Welt : Sag niemals nie

Der britische Autor Sebastian Faulks hat den neuen „007“-Thriller verfasst

Hendrik Bebber[London]

Sein Name ist Faulks, Sebastian Faulks. Er schrieb den neuen „Bond“. Auf Wunsch der Erben Ian Flemings verfasste der 54-jährige englische Autor einen weiteren Thriller um den berühmten Edelkiller im Dienste ihrer Majestät. Das Buch mit dem Titel „Devil May Care“ („Darum mag sich der Teufel scheren“) soll zu Flemings 100. Geburtstag am 8. Mai 2008 erscheinen.

Faulks bekam die Lizenz zum Schreiben gegen eine starke Konkurrenz. AlsFlemings Erben letzten Sommer die Pläne für die Fortsetzung der Serie enthüllten, lauteten die Wetten auf die Spionage-Spezialisten John le Carré und Frederick Forsyth. Doch Faulks genießt auch in Großbritannien ein hohes Ansehen als Schriftsteller. Zu seinen in deutscher Sprache erschienenen Werken zählen die verfilmten Romane „Die Liebe der Charlotte Gray“ und „Das Mädchen vom Lion d’Or“. Sein großer Durchbruch kam 1993 mit dem epischen Roman aus dem 1. Weltkrieg „Gesang vom großen Feuer“. Das Buch erreichte in Großbritannien eine Auflage von 2,5 Millionen und machte Faulks zum „Schriftsteller des Jahres“.

Als er den Auftrag für die Fortsetzung der Bond-Reihe bekam, fühlte sich Faulks „sehr geschmeichelt“, gab aber zu, dass er als Dreizehnjähriger das letzte Mal einen „007“ gelesen hatte. „Bei einer neuerlichen Lektüre der Romane“, so Faulks, „überraschte mich, wie sie mir immer noch gefielen und wie gut sie die Zeit überstanden haben.“ Die letzten Abenteuer Bonds aus der Feder Flemings wurden 1966 – zwei Jahre nach seinem Tod- in der Sammlung von Kurzgeschichten „Octopussy und andere riskante Geschäfte“ als der 14. Band der Erfolgsserie veröffentlicht. Mehr als 100 Millionen Bond-Bücher wurden verkauft und mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung soll einen Film gesehen haben. Weil Flemings Werk das ungebrochene Interesse seinerzeit nicht stillen konnte, wurden schon einige Fortsetzungen nach seinem Tode nachgelegt. Charlie Higson schrieb die Serie über Bonds Jugendzeit, Kate Westbrook widmet sich ihm in „Moneypennys Tagebüchern“ aus der Sicht der geheimdienstlichen Vorzimmerdame. Auch Kingsley Amis, John Gardner und Raymond Benson durften sich in dem Genre versuchen.

Laut Verlag sollen Faulks’ Stil und Handlung den Originalen so verblüffend ähneln, dass die Bondfilm-Produzentin Barbara Broccoli nach der Lektüre sagte: „Wenn mir Flemings Familie erzählt hätte, dass das Manuskript auf dem Dachboden gefunden wurde, hätte ich es ohne weiteres geglaubt.“ Faulks Kritiker sind von seinem Geschick, jeweils den Stil und die Diktion einer Epoche in seinen Romanen widerzuspiegeln, entweder begeistert oder irritiert. Nach seinen Worten ist die „Originaltreue“ zu Flemings Sprache, Personal und Aufbau etwa „80 Prozent“.

Über die Handlung wird noch geschwiegen, aber sie soll zwischen großartigen Schurken und großartigen Frauen an großartigen Schauplätzen spielen. Wie in den letzten Filmen ist James Bond nicht mehr ganz so großartig, sondern „verletzbarer geworden“. Wie Fleming ist Faulks Journalist gewesen und schrieb zumindest mit „Die Traumtänzer“ einen Thriller im Zwielicht des Kalten Krieges, Spionage und politischen Intrigen. Faulks, der allein für die Recherche für sein viktorianisches Psychoanalyse-Epos mehrere Jahre brauchte, gefiel die Bond-Fortsetzung so gut, dass er den Roman wie Fleming in sechs Wochen schrieb. Auch beim Arbeitsstil passte er sich seinem Vorgänger an: „In seinem Haus in Jamaika schrieb Fleming am Morgen 1000 Worte, dann ging er Schnorcheln, nahm einen Cocktail, Lunch auf der Terrasse, ging wieder Tauchen, schrieb weitere 1000 Worte am späten Nachmittag. Danach gab es Martinis und hinreißende Frauen“, sagt Faulks, der mit seiner Frau und drei Töchtern in London lebt. „In meinem Haus in London habe ich diese Routine genau nachgemacht – allerdings ohne Cocktails, Lunch und Tauchen“.

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