Rote-Kreuz-Akten : Demjanjuk gab sich selbst als Kriegsopfer aus

Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk hat sich nach dem Krieg als Opfer der Nazionalsozialisten ausgegeben und Flüchtlingshilfe erhalten.

Bad ArolsenDies geht aus Akten hervor, die beim Suchdienst des Roten Kreuzes (ITS) im nordhessischen Bad Arolsen liegen, sagte eine ITS-Sprecherin. Demnach hatte sich Demjanjuk nach 1945 als "Displaced Person" gemeldet und damit ebenso wie befreite KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter als von den Nationalsozialisten Verschleppter gegolten. Die Sprecherin betonte allerdings, dass lediglich Unterlagen aus der Nachkriegszeit vorlägen, nicht aus der Kriegszeit.

Die Münchener Staatsanwaltschaft hatte einen Haftbefehl gegen den gebürtigen Ukrainer erwirkt, der als Aufseher im Konzentrationslager Sobibor im besetzten Polen an der Ermordung von mindestens 29.000 Juden beteiligt gewesen sein soll. Vergangene Woche war seine Abschiebung aus den USA nach Deutschland im letzten Moment durch einen Gerichtsbeschluss gestoppt worden. Das Gericht will nun auf der Grundlage von Informationen zum Gesundheitszustand des 89-Jährigen über seine Abschiebung entscheiden. Das US-Justizministerium bekräftigte allerdings am Morgen, man wolle Demjanjuk so schnell wie möglich ausliefern und forderte eine Aufhebung des Einspruchs. (ds/dpa)

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