• Rückzug des Modeschöpfers Valentino: "Klasse, Talent und ein unvergleichliches Rot"

Rückzug des Modeschöpfers Valentino : "Klasse, Talent und ein unvergleichliches Rot"

Jetzt ist es offiziell: Stardesigner Valentino hat für Januar seinen Rückzug angekündigt. In einem Brief erklärte er, er wolle sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere verabschieden.

Carola Frentzen[dpa]
Valentino
Valentino vor seinen einzigartigen roten Roben. -Foto: dpa

RomMit Tränen in den Augen hatte Valentino Garavani im Juli das Jubiläum zum 45-jährigen Bestehen seines Modeimperiums gefeiert. Ganz in weiß gekleidet lief der elegante Modemacher zum Abschluss seines großen römischen Defilees über den Laufsteg, winkte den begeisterten Zuschauern zu und konnte seine Rührung nicht verbergen. Das alles sah schon nach Abschied aus. Jetzt wurden die Spekulationen zur Gewissheit: Der 75-jährige Stardesigner nimmt seinen Hut - und tut dies wie gewohnt in ganz großem Stil.

In einem bewegenden Brief erklärte er am Dienstag der Modewelt die Beweggründe für seine Entscheidung: "I would like to leave the party when it's still full." - Er wolle sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere verabschieden, bevor irgendwann der Niedergang beginne. Typisch Valentino. Eitel ist er, ehrgeizig und perfektionistisch. Einer wie er hätte es kaum ertragen, irgendwann im Schatten irgendwelcher Jungstars und nicht mehr im Mittelpunkt der Modeszene zu stehen.

Abtritt mit einem "Urknall" in Paris

Ein ganz großer Auftritt steht dem gebürtigen Norditaliener mit der glatten Föhnfrisur aber noch bevor: Seinen endgültigen Abschied nimmt er erst im Oktober, wenn in Paris zum letzten Mal eine von ihm kreierte Pret-à-Porter-Schau vorgeführt wird. Die Modewelt ist gespannt: Sicher wird der Maestro mit einem "Urknall" von den Laufstegen der Welt abtreten und noch einmal eine unvergessliche Kollektion zeigen.

Und sicher wird dabei auch wieder das berühmte "Rosso Valentino" mit von der Partie sein - jenes einzigartige Rot, mit dem er seit den 60er Jahren Diven und Prinzessinnen aus allen Teilen der Welt betört hat. "Seine Klasse, sein Talent und sein unvergleichliches Rot haben die ganze Welt verführt", sagte Italiens Superstar Sophia Loren, als sie von Valentinos Rücktritt erfuhr.

Die Schönheiten der Welt vertrauten auf seine Kreationen

Wie so viele andere ist Loren seit Jahrzehnten eine eingefleischte Valentino-Verehrerin und holte sich sogar den Oscar für ihre Karriere in einem Kleid des Designers ab. So richtig bekannt wurde der Stylist 1968, als er die Stilikone Jacqueline Kennedy bei ihrer Hochzeit mit dem griechischen Milliardär Aristoteles Onassis in ein kurzes weißes Cocktail-Kleid aus wertvoller Spitze hüllte.

Ob Farah Diba beim Weggang aus dem Iran, Lady Diana bei einer Charity-Veranstaltung des Royal Ballet oder Julia Roberts bei der Oscar-Verleihung - Jet-Set-Schönheiten setzten bei großen Anlässen immer gerne auf die Eleganz einer Valentino-Robe. Es sei einfach großartig gewesen, "trotz aller Veränderungen in der Mode stets meinen eigenen Stil bewahren zu können", erklärte der Modeschöpfer nun.

Facchinetti wird neue Kreativdirektorin

Die Italienerin Alessandra Facchinetti ist nach dem Rücktritt Valentinos zur neuen Kreativdirektorin des berühmten Modehauses ernannt worden. Dies teilte die Valentino Fashion Group heute mit. Die 35-Jährige hatte jahrelang an der Seite von Tom Ford bei Gucci gearbeitet und hat sich in Italien wegen ihres großen Talents bereits einen Namen gemacht. "Ich werde mich dieser neuen Aufgabe mit Leidenschaft und Enthusiasmus widmen", erklärte sie. "Signor Valentino war für mich immer ein Bezugspunkt und eine Stilikone. Ich empfinde unendliche Bewunderung und Respekt für ihn." Ihre erste Damenkollektion soll im März 2008 vorgestellt werden.

Valentino sieht sich auch nach seiner Rückzugsankündigung, noch lange nicht als Rentner, sondern hat große Pläne - ehrgeizig, wie er nun mal ist: "Meine Zukunft wird voller neuer Aufgaben und Interessen sein", schrieb er in seinem Brief. Unter anderem wird er als neuer Chef der römischen Alta-Moda-Tage gehandelt, die seit Jahren im Schatten der Defilees von Paris und Mailand stehen und einen Mann wie ihn an der Spitze vertragen könnten. Und so geht er zwar, "während sein Stern noch am höchsten steht", wie Kollege Giorgio Armani bemerkte - aber so ganz will Valentino die Party dann doch noch nicht verlassen.

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