gläser, die in Scherben gingen, Schreie, der Schrecken schöner Frauen, ein gewisses unterschwelliges Vergnügen.

Es ist geschrieben worden, dass der erste Funke zwischen Anna und Camillo durch dieses rustikale Duell zu ihren Ehren in dem großen Hotel an der Côte d’Azur übergesprungen sei. Jedenfalls brachte Camillo wenige Monate nach diesem Vorfall bei der Sacra Rota die Annullierung seiner Ehe mit Letizia Izzo auf den Weg. Auch Peppino Drommi spielte reumütig seine Rolle bei der Sacra Rota, um die Annullierung seiner Ehe zu erreichen. Im April 1959 heirateten Camillo und Anna standesamtlich in der Schweiz. Am 21. Juni 1961 krönte der Marchese diese Heirat durch die kirchliche Trauung.

Die Wohnung in der Via Puccini war zweistöckig und umfasste die dritte und vierte Etage des Palazzo. Die Eingangstür war im dritten Stock, wo sich auch das Schlafzimmer, das Ankleidezimmer mit dem Bad und das Wohnzimmer befanden, in dessen Ecke der Schreibtisch des Marchese stand. Im dritten Stock gab es außerdem das Gästezimmer, das „Spiel“- Zimmer und das Dienstbotenzimmer. Im oberen Stockwerk dagegen waren ein großer Salon, das Esszimmer, weitere Räume für die Hausangestellten, das Vogelhaus und ein großer Raum mit den Jagdtrophäen des Marchese, alle mustergültig gerahmt und an die Wand genagelt: nicht nur Vögel, auch Füchse, Hirsche, Rehe, Wildschweine. In einer Ecke, abgeschlossen, der Glasschrank mit den gut geölten und polierten Gewehren, fertig zum Gebrauch.

Am 30. August 1970, dem Tag des Massakers, war der Polizeibeamte Domenico Scali einer der Ersten, der die Wohnung betrat. In einem Interview sagte er: „Der erste Leichnam, den ich sah, war der von Anna Fallarino. Sie sah aus, als lebte sie noch. Sie saß auf dem Sessel und hatte die Beine auf einem Hocker vor sich übereinandergelegt. Sie hielt die Hände auf dem Schoß und hatte einen unbeschwerten Gesichtsausdruck. Das einzige unpassende Detail war ein dunkler Blutfleck auf der Bluse. Neben ihr, neben dem Sofa, lag der junge Minorenti. Ich ging weiter und sah dann den dritten Leichnam, den des Marchese. Kein schöner Anblick, der Kopf war vom Gewehrschuss halb weggerissen. Die Waffe, eine Browning Kaliber 12, lag wie weggeworfen auf einem Sessel.“

Kommissar Valerio Gianfrancesco erinnert sich: „In dem Saal war gar nicht so viel Blut, abgesehen von dem makaberen Detail, dass das Ohr des Marchese vom Rahmen eines Gemäldes herunterhing; dort war es durch das Projektil hingeschleudert worden. Bei der Frau fiel aus dem durch einen der Schüsse zerfetzten Kleid eine Brust heraus. Aus der Wunde floss eine zähe weiße Masse. Ich verstand nicht sofort, worum es sich handelte. Ich rief den Polizeiarzt, einen alten Freund, um ihn darauf hinzuweisen. ,Keine Sorge‘, sagte er, ,das ist bloß Silikon.‘ Ich war fassungslos, so etwas sah ich zum ersten Mal.“ Anna Fallarino war eine der ersten Frauen in Italien, die sich die Brust hatten vergrößern lassen, eine solche Operation war damals noch eine absolute Neuheit.

Doch die wichtigste Entdeckung des Kommissars war eine andere: das Tagebuch von Camillo Casati. „Es befand sich auf dem Schreibtisch des Arbeitszimmers. Ein Tagebuch von der Größe einer Dokumentenmappe mit einem Deckel aus grünem Leder, handgeschrieben von Casati, mit klarer Schrift. Eine wichtige Entdeckung: Seine Lektüre und der Fund der Fotos erlaubten es uns, die Vorgeschichte zu rekonstruieren und damit eine Erklärung für das Vorgefallene zu finden. Es war aber eine problematische Entdeckung, die mit großer Zurückhaltung zu behandeln war, wegen der Namen, die es enthielt, und wegen der Einzelheiten gewisser Berichte, die erheblich heikler waren als die wenigen von den Zeitungen veröffentlichten Sätze.“

Mit manischer Präzision und reichlich Einzelheiten erzählte der Marchese in dem Tagebuch von den Affären, die seine Frau mit Arbeitern, Soldaten, Bademeistern, Kellnern gehabt hatte. Begegnungen, die von ihm selbst arrangiert und, in einigen Fällen, mit Geld entlohnt worden waren. Eine Praxis, die am Tag der Hochzeit begonnen hatte, in dem für die Hochzeitsnacht reservierten Hotel. Als ein Kellner das Zimmer betrat, um eine Flasche Champagner zu servieren, hatte der Marchese ein wenig die Tür zum Badezimmer geöffnet, in dem Anna gerade eine Dusche nahm. Der Mann verstand nicht auf Anhieb, erfasste dann aber die Situation und ging hinein. Seit jener Nacht lief ihre Beziehung so: „Heute hat Anna so leidenschaftlich mit einem Jungen geschlafen, dass ich von weitem an ihrem Vergnügen teilhaben konnte.“ – „Heute hat Anna einen Flieger getroffen. Er war jung und sehr attraktiv. Eine fantastische Begegnung. Anna war glücklich und hat intensiv mitgemacht.“ – „Wir waren am Strand von Fiumicino, viele haben ihr nachgeschaut. Wir haben einen jungen Mann ausgesucht. Es hat sich gelohnt. Wir haben ihn mit dreißigtausend Lire belohnt.“ – „In Fiumicino ganz nackt. Anna schön hingefläzt. Dann ging ein neuer Flieger vorbei ... göttlich.“ – „Es gefällt mir, wenn du mit einem anderen im Bett bist, ich fühle dann, dass ich dich noch mehr liebe.“ Zusammen mit dem Tagebuch finden die Ermittler Dutzende, Hunderte von Fotos, die ein einziges Sujet hatten: Anna nackt, mal in „künstlerischen“ Posen, mal einfach obszön, mit Nahaufnahmen der Einzelheiten, die sich jeder vorstellen kann.

Die Persönlichkeitsstörung des Marchese Camillo, die ziemlich einfach und verbreitet ist, wird von dem Psychoanalytiker Emilio Servadio in einem Interview so erklärt: „Man nennt es Voyeurismus, und es ist der Drang, etwas mitzuerleben, zuzusehen, zu beobachten. Voyeure, so fährt der Wissenschaftler fort, hätten auch stark masochistische Anteile, eine Art „moralischen“ Masochismus.

Der vom Ehepaar Casati geschaffene Mechanismus wurde von einer neuen Entwicklung belastet: Anna, die Dutzende von Männern ertragen hatte, um ihren Mann zufriedenzustellen, vielleicht sogar als Zeichen ihrer Liebe zu ihm, wählte zum ersten Mal selbst einen Partner. Und verliebte sich in ihn. Mit dem jungen Minorenti „kopulierte“ sie nicht wie mit den anderen: Sie schlief mit ihm aus Liebe. Die beiden hatten sich bei einem Fest kennengelernt, sie hatten begonnen, sich zu treffen, und an einem Nachmittag waren sie in der Gegend von Viale Liegi zusammen in ein Hotel gegangen: flüchtige Begegnungen, zum ersten Mal heimlich nach so vielen Männern, denen sich Anna in Anwesenheit ihres Mannes hingegeben hatte.

Anna schreibt dem jungen Massimo von der Insel Zannone: „Ich bin sehr traurig. Eigentlich liebe ich diese Insel, aber dieses Jahr hasse ich sie … ich glaube, ein Brief von Dir würde mich glücklich machen. Wenn Du kannst, beschrifte den Umschlag mit der Schreibmaschine, und als Absender schreibst Du Sartoria Botti, Corso Italia 21, Rom. Jetzt muss ich Dich verlassen, gerade kommt Camillo zurück. Ich umarme Dich fest, Deine Anna.“

In denselben Tagen wird sich Camillo langsam klar über die Wendung, die die Sache nimmt, und notiert verbittert im Tagebuch: „Was für eine Enttäuschung! Ich möchte tot und begraben sein. Ekelhaft, diese Kleinlichkeit. Mir dreht sich der Magen um. Dass mir Anna das angetan hat. Ich meine, wie kann sie den Kopf verlieren für einen absolut unbedeutenden Jungen wie Massimo, der, wenn er nicht Haare hätte, die ihn verhüllen, wirklich eine Null wäre.“ Ob er nun eine „Null“ wäre oder nicht, dieser Massimo ist ein hübscher Junge, zwar ein Taugenichts, ein kleiner Provinz-Playboy, Langzeitstudent der politischen Wissenschaften ohne auch nur ein einziges Examen, der die Nachtlokale frequentiert, in der neofaschistischen Jugend aktiv ist, sich als Pokerprofi aufspielt, obwohl er oft verliert und viele Wechsel unterschrieben hat. Dafür hat er einen gewissen Erfolg bei den Frauen. Sein Ziel war es offenbar, ein Autohaus zu eröffnen oder ein Nachtlokal; ein Ambiente, das er kennt. Er glaubt, er kann das schaffen, mit Annas und natürlich Camillos Hilfe.

Anna versucht, ihren Mann in seinem eigenen Netz zu fangen. Sie verheimlicht das Abenteuer mit Massimo nicht, versucht aber, es für eine Variante des üblichen Spiels auszugeben. Sie lässt sich nicht nachspionieren, wenn sie mit ihm schläft, aber sie erzählt es Camillo: „Anna hat ihren Liebsten und einen seiner Freunde zum Abendessen dagehabt, hat sie mir erzählt. Ich glaube aber, dass sie, wie bei ihr üblich, 80 Prozent verschweigt. Schade!“

Da er von seiner Frau „Treue“ im traditionellen Sinne nicht verlangen kann, möchte Camillo wenigstens eine „Treue“ zu ihren gemeinsamen Regeln, also einen detaillierten Bericht der Begegnungen. Er schreibt in sein Tagebuch: „Anna ist vollständig ausgerastet, aber meine krankhafte Zuneigung zu ihr bindet mich. Ich kann nicht schlafen, und das würde ich so gerne tun. Aber wie soll das gehen, wenn sie ins Bett geht und mir sagt: Ich halte die Telefonleitung offen, bis ich eingeschlafen bin, und dann ein Telefongespräch führt, jemand zurückruft, sie wieder anruft, und sie sagt mir nichts, und ich bin im Wohnzimmer und gehe fast vor die Hunde? … Diese Situation ertrage ich nicht mehr. Ich würde mich gern von ihr trennen, aber das schaffe ich nicht.“ Und ein paar Tage später: „Ich sterbe langsam, innerlich, ich habe in allem verloren … Ich ertrage diese Situation nicht mehr.“

Am Samstag, dem 29. August, ist der Marchese als Gast des befreundeten Ehepaars Marzotto in Valdagno, um an einer Treibjagd teilzunehmen. Von dort aus telefoniert er mehrmals mit Anna. Seine Frau sagt ihm, dass sie mit Massimo und dreien seiner Freunde zu Abend esse. Im letzten Telefongespräch, gegen Mitternacht, gibt Anna zu, dass inzwischen außer Massimo und seinem Freund Aurelio alle gegangen sind. Camillo befürchtet, dass Massimo mit seiner Frau die Nacht verbringen könnte. Er droht, nach Rom zurückzukehren und sie umzubringen. Die Marzottos werden erklären, der Marchese habe sich nach dieser Unterhaltung aufgewühlt schlafen gelegt.
Die Dinge liefen jedoch anders. Anna, Massimo und Aurelio ahnten, dass Camillo an der Grenze seiner Belastbarkeit angekommen war. Er schien außer sich, am Telefon hatte er alle aufgefordert, sein Haus zu verlassen, Massimo als „Zuhälter“ beschimpft und sich für den nächsten Tag mit seiner Frau verabredet. Sehr erschrocken hatten Anna und die beiden jungen Männer bei einem vierten Freund angefragt, ob sie bei ihm übernachten könnten. Völlig verängstigt formuliert Anna ein Kapitulationsschreiben an Camillo: „Wenn ich einen Fehler gemacht habe, musst Du mir vergeben, aber ich verspreche Dir, dass ich sofort mit Massimo Schluss mache und wir wieder zusammen sein werden wie zuvor.“ Ein Diener wird beauftragt, dem Marchese diesen Brief zu überreichen, sobald er seinen Fuß in die Wohnung setzt.

Sonntagabend, 18 Uhr 30. Ein Hausangestellter ruft Anna aus der Via Puccini an, um sie zu informieren, dass der Marchese zurückgekehrt sei und sie und Massimo wie verabredet erwarte. Die Frau ist unschlüssig, will selbst mit ihrem Mann sprechen. Am Telefon wirkt Camillo gefasst, er beruhigt sie, sagt, er wolle lediglich die Situation klären.

Etwa um 19 Uhr fahren Anna und Massimo mit einem Fiat 500, gefolgt von einem Rover mit den beiden Freunden, in die Via Puccini. An seinem Schreibtisch schreibt Camillo inzwischen eine Karte: „Ich sterbe, weil ich Deine Liebe zu einem anderen Mann nicht ertragen kann. Was ich tue, muss ich tun. Verzeih mir. Und komm mich ab und zu besuchen.“ Die Karte steckt er in einen Umschlag, auf den er schreibt: „Für Anna“. Die beiden Wagen fahren gerade am Tiberufer entlang, als Camillo den Gewehrschrank öffnet, eine Browning Kaliber 12 auswählt und fünf Patronen in das Magazin steckt. Die Autos haben ihr Ziel erreicht. Anna und Massimo kommen herauf. Die Freunde bleiben auf der Straße und warten.

Die ersten Schüsse sind für seine Frau. Der Marchese ist ein guter Schütze, und aus der Entfernung kann er sowieso nichts falsch machen. Er feuert zwei Schüsse ab und trifft sie am Arm und mitten in die Brust. Sie sitzt auf einem Sessel, und dort bleibt sie, getroffen. Auch dieser Umstand wird, wie wir sehen werden, seine Bedeutung haben. Massimo versucht zu entkommen und läuft wie ein Verrückter durch das Zimmer. Die erste Kugel trifft ihn im Rücken. Unmittelbar davor oder danach greift er nach einem Tischchen, um es wie einen Schild vor sich zu halten, doch der zweite Schuss trifft ihn am Kopf. Camillo, inzwischen auch er wie wahnsinnig, geht zu Anna. Aus einer Entfernung von wenigen Schritten schießt er ihr ein letztes Mal in den Hals. Die Patronen sind aufgebraucht. Er steckt zwei neue ins Magazin, stellt den Gewehrkolben auf eine Sessellehne und zielt mit dem Lauf auf seinen Hals. Drückt ab, und mit der Patrone explodiert sein Kopf.

Die beiden auf der Straße zurückgebliebenen Freunde haben das Echo der Schüsse und das Geräusch zerbrochener Fensterscheiben gehört. Auch die Hausangestellten haben alles gehört, als aber die jungen Männer sie auffordern, nachzusehen, was passiert ist, antworten diese, sie hätten strikte Befehle: Auf keinen Fall dürften sie in den Salon eintreten.

Es ist ungefähr 20 Uhr, und die drei in dem Zimmer sind tot. Die beiden Freunde laufen hinunter, einer ruft Annas Schwester in Rocca di Papa an und teilt ihr seine Befürchtungen mit. Die Frau macht sich sofort auf den Weg nach Rom. Als sie in der Via Puccini eintrifft, ist es 21 Uhr 30. Gemeinsam gehen sie wieder nach oben, doch der Majordomus will sich nicht überreden lassen, irgendetwas zu tun. Nach hartnäckigem Drängen erklärt er sich endlich bereit, die Tür des Salons zu öffnen.

Die Szene, die sich in dem Zimmer bot, kennen wir, ebenso wie das Folgende: der Arzt, der Rettungswagen, die Polizei, die Ermittlung, die sensationslüsterne, von Fotos und Indiskretionen angeheizte Neugier (in den Tagen nach dem Delikt erhöhten die Zeitungen ihre Auflage um 500 000 Exemplare pro Ausgabe), die Fragen, die keine Antwort fanden: Wusste Massimo von Annas Doppelleben? Glaubte sie wirklich, mit einem sechzehn Jahre jüngeren Mann ein neues Leben anfangen zu können? War die Beziehung mit Camillo von Komplizenschaft oder von Abhängigkeit geprägt? Wenn der Marchese vorhatte, sich umzubringen, was bewegte ihn dann zu dem Doppelmord? Niemand hatte damals eine Antwort auf diese Fragen, umso weniger haben wir sie heute. Wie fast immer in Liebesbeziehungen starb das Geheimnis, das die Protagonisten zusammenhielt, mit ihnen.

Die Geschichte hatte noch ein Nachspiel. Einige Wochen nach dem Gemetzel veröffentlichte der Notar Carlo Pantalani das Testament des Marchese Casati Stampa, in dem unter anderem zu lesen war: „Zur Universalerbin ernenne ich meine Frau Anna Fallarino, die mich in all den Jahren, in denen sie mir nahe gewesen ist, sehr glücklich gemacht hat und die ich am 21. Juni 1961 geheiratet habe. Meiner Tochter Annamaria aus der Ehe mit Letizia Izzo kommt der Pflichtteil zu, zuzüglich der Versicherung von 100 Millionen und des Gemäldes, auf dem die Madonna mit dem Kind dargestellt ist.“ Annas Verwandte versuchten, das Dokument anzufechten, und brachten vor, wenn ihre Angehörige am Abend des 30. August auch nur eine einzige Sekunde nach ihrem Gatten gestorben sei, stehe die Erbschaft der Casati Stampa ihnen zu. Rechtsbeistand der Familie in dieser Angelegenheit ist ein gewisser Cesare Previti, Sympathisant der Neofaschisten, Steuerberater, guter Freund von Annas Schwester.

Das gerichtsmedizinische Gutachten stellt aber fest, dass die Schüsse die Marchesa sofort getötet haben, dass der Selbstmörder Camillo also danach gestorben ist; und dass Erbin daher die Tochter aus erster Ehe, Annamaria, ist, geboren in Rom am 22. Mai 1951. Bis zur Volljährigkeit wird das Mädchen vom Jugendgericht einem Vormund anvertraut. An diesem Punkt kontaktiert Rechtsanwalt Previti, der eigentlich die Interessen der Fallarinos vertritt, die junge Annamaria und bietet ihr seinen Beistand an. Erschüttert von allem, was vorgefallen ist, nimmt sie sein Angebot an. Die Rolle des stellvertretenden Vormunds, also des Rechtsbeistandes der Minderjährigen und ihr Vertreter im Falle von Interessenkonflikten mit dem Vormund selbst, wird von Rechtsanwalt Previti übernommen.

Vom Verlust des Vaters aufgewühlt, verwirrt durch die gesetzlichen Obliegenheiten und von der Belagerung durch die Medien, verlässt die Erbin Italien. Nach ihrer Heirat mit Pier Donà Dalle Rose wird sie dauerhaft in Brasilien leben. Die Monate vergehen, die kleine Marchesa wird volljährig; der ex-stellvertretende Vormund bleibt ihr Rechtsanwalt. Unter dem Druck rückständiger Steuerzahlungen und der Fälligkeit von diversen Erbschaftsteuern beauftragt Annamaria im Herbst 1973 ihren Rechtsanwalt, die Villa von Arcore mit dem dazugehörigen Park zu verkaufen, ausdrücklich aber unter Ausschluss der Inneneinrichtung, der Gemäldesammlung, der Bibliothek und des umliegenden Grundbesitzes. Im Frühjahr 1974 ruft Rechtsanwalt Previti in Brasilia an und verkündet triumphierend, er habe ein „echtes Geschäft“ gemacht. Er hatte die Villa von Arcore komplett, also inklusive der Bilder (Gemälde aus dem 15. und 16. Jahrhundert, dazu ein herrliches, von Experten sehr geschätztes Porträt von Anna Fallarino des Malers Pietro Annigoni), der Bibliothek, des riesigen Parks für 500 Millionen Lire verkauft. Von Brasilien aus ist sich Annamaria nicht darüber im Klaren, dass diese so jubilierend verkündete Summe gerade einmal für ein gutes Apartment im Zentrum von Mailand angemessen wäre.

Wenige Tage später lässt sich der Käufer, der Bauunternehmer Silvio Berlusconi, in der prunkvollen Villa nieder. Die vereinbarten 500 Millionen Lire überweist er nicht sofort. Er wird sie in bequemen jährlichen Raten abzahlen, die mit Annamaria Casatis Steuerfristen zusammenfallen und mit den Fälligkeiten für die unermesslichen Schulden ihres verstorbenen Vaters Camillo beim Fiskus. Bis 1980 wird das von dem Baulöwen 1974 in Besitz genommene Anwesen in Arcore auf den Namen von Annamaria Casati eingetragen sein, die also auch weiter die Grundsteuer bezahlt. In dem am 2. Oktober 1980 unterschriebenen Kaufvertrag wird die Villa mit folgenden Worten beschrieben: „Wohnhaus mit umliegenden Gebäuden und Grundstücken von unterschiedlicher Bestimmung.“ Kurz darauf wird das mit 500 Millionen auf Raten bezahlte „Wohnhaus“ von der Cariplo (Cassa di risparmio delle Provincie lombarde) als ausreichende Garantie für eine Finanzierung von sieben Milliarden Lire bewertet.

Der Text ist ein gekürzter Auszug aus dem jetzt erscheinenden Buch "Die Geheimnisse Roms" von Corrado Augias, übersetzt von Sabine Heymann. Osburg-Verlag, 544 Seiten, 26,90 Euro.

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