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Royal Baby im Blitzlicht : William und Kate präsentieren ihren Sohn

„Waity Katy“ wurde Kate Middleton genannt, weil sie so lange auf den Heiratsantrag warten musste. Jetzt rächte sie sich – und ließ das Volk auf die Geburt warten. Aber es traf schließlich ein Land, das das Warten zu einer Kunstform erhoben hat.

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It's a boy: Am Dienstagabend zeigten sich Kate und William erstmals mit ihrem frisch geborenen Sohn Prinz George Alexander Louis von Cambridge.Weitere Bilder anzeigen
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25.07.2013 22:08It's a boy: Am Dienstagabend zeigten sich Kate und William erstmals mit ihrem frisch geborenen Sohn Prinz George Alexander Louis...

Ausgerechnet England, „the cradle of democracy“! Und wer liegt jetzt in dieser Wiege der modernen Demokratie? Ein wenige Stunden alter zukünftiger Monarch, Thronfolger an dritter Stelle, Seine Königliche Hoheit, Prinz von Cambridge, 3800 Gramm Lebendgewicht, Name: vorläufig unbekannt. Auch Royals haben in Großbritannien 42 Tage Zeit, ein Kind amtlich zu registrieren.

Möglich, dass Prinz William etwas blasser aussah, als es die englische Blässe vorschreibt. Immerhin hatte er soeben geradezu eigenhändig den Stammbaum Englands verlängert. In demselben Raum des Londoner St. Mary’s Krankenhauses, in dem er selbst geboren wurde.

Am Dienstagabend, nur einen Tag nach der Geburt, haben Prinz William und seine Frau Kate der jubelnden Menge in London ihren Sohn präsentiert und die Geburtsklinik verlassen. Sie würden noch über den Vornamen nachdenken, sagte William, als er vor dem St. Mary-Hospital mit dem in eine Decke gewickelten Baby vor die wartenden Reporter und Fans trat. Anschließend begab sich das Paar bei strahlendem Sonnenschein mit dem neuen Thronfolger in den Kensington Palast.

"Es ist ein spezieller Moment. Ich denke alle jungen Eltern wissen, wie sich das anfühlt“, sagte die 31-jährige Kate, die das Baby zuerst auf dem Arm trug, bevor sie es an ihren Mann weitergab. „Es ist ein hübsches Baby, ziemlich schwer und er hat bereits mehr Haare als ich“, sagte William mit einem breiten Lächeln den jubelnden Zuschauern, die zu hunderten vor dem Krankenhaus warteten.

Zum Glück habe der Sohn das Aussehen der Mutter geerbt, scherzte William. Catherine trug bei dem kurzen Auftritt ein einfaches blaues Kleid mit weißen Punkten, während William ein hellblaues offenes Hemd anhatte. Mehrfach winkten sie der Menge zu, die bei sengender Hitze vor dem Krankenhaus im Londoner Stadtteil Paddington teils seit Stunden ausharrte.

Guess what. Nun ist es doch ein Junge geworden. Die Royal Navy gratuliert.
Guess what. Nun ist es doch ein Junge geworden. Die Royal Navy gratuliert.Foto: Reuters

Das Interesse an Kate und Williams Kind sei unvorstellbar, hieß es schon seit Wochen. Größer noch als bei ihrer Hochzeit. Die Zeitungen richteten eine Art „Wehenticker“ ein, und selbst der Palast kam um eine Wehen-Meldung auf der Internetseite nicht mehr herum: „Royal Birth – Labour Announcement.“ Erlöst, geradezu entfesselt wirken die Londoner, die den Nachwuchs bejubeln. Während die einen feiern, fassen es die anderen nicht, dass darüber überhaupt geschrieben wird. Dass der Wahnsinn wieder losgeht, der schon bei Kate und Williams’ Hochzeit begann.

Denn es ist ja etwas ganz und gar Wahrscheinliches eingetreten. Erwartbar, geradezu selbstverständlich. Zwei Menschen taten sich zusammen, und irgendwann hatten sie Lust auf ein Kind. Das Kind brauchte neun Monate.

Den Royalisten wurde ein lang ersehnter Thronfolger geboren, den Gegnern nur ein weiterer Kostgänger einer parasitären, omnipräsenten Familie, die den englischen Steuerzahler im letzten Jahr 33,3 Millionen Pfund gekostet hat.

Kurz vor elf Uhr gestern Morgen kam der Friseur der Herzogin ins Krankenhaus – das wurde als untrügliches Zeichen genommen, dass der Höhepunkt der Royalen Geburt bevorstehen würde. Der erste Fototermin des Paares vor dem Krankenhaus, sozusagen die erste Preisgabe des kleinen Prinzen an die Öffentlichkeit. Aber dann wurden die Fotografen und Patrioten, die sich auf den Termin gefreut hatten, erst einmal enttäuscht: Vorerst, wurde verbreitet, sei mit dem Erscheinen des Paares nicht zu rechnen. Aus dem Krankenhaus hörte man nur, dass das Paar „nicht glücklicher sein könnte“ und dem Krankenhauspersonal für seine „wunderbare Pflege“ danke. Vor dem Lindo Wing und seiner weltberühmten Backsteinfassade stellten sich Hunderte auf weiteres Warten ein.

Es traf immerhin ein Land, das das Warten zu einer Kunstform erhoben hat: Sei es abwartend Tee trinkend oder als soziale Plastik, die sich in Gestalt ordentlicher Schlangen im öffentlichen Raum vor Bankschaltern und Bushaltestellen spontan ergibt.

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