Russland : Moskaus Polizei nimmt Schwule vor Song Contest fest

Es gehört zur Tradition des Eurovision Song Contests, dass am Austragungsort Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit feiern. Die Moskauer Polizei ist nun jedoch vor dem Finale des Wettbewerbs hart gegen eine Kundgebung von Homosexuellen vorgegangen.

MoskauBei einer Kundgebung von Homosexuellen vor dem europäischen Musik-Grand-Prix in Moskau hat die russische Polizei etwa 40 Demonstranten gewaltsam festgenommen. Teilweise im Würgegriff zwangen die Sicherheitskräfte die Teilnehmer der nicht genehmigten Kundgebung vor der Lomonossow-Universität am Samstag in Busse und einen vergitterten Gefangenenwagen. "Wir sind friedliche Menschen und wollen so leben wie andere auch", rief eine Frau bei ihrer Festnahme. Auch ein US-Bürger sowie ein Brite wurden abgeführt. Im Gegensatz zu früheren Homosexuellen-Kundgebungen wurde offenbar niemand verletzt.

Der Eurovision Song Contest (ESC) ist vor allem bei Homosexuellen beliebt. Es gehört zur Tradition des Wettbewerbs, dass am Austragungsort Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit feiern. Die ARD überträgt das ESC-Finale am Abend von 21.00 Uhr an live. Deutschland will mit einer frivolen Swingdance-Nummer punkten. Der Produzent Alex Christensen und der US-Musicalsänger Oscar Loya hoffen mit ihrem Titel "Miss Kiss Kiss Bang" auf eine Platzierung im oberen Drittel der insgesamt 25 Teilnehmer. Unterstützt werden sie auf der Bühne von der Striptease-Tänzerin Dita von Teese.

Bei der Kundgebung in Moskau hatten Demonstranten Plakate entrollt, auf denen die Einhaltung der Menschenrechte für Schwule und Lesben gefordert wurde. Mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten der Spezialeinheit OMON machten regelrecht Jagd auf die Männer und Frauen. Zuvor hatten bereits russische Extremisten gedroht, am Finaltag Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit anzugreifen.

Volker Beck ruft Fernsehsender zu Protest auf

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, bezeichnete das Vorgehen der Polizei gegen die friedlichen Demonstranten als Skandal. "Alle Eurovisionsteilnehmer und die übertragenden Fernsehanstalten sind aufgerufen, jetzt ihren Protest zum Ausdruck zu bringen", sagte der Grünen-Politiker. Beck war 2006 in Moskau bei einer verbotenen Parade zum internationalen Christopher-Street-Day von einem Extremisten mit einem Faustschlag im Gesicht verletzt worden.

Bei der Kundgebung vor der Universität wurde auch der Vorsitzende des russischen Homosexuellen-Verbands, Nikolai Alexejew, an Händen und Füßen in ein Polizei-Fahrzeug gezerrt. "Wann, wenn nicht jetzt zum ESC, sollen wir auf unsere schlimme Lage aufmerksam machen, auf Ausgrenzung, Behördenwillkür und Gewalt", hatte Alexejew der dpa im Vorfeld der Kundgebung gesagt. Alexejew war im dunklen Anzug gemeinsam mit einem Mann in weißem Brautkleid auf der Kundgebung aufgetreten.

Russische Homosexuelle meiden öffentliche Auftritte

In der russischen Gesellschaft wird das Zurschaustellen von Homosexualität als unmoralisch und verwerflich verurteilt. Auch innerhalb der Schwulen- und Lesbenszene des Landes besteht wenig Bereitschaft zum öffentlichen Auftritt.

Zahlreiche Journalisten, darunter auch mehreren Fernsehteams, beobachteten die gewaltsame Auflösung der Demonstration. Die Polizei versuchte, die Medien mit Gewalt vom Ort der Auseinandersetzung zu vertreiben. Nach früheren Kundgebungen wurden die Festgenommenen in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder freigelassen.

Die Moskauer Stadtverwaltung bestätigte die Festnahme von 40 Aktivisten und lobte die Vorgehensweise der Einsatzkräfte. "Die Moskauer Polizei hat angemessen und im Rahmen des Gesetzes gehandelt", hieß es in einer Mitteilung. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hatte frühere Kundgebungen von Schwulen und Lesben als "satanische Handlungen" bezeichnet. (smz/dpa)

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