Rom : Nicht in alle Ewigkeit

Der Bürgermeister von Rom bricht ein Tabu. Neue Hochhäuser sollen den Petersdom überragen dürfen.

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Der Petersplatz und der Petersdom in Rom.
Der Petersplatz und der Petersdom in Rom.Foto: ddp

Der Petersdom gilt in Rom als das Maß aller Dinge. Von der Laterne über seiner Kuppel, die auf über 510 Stufen zu erreichen ist, blickt man auf den Vatikanischen Hügel, den Petersplatz und das umgebende Rom. Und wenn in der „Ewigen Stadt“ etwas an den Wolken kratzen darf, dann nur Michelangelos Kuppel. Das heißt: Selbst der ehrgeizigste Architekt von heute kann sich maximal bis zu einer Bauhöhe von 133,7 Metern selbstverwirklichen. Bisher sind alle deutlich unter dem Limit geblieben. Jetzt aber sagt Roms Bürgermeister Gianni Alemanno: „Dieses Tabu muss gebrochen werden.“ Und hat damit einen verbissenen Streit ausgelöst.

Die Altstadt von Rom, der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der Unesco im Jahre 1980 zum Weltkulturerbe erklärt. Mit ihren 2,7 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet sowie rund 3,3 Millionen Einwohnern als Agglomeration aber ist die Stadt am Tiber die größte Stadt Italiens. Und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Rom doch mächtig in die Breite gegangen. Platz genug gab es rund um die italienische Hauptstadt, und gibt es bis heute. Aber Bebauungs- oder Flächennutzungspläne brauchten hier Jahrzehnte, bis sie ausdiskutiert und dann gleich wieder verworfen wurden. Gesetze fehlten oder wurden, wenn es sie denn gab, dreist umgangen.

Noch 1970 lebten 62 000 Römer in Baracken und weit mehr als die offiziell angegebenen 400 000 Menschen in komplett schwarz hochgezogenen Stadtvierteln. Seither haben Bestechung, Spekulation und Wachstumsdruck zu einem urbanen Wildwuchs geführt, der in seinem Chaos heute unüberschaubar, sozial problematisch, bautechnisch ruinös und verkehrsmäßig unbeherrschbar ist.

Nun aber will der rechte Bürgermeister „aufräumen“. Gianni Alemanno will die verfallenden Stadtrandviertel „abreißen und, zur Flächenersparnis, vertikal wieder aufbauen“. Alemanno strebt in den Olymp der Olympischen Spiele, für deren Austragung 2020 Rom sich bewirbt. Profitieren würde von solch einem Mammutprojekt nicht nur das Gesicht der Ewigen Stadt. Die Bauwirtschaft jubelt bereits. Ihr Verband Fedilter erklärt sich auch gleich schon „bereit, tätig zum Aufbau eines neuen Roms beizutragen“. Das klingt, praktisch wörtlich, wie einst beim „Duce“, bei Benito Mussolini.

Als einer der ersten protestierte der frühere Benetton-Fotograf Oliviero Toscani: Den Hochhauswahn solle man „dem Disneyland von Dubai“ überlassen, sagt er. Einen „Stacheldraht mit solchen Monstern“ um Rom zu legen, sei „ein Albtraum“. Der Kunsthistoriker Salvatore Settis wütet, die Stadtväter gingen vor den Bauhaien in die Knie. Alemannos Hochhauspläne seien „eine Beleidigung für zwei Jahrtausende Geschichte, in denen das Gemeinwohl immer höher stand als private Begehrlichkeit“.

Immerhin: Was Roms neue Höhe betrifft, so will Alemanno nicht allein entscheiden. Die Bürger, so verspricht er, sollen das letzte Wort haben – in einem Referendum.

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