Welt : Sag mal Piep

Wenn die Handy-Mailbox zu schnell anspringt

Kurt Sagatz

„Herzlich Willkommen im Mailbox-System. Ihr Gesprächspartner ist momentan nicht erreichbar. Sie können aber eine Nachricht hinterlassen …“ Gerade drei Mal hat das Siemens-Handy „S55“ seine polyphonen Klingeltöne von sich gegeben, schon wird an den elektronischen Anrufbeantworter weitergeschaltet – und der Handy-Netzbetreiber verdient doppelt: Zum einen wird der Anrufer zur Kasse gebeten und zum anderen kostet das Abfragen der Mailbox Gebühren. Vor allem bei einigen Verträgen mit Prepaid-Karten, bei denen anstelle einer Monatsgebühr das Kartenguthaben in einer festgelegten Zeit abtelefoniert wird, kann man der Kosten treibenden Mailbox kaum entgehen.

Das Leistungsspektrum moderner Mobiltelefone ist nahezu unerschöpflich. Bis hin zu Java-Spielen, UKW-Radio oder Zusatzfunktionen wie Taschenlampe, Thermometer, Countdown, Kalorienzähler, Stoppuhr und Lautstärkemesser reichen die Extras. Die Optionen für die Mailbox sind angesichts dieser Funktionsvielfalt kaum zu finden. Nur bei einem Handynetz-Betreiber hat man völlige Wahlfreiheit. Bei T-Mobile („Xtra“) wird man nicht per Voreinstellung ans Gängelband genommen. Hier muss die Box ausdrücklich aktiviert werden und kann dann so eingestellt werden, dass sie beispielsweise im Urlaub gar nicht anspringt, oder man zumindest etwas mehr Zeit hat, das Handy zu suchen.

Bei den E-Plus-Tarifen „Free & Easy“ sucht man eine solche Option dagegen vergebens. Ob man möchte oder nicht, bei diesen Prepaid-Verträgen wird nach ungefähr 20 Sekunden gnadenlos zur Mailbox umgeleitet. Wer sein Handy nicht schnell genug findet, hat Pech gehabt. Das Abfragen der Box schlägt tagsüber mit 39 Cent pro Minute zu Buche.

Dabei werden gerade Prepaid-Tarife gerne von Menschen genutzt, die öfter angerufen werden, selbst aber eher selten zum Handy greifen. Gerade diesen Wenigtelefonierern fällt es schwer, die Mailbox-Voreinstellungen beispielsweise beim O2-Tarif „Loop“ oder beim Vodafone-Pendant „CallYa“ selbst zu ändern oder dies von der Hotline erledigen zu lassen.

Peter Knaak, Mobilfunktarif-Experte der Stiftung Warentest kennt das Problem mit den teuren Anrufbeantwortern. Sein Rat: Entweder ignoriert man die eingegangenen Mailbox-Anrufe ganz oder man stellt bei E-Plus die Box so ein, dass nur noch eine Abwesenheitsansage erklingt. Wenn nun die Mailbox wieder einmal nach kurzer Zeit anspringt, erhält der Anrufer einen entsprechenden Hinweis, kann aber keine Nachricht hinterlassen. Auf diese Weise erspart sich der geplagte Prepaid-Kunde immerhin das Abfragen. Ganz umsonst ist aber auch diese Lösung nicht. Denn zum Umstellen muss die eigene Mailbox angerufen werden.

Und das ist wieder gebührenpflichtig.

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