• Royal Baby: Herzogin Catherine und Prinz William haben die Medien ausgetrickst

Royal Baby : Herzogin Catherine und Prinz William haben die Medien ausgetrickst

Die Weltmedien halten den Atem an - bei Kate haben die Wehen eingesetzt. Die Geburt wird bekannt gegeben wie früher im 19. Jahrhundert, durch einen königlichen Kurier.

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Kameraleute vor dem St. Mary's hospital in London. Foto: dpa
Kameraleute vor dem St. Mary's hospital in London.Foto: dpa

Die Herzogin von Cambridge und Prinz William haben der Weltpresse und einer beispiellosen Medienhysterie ein Schnippchen geschlagen und sich am Montag morgen etwa um 5 Uhr 30 auf Schleichwegen ins St. Mary’s Hospital begeben. Das Unglaubliche: Obwohl die Weltpresse seit fast drei Wochen auf der Lauer liegt, scheint niemand den historischen Moment  fotografiert zu haben. Möglicherweise war William, wie die meisten jungen Männer, die ihr erstes Kind bekommen, selbst am Steuer des Wagens. Offenbar haben bei Kate ganz natürlich die Wehen eingesetzt – nachdem die Nation und der Rest der Welt seit Tagen schon spekulierten, ob man nach langen Stunden des Wartens die Geburt nicht künstlich induzieren sollte.

Warten auf das Royal Baby
Ein royaler Fan hat einen Kuchen für Kate gebacken. Foto: AFPWeitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: AFP
21.07.2013 22:44Ein royaler Fan hat einen Kuchen für Kate gebacken.

Prinz William ist an der Seite von Catherine, Herzogin von Cambridge

Um 7 Uhr kam die Bestätigung durch den Kensington Palast, knapp und präzise und genau so wie es bei Briefings durch den Palast schon vor Wochen angekündigt worden war: „Ihre königliche Hoheit die Herzogin von Cambridge hat sich heute morgen im frühen Stadium der Wehen in den privaten Lindo Flügel des St. Mary’s Krankenhaus, Paddington, West London, begeben. Prinz William ist an ihrer Seite“. Die Herzogin, wurde noch hinzugefügt, sei „zusammen mit dem Duke of Cambridge im Auto“ gefahren – vielleicht ein Zusatz, mit dem man erneute Spekulationen über einen eiligen Hubschrauberflug unterbinden wollte. Sie hatten am Freitag die Runde gemacht, als Kate und William ganz normal vom Haus der Middletons in Berkeshire, wo sie sich „entspannt“ hatten, zurück in ihre Londoner Wohnung im Kensington Palast fuhren. Der Umzug dürfte einfach nur deshalb erfolgt sein, weil der geheim gehaltene Stichtag gekommen war und Kate der Geburtsklinik nahe sein wollte.

Eine angebliche Äußerung von Kates Mutter Carole, das Baby könne ein Löwe werde, hat einige vermuten lassen, dass heute der Stichtag ist. Dann wäre das Baby genau pünktlich. Baby Cambridge wird ein Löwe, wenn es nach 16.54 Ortszeit am Montag (17.54 MESZ) geboren wird, wenn die Geburt schneller geht, ist es im Sternzeichen des Krebses geboren.

Alles spricht für das umsichtige und konsequente Medienmanagement von William und Kate. Denn mag sich die internationale Presse in eine beispiellose Royal Baby Hysterie hineingesteigert haben - mit William und Kate hat das nichts zu tun. Das meiste, was berichtet wird, entbehrt auch nur des geringsten Sachgehaltes. Die Presse hatte auf den 13. Juli spekuliert, aber offiziell gab es nur einen Hinweis von Kate: Das Kind werde Mitte Juli erwartet. 22 Tage starrte die wartende Weltpresse vor dem Lindo Wing auf die Backsteinfassade, den doppeltürigen Eingang, ein paar Stufen hoch, die vier Messingplaketten, jeweils zwei an jeder Seite der Pforte. TV Crews haben Kisten und Kästen aufgebaut, Fotografen über 100 Metallleitern aufgestellt. Millionen Internetnutzer in aller Welt klickten sich bei den Live Web-Kameras ein. „Royal Baby Watch“ wurde zum Volkssport. „Was gibt es Neues“, wurden die TV-Reporter gefragt – aber es gab nichts Neues, nur die alte Nachricht, das nichts geschehen war - außer, dass ein junges Paar ein Kind bekommt.

Aber das übers Ziel hinausschießende Interesse der Medien zeigte sich gleich am Anfang, als Kate wegen starker Schwangerschaftsübelkeit das Krankenhaus aufsuchen – und deshalb die Schwangerschaft früher als geplant bekannt geben musste. Ein Jux-Anruf australischer Radiojournalisten im King Edward VII Krankenhaus mitten in der Nacht löste eine Tragödie aus: Der Anruf wurde in die Station Kates weitergeleitet, eine ahnungslose Krankenschwester gab den Journalisten, die sich als Prinz Charles und die Queen ausgaben, Auskunft. Tage später nahm sich Jacintha Saldanha , die Schwester, die den Anruf weitergeleitet hatte und sich als Opfer einer weltweiten Spott- und Hohnkampagne fühlte, das Leben.

Kate und Prinz William haben eine ruhige Zeit hinter sich

Ansonsten verbrachte Kate eine zurückgezogene und ereignislose Schwangerschaft. Kate sagte so wenig wie möglich. Sie wünsche sich einen Jungen, William ein Mädchen, merkte sie einmal an. Um sich die Zeit zu verkürzen lernte sie Stricken, sei aber, wie sie zugab - „nicht besonders gut dabei“. Sie hatte 19 öffentliche Auftritte und Termine, darunter auch den Gottesdienst zum Gedenken an die Krönung der Queen. Dabei erschien sie gesund, entspannt und glücklich und nicht besonders dick – den Schwangerschaftsbauch versteckte sie unter eleganten Mänteln. Nur einmal, beim Urlaub auf der Karibikinsel Moustique, wurde sie von einem italienischen Paparazzo  im Bikini fotografiert – Kate und William waren wütend, aber sie werden sich an solche Verletzungen ihrer Privatsphäre wohl gewöhnen müssen.

Bis zur Geburt des Kindes herrscht strenge Nachrichtensperre – Palastsprecher, die nun sagen, es laufe alles wie geplant, meinen nicht Kates Wehen, sondern ihre Medienoperation. Die Bekanntgabe der Geburt wird nach einem genau festgelegten Modus – und betont feierlich und theatralisch ablaufen. Immerhin handelt es sich, ob Junge oder Mädchen, ob Prinz oder Prinzessin, um einen  Thronfolger  - das Baby wird, kaum macht es die Augen auf, an die Stelle von Prinz Harry nach Prinz Charles und Prinz William an die dritte Stelle der Thronfolge treten.

Die Meldung von einer so hohen Geburt wollten William und Kate nicht den normalen Twitter-Stürmen und Liveübertragungen, der täglichen Hysterie der Nachrichtenkanäle überlassen und haben sich eine Verlangsamung des Nachrichtenflusses ausgedacht. Die Geburt wird bekannt gegeben wie Williams eigene Geburt vor 31 Jahren, als Twitter und Internet noch keine Rolle spielten – oder wie königliche Geburten im 19. Jahrhundert bekannt gegeben wurden. Nach der Geburt wird im Krankenhaus hinter verschlossenen Türen, vermutlich vom königlichen Gynäkologen Marcus Setchell, ein Zertifikat ausgefüllt, das Geschlecht und Gewicht, vielleicht sogar einen Namen des Kindes bestätigt. Dieses Zertifikat wird dann von einem Hofbeamten zum Buckingham Palast gefahren – allerdings mit einer Limousine, nicht einer Kutsche - dort an einem Klappständer angebracht und von einem livrierten Hofbeamten so beim Eisenzaun am Hauptportal aufgestellt, dass die Fotolinsen der Welt es bequem abfotografieren können. Das ist das erste, was wir von der Geburt des Kindes wirklich wissen werden.

 

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