Saarland : Beben im Bergbau

Nach dem bislang schwersten bergbaubedingten Erdbeben im Saarland ist die Zukunft der Steinkohleförderung in der Region ungewiss. Der Abbau ist am Wochenende vorerst gestoppt worden.

Volker Hildisch
Blasiuskirche
Steinhagel. Von der St. Blasiuskirche in Saarwellingen fielen Ziegel. -Foto: dpa

SaarbrückenDas Beben der Stärke 4 hatte in zahlreichen Ortschaften Schäden an Gebäuden und Stromausfälle verursacht. Am schwersten war Saarwellingen, 30 Kilometer nördlich von Saarbrücken, betroffen. Hier fielen Ornamentsteine vom Kirchturm, Schornsteine vom Dach, in vielen Häusern ging Geschirr zu Bruch. Erschreckt rannten viele Menschen auf die Straßen. Auch in Saarlouis und Dillingen, wo Unternehmen wie Ford ansässig sind, war das Beben deutlich zu spüren. Nur eine Woche nach der Großdemonstration vor einer Woche, als 7000 Bergbaubetroffene in Saarlouis auf die Straße gegangen waren, haben sich deren schlimmste Befürchtungen bestätigt.

Ministerpräsident Peter Müller (CDU) war noch am frühen Samstagabend nach Saarwellingen gekommen, um sich einen Eindruck von den Schäden zu verschaffen. Vor rund 2000 Demonstranten, die spontan zusammengekommen waren, teilte er mit, die Landesregierung habe einen sofortigen Abbaustopp verfügt. Unmittelbar zuvor hatte auch die RAG mitgeteilt, die Arbeiten im Abbaugebiet „Primsmulde“ würden zunächst eingestellt. Bereits seit Wochen wurde dort nach einer Auflage des Bergamtes lediglich im „Einstrebverfahren“ abgebaut, nachdem immer wieder Bergbeben die Gegend erschüttert hatten. Doch auch diese Maßnahme zeigte keinen Erfolg.

Politiker von CDU, SPD, Grünen und FDP begrüßten den Abbaustopp. Eine Sondersitzung des Landtages in der kommenden Woche wird nicht ausgeschlossen. Seit einiger Zeit sind die ständigen Bergbeben zum Politikum geworden. Die SPD hatte, ebenso wie die Linke unter ihrem Bundesvorsitzenden Oskar Lafontaine, bisher immer am heimischen Kohleabbau festgehalten. Die Interessengemeinschaft der Bergbaubetroffenen (IGAB), die immer größeren Zulauf erhält, schließt eine Teilnahme an der Landtagswahl im nächsten Jahr nicht aus, wenn ihre Forderungen von den politischen Parteien nicht mit Nachdruck unterstützt werden. Sie fordert, das Bergwerk Saar kurzfristig zu schließen und für Bergleute Ersatzarbeitsplätze in Unternehmen aus dem so genannten „weißen Bereich“ zu schaffen. Volker Hildisch

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