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Säuretanker vom Grund gehoben : Leiche in Tanker im Rhein gefunden

Schneller als geplant glückte die Bergung des gekenterten Tankschiffs "Waldhof" am Sonntag. Das Bergungsteam fand eine männliche Leiche gefunden, die Suche nach dem zweiten Vermissten wird am Montag fortgesetzt.

Der Kahn ist raus. Die Bergung des gekenterten Säuretankers glückte am Sonntag schneller als geplant.Weitere Bilder anzeigen
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13.02.2011 17:05Der Kahn ist raus. Die Bergung des gekenterten Säuretankers glückte am Sonntag schneller als geplant.

Die Bergung des havarierten Säuretankers im Rhein nahe der Loreley ist abgeschlossen. Am Sonntagabend wurde das Schiff von der Fahrrinne des Rheins in den nahen Loreleyhafen in St. Goarshausen geschleppt. Die Bergung ging damit insgesamt schneller und einfacher vonstatten, als von der Einsatzleitung erwartet. „Wir haben das Schlimmste hinter uns. Uns fallen viele Steine vom Herzen“, sagte der Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, Roger Lewentz (SPD), am Sonntag. Zuvor war befürchtet worden, das auf der Seite liegende Schiff könnte bei der Bergung auseinanderbrechen.

Schon gut drei Stunden nach Beginn der Arbeiten hatte das Schiff am Sonntagvormittag wieder nahezu aufrecht im Wasser gelegen. Im Inneren des dadurch erstmals zugänglichen, völlig zerstörten Wohnbereichs des Schiffs fanden die Einsatzkräfte am Nachmittag die Leiche eines der beiden seit dem Unglück am 13. Januar vermissten Schiffer.

Suche nach zweiter Leiche abgebrochen

Die Identität der Leiche war zunächst noch unklar, die Suche nach dem zweiten Vermissten wurde allerdings abgebrochen und soll am Montag im Maschinenraum fortgesetzt. Da er sich nach Aussage der beiden überlebenden Besatzungsmitglieder zum Zeitpunkt des Unglücks im komplett abgerissenen Steuerstand des Schiffs befunden hatte, wird angenommen, dass seine Leiche von der Strömung fortgespült wurde.

Die Bergungsexperten hatten am Morgen zunächst damit begonnen, im Bugbereich des Schiffs zwei der insgesamt sieben inzwischen mit Rheinwasser gefüllten Säuretanks leerzupumpen. Dadurch bekam das Schiff, das am Heck aus dem Wasser ragte, Auftrieb. Gleichzeitig wurde das auf der Seite liegende Wrack mit Hilfe von Stahlseilen von zwei Schwimmkränen langsam gedreht, bis es nahezu wieder aufrecht im Wasser lag. Nach weiteren Abpumparbeiten zur Stabilisierung konnte der Tanker schließlich in den nahen Hafen gezogen werden. Der Leiter des Binger Wasser- und Schifffahrtsamtes Martin Mauermann sagte: „Wir haben unser Ziel erreicht, den Havaristen zu heben und schwimmfähig zu machen.“

Bis zum Abend war die „Waldhof“ aus der Fahrrinne gezogen worden - für Mauermann „das Wichtigste“. Noch am Sonntagabend wurde die Schifffahrt stromaufwärts wieder freigegeben. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) schätzte, dass noch zehn Prozent bis zum Abschluss der Bergung fehlten. Die „Waldhof“ soll an diesem Montag noch in den Loreleyhafen gezogen werden.

Havarist soll auf Schäden untersucht werden

Dort soll die "Waldhof" auf Schäden untersucht werden. Unklar ist vor allem, wie stark beschädigt die linke Seite des Tankers ist. Von eventuell notwendigen Ausbesserungsarbeiten hängt dann ab, wann das 110 Meter lange Wrack über den Rhein weggeschleppt werden kann.

Ursprünglich hatten die Experten mit einem viel langsameren Voranschreiten der Arbeiten gerechnet. Die Schifffahrt auf dem Rhein war deshalb vorsorglich bis Dienstagmorgen gesperrt worden. Über eine mögliche frühere Freigabe wollten die Einsatzleitung und das Wasser- und Schifffahrtsamt noch am Abend entscheiden. Die Sperrung der beiden Bundesstraßen 9 und 42 links und rechts des Rheins war - außer direkt an der Unfallstelle in St. Goarshausen - bereits am Mittag wieder aufgehoben worden.

Die "Waldhof" war am 13. Januar mit knapp 2.400 Tonnen Schwefelsäure an Bord gekentert. Mehr als zwei Drittel davon waren nach dem Unglück ausgelaufen oder mussten von der Einsatzleitung kontrolliert in den Rhein gepumpt werden. (dapd/dpa)

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