S-Bahn-Attacke : „Die Leute halfen nicht“

Eine 13-Jährige schildert ihre Sicht der S-Bahn-Attacke in München – dagegen haben laut Justiz alle Passanten aktiv reagiert.

300621_0_b0ce497e.jpg
Immer wieder legen Menschen Blumen am Tatort nieder. Foto: dpadpa

München - Eine Woche nach der tödlichen Münchner S-Bahn-Attacke hat eines der vier Kinder, vor die sich der Geschäftsmann Dominik Brunner schützend gestellt hatte, erstmals die grausame Tat geschildert. Die Täter seien „mit geballten Fäusten auf unseren Beschützer losgegangen“, sagte die 13 Jahre alte Sarah der Münchner „Abendzeitung“. „Er rief uns noch zu: ''Haltet Euch raus!''“ Als er einen der Jugendlichen dann mit einem Schlag empfangen habe, sei dieser „total ausgetickt“. Einer der beiden Täter habe mit einem Schlüsselbund in der Hand auf Brunner eingeschlagen - zwei Schlüssel nach vorn gerichtet. Als der 50-Jährige am Boden gelegen habe, habe der Haupttäter mehrfach mit voller Wucht gegen dessen Kopf getreten.

„Wir haben ,Helft uns!’ geschrien, aber die Leute sind vorbeigegangen“, schilderte Sarah weiter. „Nur am anderen Bahnsteig haben welche ,Aufhören!’ rübergeschrien.“ Nachdem die Täter endlich geflüchtet seien, sei Brunner noch einmal aufgestanden und habe etwas gemurmelt, was sie aber nicht verstanden habe. Dann sei er zusammengebrochen. „Er hat für uns sein Leben gegeben. Ich danke ihm so sehr, dass er uns alle vier beschützt hat“, sagte die Realschülerin. „Ich werde ihn immer als Held in Gedanken behalten.“ Die schrecklichen Bilder vom S-Bahnhof Solln verfolgen die 13-Jährige bis in den Schlaf: „Ich wache dauernd auf, ich höre Stimmen. In meinem Zimmer schleicht ein Mann rum.“ Entgegen der Darstellung der 13-Jährigen hat die Münchner Staatsanwaltschaft bisher offenbar keine Hinweise auf unterlassene Hilfeleistung. Der „Spiegel“ berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft vorab, nahezu alle Personen, die auf dem Bahnsteig Zeugen der Attacke geworden seien, hätten in irgendeiner Form reagiert. Innerhalb von Sekunden seien mehrere Notrufe bei der Polizei eingegangen. Ein junger Mann sei vom gegenüberliegenden Bahnsteig sogar auf die Gleise gesprungen, um bei der Schlägerei einzugreifen. Wegen einer einfahrenden S-Bahn habe er jedoch zurückgemusst. Ein älterer Herr und eine Arzthelferin hätten ebenso Erste Hilfe geleistet wie ein Gymnasiast. Andere Zeugen hätten die Täter immer wieder aufgefordert, von Brunner abzulassen. ddp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben