Romney Müller-Westernhagen : Vor der Kamera, hinter der Kamera

Die Künstlerin Romney Müller-Westernhagen zeigt erstmals ihre Fotoporträts in Berlin.

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Romney Müller-Westernhagen, hier mit ihrem Mann Marius. Foto: picture alliance / dpa
Romney Müller-Westernhagen, hier mit ihrem Mann Marius.Foto: picture alliance / dpa

Ex-Außenminister Joschka Fischer kann auf dem roten Teppich im Blitzlichtgewitter der Gesellschaftsfotografen schon mal richtig grummelig werden und wirken. Vor der Linse der Fotografin Romney Müller-Westernhagen strahlt er wie ein Glückspilz, der ausprobieren möchte, wie weit sich die Mundwinkel Richtung Ohren ziehen lassen. Vielleicht gefällt es ihm, dass die Künstlerin selber nicht gern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Über zehn Jahre hat sie als Model unter anderem für Chanel und Versace auf der anderen Seite der Kamera gestanden. Das war wahrscheinlich genug Blitzlicht für ihr eigenes Gesicht.

Seit 1988 ist die gebürtige New Yorkerin verheiratet mit dem Rocksänger Marius Müller-Westernhagen. Das Paar pendelt zwischen Südafrika und Berlin. Aber auf den vielen Empfängen und Galas hier sind die beiden praktisch nicht präsent. Privatsphäre ist ihnen sehr wichtig.

Doch nun zeigt die Galerie Camera Work in der Ausstellung „Beyond Faces“ weltweit zum ersten Mal ihre großformatigen Schwarz-Weiß-Porträts. Die Vernissage war für Freitagabend angesetzt, und wer von den Porträtierten zugesagt hatte, musste sich auf Blitzlichter einstellen. Die Künstlerin hat freilich nicht nur Prominente wie Frank-Walter Steinmeier, Bastian Pastewka, Jens Lehmann, Jonathan Meese, Boris Becker und Wladimir Klitschko aufgenommen, sondern auch Unbekannte, zum Beispiel ein reichlich tätowiertes Gangmitglied aus einer Township in Kapstadt. Trotz der Nähe zu ihm ist das Bild von Ehemann Marius Müller-Westernhagen mit Hut besonders eindringlich in der Wirkung, weil es den Rock-Titan unglaublich scheu und sensibel zeigt.

Romney Müller-Westernhagen arbeitet auch mit anderen Menschen am liebsten bei sich zu Hause. Die intime Atmosphäre eines privaten Heims macht es für sie offensichtlich einfacher, mit der Kamera hinter das Gesicht zu blicken, wie es der Titel „Beyond Faces“ nahelegt. Ihr Ehrgeiz liegt darin, etwas von der Seele des Menschen einzufangen, den sie fotografiert, bestimmte Charaktereigenschaften herauszuarbeiten, die man im persönlichen Kontakt auf den ersten Blick nicht erkennt. Das Fotografieren hat sie sich selber beigebracht. Ursprünglich hat sie auf der Parsons Schule für Design in New York Modeillustration und Grafikdesign studiert. Ein Geschenk des Ehemanns entfachte die Leidenschaft für die Fotografie. Seit 2011 befasst sie sich intensiv mit den Genres Reportage und Straßenfotografie. Zum ersten Mal waren ihre Fotos 2003 zu sehen in dem Buch ihres Mannes „Mein Herz.dein Blut. Neue Texte.“ Letztes Jahr fotografierte sie das Cover seines Albums „Hottentottenmusik“ und veröffentlichte ein Fotobuch mit dem Titel „Auf der Straße mit Westernhagen. Das Leben auf Tour – ein Blick hinter die Kulissen.“ Das Erfolgsrezept für seine glückliche Ehe sei die gemeinsame Liebe zur Kunst und die Tatsache, dass er mit seiner Frau immer zusammen sei, hat Marius-Müller Westernhagen mal gesagt. Um diese Frau hatte er einst kämpfen müssen, später nannte er sie „den Segen meines Lebens“. Beide brachten jeweils ein Kind mit in die gemeinsame Ehe.

Gemeinsam mit ihrem Mann engagiert sich die Künstlerin, deren Vorfahren aus Schottland, Panama, Jamaika, Indien, China, Afrika und Amerika stammen, für Kinder in Afrika. Elisabeth Binder

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