Sahara-Geiseln : "Das Militär hätte reagieren können"

Der Oasen-Hotelier Peter Wirth über die Entführung und die Lage der Gefangenen in der Sahara.

Porträt Peter Wirth
Peter Wirth ist Besitzer des Hot Spring Hotels in der westägyptischen Oase Bahariya. -Foto: privat

Die meisten Geiseln sind ältere Leute und jetzt sechs Tage in Gefangenschaft. Wie werden sie mit den Strapazen in dieser unwirtlichen Wüstengegend zurechtkommen?

Dort herrschen im Augenblick tagsüber vierzig Grad. Eine solche Expedition wird normalerweise nicht im September gemacht, sondern erst ab Oktober oder November, wenn die Temperaturen auf dreißig Grad fallen. Im September ist der Wasserverbrauch während der Fahrt viel höher, da kommen sie mit einer Anderthalb–Literflasche pro Tag pro Person nicht aus. Solche Touren dauern in der Regel zwischen zehn und 14 Tagen, die Gruppe ist jetzt acht Tage unterwegs. Wenn die Entführung sich länger hinzieht, werden die Vorräte Anfang nächster Woche knapp werden. Ich gehe aber davon aus, dass die Truppen, die das Lager umzingelt haben, die Geiseln mit Wasser und Lebensmitteln versorgen werden.

Wer interessiert sich für solche Touren in eines der entlegendsten Gebiete auf der Welt?

Es sind meist ältere Leute. Solche Trips kosten pro Person 3000 Euro und aufwärts – und das können sich normalerweise nur Leute in gesetzterem Alter leisten. Man bezahlt sehr viel Geld, nimmt dafür relativ harte Umstände in Kauf - muss zum Beispiel seine Teller im Sand waschen.

Es wurde bereits im Februar ein Deutscher mit Begleitern dort entführt, der hat den Vorfall aber den Behörden gegenüber verschwiegen.

Ich habe von der Sache gestern erfahren und seinen Bericht im Internet nachgelesen, den er im Juni verfasst hat. Das hat mich geschockt. Der Mann ist bekannt, er organisiert auch Touren dorthin mit zahlenden Gästen. Im Prinzip war es ihm egal, ob jetzt auch andere in Gefangenschaft geraten. Es wäre menschlich, dass man so eine Information weitergibt, um andere zu warnen. Ich kenne den gekidnappten Besitzer von Aegyptus-Reisen gut, der wusste nichts von dem Vorfall. Wenn er das gewusst hätte, wäre er sicherlich das Risiko nicht eingegangen. Auch das ägyptische Militär hätte reagieren können.

Was hätte nach der Entführung im Februar Ihrer Meinung geschehen müssen?

Man hätte Unweinat als Reiseziel aus dem Programm nehmen müssen. Es liegt auf der Hand, dass die Entführung jetzt genau nach dem gleichen Muster passiert ist wie damals im Februar. Das Tal von Karkur Tahl liegt zu einem kleineren Teil in Ägypten, zum größeren Teil im Sudan. Es ist üblich, auf die sudanesische Seite herüberzufahren, aber es ist natürlich nicht erlaubt. Es gibt ein Schild am Eingang des Wadis, da steht Ägypten-Sudan drauf. Der ägyptische Militärmann merkt oft nicht, wenn man an dem Schild vorbeifährt. Man muss also davon ausgehen, dass die Rebellen auf sudanesischer Seite nur auf ihre Beute gewartet haben. Anders ist das mit dem Raub von Safari-Geländefahrzeugen, wie das Deutsche im Januar erlebt haben. Da dringen Bewaffnete aus dem Sudan bis zu fünfzig Kilometer auf ägyptischen Boden vor.

Warum nehmen Reisegruppen dieses Risiko in Kauf?

Das Felsenplateau ist ein riesiges, zusammenhängendes Gebiet. Man will sich natürlich auch gerne die prähistorischen Höhlenzeichnungen auf sudanesischem oder libyschem Territorium anschauen. Die Grenzen sind ja total willkürlich. Sie wurden von den Engländern auf dem Reißbrett gezogen.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir hoffen sehr, dass die Gefangenen wohlbehalten freikommen und die Entführung gut zu Ende geht. Wir wagen im Moment gar nicht, das Militär nach neuen Sondergenehmigungen zu fragen. Unsere Expeditionen im Oktober und November müssen wir wohl absagen - oder im Programm verändern.

Das Gespräch führte Martin Gehlen.

Peter Wirth

aus Heppenheim lebt seit 1995 in Ägypten. Er besitzt das Hot- Spring-Hotel in der Oase Bahariya, einem Zwischenstopp für viele Wüstensafaris

in den Süden.

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