Sachsen : Eine Kirche zieht um

Im sächsischen Heuersdorf, das einem Braunkohletagebau weichen muss, hat die heiße Phase des Kirchenumzugs begonnen. Die aus ihrem Fundament gehobene Emmauskirche wurde heute die ersten Meter verschoben.

071023heuersdorf
Ein fast 1000 Tonnen schweres Gotteshaus geht auf Reisen. -Foto: ddp

HeuersdorfDie Kirche wurde für ihren Umzug in das zwölf Kilometer entfernte Borna sicher verladen. In mehrstündiger Millimeterarbeit setzten Mitarbeiter einer Spezialfirma das fast 1000 Tonnen schwere Gotteshaus auf einen Schwerlasttransporter. "Mit der Anhebung des Gebäudes und dem erfolgreichen Absetzen ist der erste kritische Punkt des Transports überstanden", sagte Geschäftsführer Uwe Wenzel.

Die 750 Jahre alte Emmauskirche, die wie der gesamte Ort einem Braunkohletagebau weichen muss, soll bis zum Abend 50 Meter weit auf eine dafür befestigte Parkfläche gefahren werden. Am Donnerstag wird sich der Transport dann in Bewegung setzen und voraussichtlich am Reformationstag (31. Oktober) sein Ziel in Borna erreichen. Die Kosten der Umsetzung, die die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft Mibrag trägt, sind mit drei Millionen Euro veranschlagt.

Für die Umsetzung waren komplizierte Vorarbeiten nötig. Zunächst war eine Stahlkonstruktion unter das Gebäude gebaut worden. Am Sonntag und Montag hatten Hydraulikpressen die Kirche um 1,60 Meter angehoben. "Parallel wurde der Transporter montiert und schließlich unter das Bauwerk gefahren", erläuterte der Technische Leiter des Projekts, Uwe Landgraf.

Milimeterarbeit auf dem Weg zum Marktplatz in Borna

Bis zum Start am Donnerstag soll die Gesamtbreite des Transports minimiert werden. "Wir müssen noch einige Stahlträger entfernen, die den Pressen als Auflagen dienten, damit wir die schmale Einfahrt zum Marktplatz in Borna passieren können", sagte Regina Meßinger, die für die Mibrag den Kirchenumzug leitet. Selbst dann seien links und rechts zu den Häusern nur je zwei Zentimeter Abstand. "Das Nadelöhr haben wir uns für den Schluss aufgehoben."

Zuvor gilt es, in mehreren Etappen die Flüsse Wyhra und Pleiße sowie zwei Bahnübergänge zu passieren. "Für die Überquerung der Bahnanlagen haben wir jeweils nur sechs bis sieben Stunden Zeit. Dieses kritische Zeitfenster versuchen wir einzuhalten", sagte Meßinger.

Der Kirchenumzug ist der Höhepunkt der Umsiedlung von Heuersdorf. Laut Mibrag haben bisher mehr als 80 Prozent der einst 320 Einwohner das Dorf verlassen. Im Boden von Heuersdorf sollen mehr als 52 Millionen Tonnen Braunkohle lagern. Erst ein Richterspruch des Sächsischen Verfassungsgerichts im November 2005 hatte den zehn Jahre dauernden Streit um die Umsiedlung des Ortes beendet. Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain wird voraussichtlich zum Jahresende 2007 die Ortsgrenze von Heuersdorf erreichen. 2008 soll die Umsiedlung abgeschlossen sein. (mit dpa/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben