Ruth Madoff : Sogar der Friseur schmeißt sie raus

Ruth Madoff ist die Frau des größten Betrügers der Finanzgeschichte – in Manhattan wird sie wie ein Paria behandelt

Rita Neubauer

Am nächsten Montag wird Milliardenbetrüger Bernie Madoff verurteilt. Die Amerikaner stellen sich nun die Frage: Wird auch seine Frau alles verlieren? Eines verloren hat sie schon: ihren Platz in New Yorks Society. „Je grösser das Vermögen, desto grösser die Verpflichtung gegenüber anderen Leuten“, gemahnte Randy Cohen die Leser der „New York Times“. Ehe sei eine Partnerschaft, bei der man beim dritten Haus, bei der zweiten Yacht doch bitteschön fragen solle: woher kommt das ganze Geld? Ruth Madoff hat nicht gefragt, will man ihren Anwälten glauben. Sie habe sich nicht dafür interessiert, wie ihr Mann es in 49 Jahren vom kleinen Investmentbroker zum Multimilliardär schaffte. Es war ihr egal, wie er Residenzen in Manhattan, Palm Beach, in den Hamptons und an der Riviera finanzierte, wie er Mitgliedschaften in den exklusivsten Clubs, teuere Reisen, Schmuck und ihre Kreditkartenrechnungen bezahlte.

Bernard Madoff, 71 Jahre alt, sitzt im Gefängnis. Er soll Anleger um 65 Milliarden Dollar betrogen haben. Das ist der größte Betrug der Finanzgeschichte.

Das ist eine Leistung, das schafft nicht jeder. Seine Frau sitzt derweil im luxuriösen Penthouse in Manhattan und besucht ihn ab und an. Sie zahlt einen Preis: Die New Yorker haben sie verstossen. Pierre Quaknine und Michel Obdadia vom noblen Hair-Salon Pierre Michel, wo sich Ruth Madoff über Jahre mit der Farbe „Soft Baby Blonde“ das Haar blondieren liess, haben ihr Urteil gefällt. Ebenso Marco Proietti von Bella Blu, einem Italiener, wo die Madoffs zu den Stammgästen zählten. Und auch die Floristin in Amagansett in den Hamptons, wo die reichen New Yorker die Sommermonate verbringen. Ruth Madoff gilt als als Persona non grata. „Die Klienten des Salons gehören zur Elite Manhattans. Leider waren einige dieser Klienten auch Opfer von Madoff“, liessen die Coiffeure ausrichten. Und weigerten sich gar, Giselle, Ruth Madoffs Friseuse, zu ihrem Penthouse an der 64. Straße zu schicken. Ein Stammgast von Bella Blu allein soll zehn Millionen Dollar durch das Schneeballsystem Madoffs verloren haben. Unter den Opfern finden sich Mitglieder der High-Society in Palm Beach ebenso wie der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, wohltätige Stiftungen, Universitäten und Renter, die ihr Erspartes in Fonds anlegten, die mit Madoff Geschäfte machten. Sie alle glaubten an Madoffs goldenes Händchen bei der Geldvermehrung. Auch sie stellten keine Fragen. Ruth Madoff wird nun als Paria von der Öffentlichkeit behandelt, ohne offiziell schuldig gesprochen zu sein. Doch das könnte sich ändern. Sie hatte jahrelang den Titel „Direktorin“ und ein großes Büro in der einstigen Investmentfirma. Dass dies nur geschah, um sie als Angestellte zu führen, um sie steuerlich geltend zu machen, glauben die wenigsten. Es gibt allerdings auch jene Menschen, die auf Ruth Madoffs traditionelle Rolle als ahnungslose Ehefrau verweisen. Die geltend machen, dass sie selbst Vermögen in die Ehe brachte. Das stimmt. Nach dem Tod der Eltern erbten sie und ihre Schwester etwas mehr als 1,2 Millionen Dollar. Doch selbst wenn dies in den vergangenen zehn bis 15 Jahren eine erkleckliche Rendite abgeworfen hätte, es hätte sich wohl kaum auf die Summe von 62 Millionen Dollar gemehrt, die sich auf ihren Konten fanden. Entscheidend ist, wann Madoffs betrügerische Aktivitäten begannen. Begannen sie erst in den 90er Jahren, wie er behauptet, dann könnte seine Frau tatsächlich einen Grossteil der Immobilien, die in den 80er Jahren erstanden wurden, behalten.

Sie wäre nicht die erste, die eine erfolgreiche Rehabilitierung in Angriff nähme. Die Ehefrauen von berühmtberüchtigten amerikanischen Schwindlern wie Ivan Boesky, Michael Milken und Marc Rich, sie alle entkamen dem Ruch, an deren Gaunereien auf irgendeiner Weise beteiligt gewesen zu sein. Meist durch neue Freunde, neue Karrieren oder wohltätiges Handeln. Letzteres könnte aber schwierig werden. Zwar hilft sie Stiftungen, aber auch die verloren Geld durch ihren Mann.

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