Sabine Christiansen : Wie Phönix aus der Asche

Als Angela Merkel "Kohls Mädchen" genannt wurde, lief in der ARD Christiansens Talkshow mit schlechten Kritiken. Erst als "kaltes Kaffeekränzchen" geschmäht, startete Sabine Christiansen dann durch.

Berlin - Mit dem Umzug der Regierung nach Berlin stieg Sabine Christiansen dann zur festen Größe in der Politik und auf dem Hauptstadt-Parkett auf. Und 2005 saß Christiansen mit Verlegerin Friede Springer auf der Reichstagstribüne und sah zu, wie Deutschlands erste Kanzlerin gewählt wurde. Wenn sich die Talkmasterin nun am 24. Juni von ihrer ARD-Sendung in Richtung Paris verabschiedet, geht auch in der Berliner Medien- und Prominentenwelt eine kleine Ära zu Ende.

Ihre Sendung, ihr Stil - Hosenanzüge, Lesebrille und übereinander geschlagene Beine - lieferten jede Menge Stoff für Satire und Steilvorlagen für Kabarettisten wie Mathias Richling. Christiansen war nicht nur mit ihrer Sendung oft in den Schlagzeilen, sondern auch wenn sie mit dem Regierenden Bürgermeister tanzte oder sich von der Beteiligung am Hundesalon von Friseur Udo Walz trennte. Walz sieht den Abschied mit Wehmut, freut sich aber auf ein Gästezimmer in Paris. "Wir bleiben in Kontakt, und die Freundschaft bleibt forever", sagt der Friseur, der seine beiden prominenten Kundinnen Merkel und Christiansen gern "Frau M. und Frau C." nennt.

Christiansen, Walz und Wowi

Im Dreiklang aus Christiansen, Walz und Klaus "Wowi" Wowereit wird es eine Lücke geben. "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel spricht von einer "politischen Redakteurin, die zu einer der wichtigsten Größen der Berliner Republik geworden ist". Kaum eine Party oder ein Benefizabend, der sich nicht mit der ARD-Frau und Unicef-Botschafterin als "A-Prominenz" schmücken wollte. "Wenn es um die begehrtesten Gäste der Republik geht, steht Sabine Christiansen ganz oben", meint Riekel.

Christiansen, die Gäste wie Bill Gates und Hillary Clinton nach Berlin holte und von der "Bunten" 2006 zur "Frau des Jahres" gekürt wurde, hat dabei laut Riekel einen ähnlichen Stellenwert wie der Regierende Bürgermeister Wowereit (SPD). Ihr Privatleben schützt sie. Auch zum neuen Mann an ihrer Seite, dem Unternehmer Norbert Medus, lässt sich die 49-Jährige von den Reportern nur wenig entlocken. "Sie versucht, ihre Position und ihren Status nur über ihre Arbeit zu definieren", analysiert Riekel. Privat sei Christiansen lustig, fröhlich und kommunikativ, ein Typ, mit dem man gut auf einen Segeltörn gehen könnte.

Christiansen schätzt Frauennetzwerke

Gut befreundet ist die Moderatorin mit der Berliner Event-Veranstalterin Isa Gräfin von Hardenberg. "Sie ist kreativ und eine große Bereicherung für die Frauennetzwerke, die sie kollegial und hilfsbereit unterstützt", sagt diese über Christiansens Rolle als Netzwerkerin in Berlin. "Unbemerkt von der Öffentlichkeit führt sie ein elegantes Haus mit interessanten Gästen aus aller Welt und allen Branchen." Und: "Sie wird uns sehr fehlen, aber nicht verloren gehen. Die Freundschaft hängt schließlich nicht von einem Standort ab, und so freue ich mich schon auf spannende Pariser Begegnungen."

Beruflich will sich die Moderatorin auf ihre internationale Sendung "Global Players" konzentrieren, über ihre privaten Pläne lässt sie sich nicht viel entlocken. "Ein sehr großer Teil meiner Freizeit gehörte schon immer Unicef, meiner eigenen Stiftung und vielen anderen Engagements für Kinder. Das wird sich auch nicht ändern", berichtet sie. Sie freue sich über viel prominente Unterstützung dieser Arbeit. "Und die eigene Familie soll auch nicht zu kurz kommen." (tso/dpa)

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