Royale Etikette : Michelle Obamas Fauxpas bei der Queen

Michelle Obama legte Königin Elizabeth II. den Arm um die Schulter - ein viel diskutierter Regelbruch. Aber auch Angela Merkel verletzte die royale Etikette.

Christoph von Marschall
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Angefasst. Michelle Obama und Königin Elizabeth II.Foto: dpa

Der königliche Hofstaat ist Kummer gewohnt. Es gibt Traditionen für den Umgang mit der Queen, es gibt ein Protokoll, was ihre Gäste tun und was sie nicht tun dürfen. Es gibt auch Kleidungsvorgaben. Nur halten sich die Besucher in Buckingham Palace nicht mehr so verlässlich daran wie früher. Der Geist rund um die Welt ist in den über 50 Jahren Regentschaft der Queen republikanischer – manche sagen auch: demokratischer – geworden. Und Elizabeth II. nimmt diesen Wandel offenbar gelassen hin. Gelassener jedenfalls, als die Spezialisten für königliche Etikette in Großbritannien und rund um die Erde.

Michelle Obama unterlief ein solcher Verstoß am Mittwochabend. Beim Empfang für die Teilnehmer des G-20-Treffens und ihre Partner in Buckingham Palace legte sie der britischen Monarchin freundschaftlich den Arm um die Schulter. Für Traditionalisten ein schwerer Regelbruch: Man fasst die Queen nicht an.

Theoretisch wissen das auch Amerikaner, wie die Erkundigung zu einem anderen auffallenden Beispiel für Körpersprache ergab. Wenige Stunden zuvor hatte Barack Obama die Hand des russischen Kollegen Dmitri Medwedew nach dem Gespräch über einen „Restart“ der Beziehungen und gemeinsame Abrüstungsvorhaben so eisern umschlossen, dass manche meinten, er habe das geübt. Auf die entsprechende Frage sagte ein Mann aus der Umgebung des Präsidenten, er wisse nichts von Händedruck-Training. Er sei aber sicher, dass man den Obamas gesagt habe, dass sie die Queen nicht umarmen sollen. Am Abend tat Michelle genau das.
Vermutlich war es eine unbedachte, automatische Geste. Sowohl Barack als auch Michelle legen ständig anderen Menschen den Arm um die Schulter, selbst wenn sie sie zum ersten Mal sehen. Barack Obama tat das schon 2007, zum Beispiel bei der ersten Begegnung mit dem Autor dieser Zeilen für dessen Biografie über Obama. Es ist seine und ihre Art, Leutseligkeit auszudrücken. Die Queen entzog sich Michelles Annäherung nicht, sondern legte umgekehrt ihren Arm um Michelles Taille.

Am Donnerstag fanden die US-Fernsehsender ihren eigenen Weg, mit dem Vorfall umzugehen. Sie berichten seit Tagen, Michelle werde in Europa als der neue Weltstar bejubelt, in der selben Liga wie einst Jacqueline Kennedy oder Lady Diana. Am Donnerstag zeigten amerikanische TV-Sender immer wieder die Bilder, wie Michelle der um einen Kopf kleineren Queen den Arm auf die Schulter legt – mit dem Kommentar, das solle man zwar eigentlich nicht tun. Aber offenbar habe die Geste der Queen gefallen, schließlich habe sie sie erwidert.

Diese Interpretation erfüllt zwei Erwartungen der Amerikaner: Sie sind das Vorbild für eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und Religion gleich behandelt werden. Michelle stammt aus einer schwarzen Arbeiterfamilie, ihre Vorfahren waren Sklaven. Und die USA liefern der Welt die Stars, vom Film über die Musikindustrie bis zur Politik. Die Amerikaner litten darunter, dass dies unter George W. Bush nicht galt. Die Obamas stellen die gewünschte Ordnung wieder her.

Die britische Presse ging milde mit Michelles Regelbruch um. Sie war nicht die Einzige, die das Protokoll missachtete. Auch der Hosenanzug Angela Merkels erfüllte nach Angaben britischer Experten nicht die Etikette am königlichen Hof.

US-Zeitungen erörterten am Donnerstag, ob das Geschenk der Obamas für die Queen Anklang finde: ein i-Pod mit Bildern von ihrer USA-Reise 2007 und Musik. Über die Gaben der Obamas beim Besuch des Premiers Gordon Brown in Washington hatte die britische Presse gespottet. Brown hatte Obama einen Federhalter aus dem Holz des Sklavenschiffes mitgebracht, aus dem der Schreibtisch im Oval Office gefertigt wurde. Barack gab Brown ein DVD-Set mit US-Filmen, Michelle überreichte Sarah Hubschraubermodelle für deren Söhne.

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