Welt : Royals: Königlicher Spaß

Hendrik Bebber

Prinz William will als frisch gebackener Student "vor allem Spaß haben". Dem "Sunday Telegraph" sagte William, der an diesem Montag sein Kunstgeschichte-Studium an der schottischen Elite-Universität St. Andrews beginnt: "Ich möchte gern ein ganz normaler Student sein." "Wenn ich schon zur Immatrikulation erschienen wäre, hätte der Medienrummel meinen Mitstudenten den Spaß verdorben. So blieb mir wenigstens erspart, dass ich total verkatert in der Gosse liege", fügte er in Anspielung auf seine Vorliebe für Apfelmost hinzu.

Der Fototermin des Prinzen für die Presse wurde vom Buckingham Palast gegen das Versprechen der Medien arrangiert, Williams Studium nicht zu stören. Um aber ganz sicher zu sein, wachen Agenten des britischen Geheimdienstes MI5 darüber, dass weder Reporter noch Attentäter ihrem Schützling nachstellen. Seine Mitstudenten vergatterte Rektor Brian Lang auf strenge Diskretion: Wer über William bei der Presse klatscht, fliegt sofort von der Uni. Die Zimmernachbarn wurden handverlesen und alle Mitarbeiter der Universität zur strengen Verschwiegenheit verpflichtet.

Während die britischen Medien freiwillig Zurückhaltung gelobten, wird befürchtet, dass ausländische Paparazzi schon auf den grossen Schnappschuss warten. Ein Bild des Prinzen unter der Dusche oder gar beim Knutschen mit einer Freundin verspricht Millionenhonorare. Der "William Faktor" hat der Universität eine Verdoppelung der Studienbewerber beschert. Zwei Drittel sind Frauen. Viele haben sich in Kunstgeschichte eingetragen, um dem Prinzen möglichst nahe zu sein. Dem Geheimdienst ist bei diesem Interesse nicht wohl. Eine Splittergruppe der nordirischen Terrorszene veröffentlichte bereits Einzelheiten der Sicherheitsmaßnahmen im Internet. Und eine schottische Separatistenbewegung sandte einen Drohbrief.

William bekam dank seines hervorragenden Abschlusszeugnisses an der Eliteschule "Eton" ohne weiteres einen Platz an der Universität. Mit der Wahl von "St. Andrews" erfüllte er den Wunsch seiner Mutter Prinzessin Diana. Sie wollte, dass ihre Söhne eine so normal wie mögliche Ausbildung erhalten und nicht an den Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge studieren. Freilich hat auch "St. Andrews" einen ausgezeichneten Ruf und das trifft besonders für Williams Studienfach zu.

Wenn sich die Medien an ihr Versprechen halten, entgehen ihnen viele originelle Fototermine. Wie alle Studenten wird sich William nach der Tradition der Universität "Eltern" unter den höheren Semestern Schutz suchen müssen.

Die neue "Familie" feiert die "Adoption" mit einem "Rosinensonntag". Die "Mutter" veranstaltet mit ihren in Babykleidung steckenden Schützlingen alberne Kinderspiele und hängt ihnen dann eine Kette mit Rosinen um, an denen Gegenstände hängen, die sie in Verlegenheit bringen. Der "Vater" macht dann am Abend mit den "Söhnen und Töchtern" eine ausgiebige Zechtour durch die Kneipen der schottischen Kleinstadt.

Zum Abschluss veranstalten die "Kinder" dann am "Rosinenmontag" eine gewaltige Schlacht mit Seifenschaum und singen dabei die Universitätshymne.

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