Sammeln von Gesundheitsdaten : Leben als Selftracker

Die Zahl der Menschen, die Daten über ihren Körper sammelt, steigt – auch in Berlin. Diejenigen, die das besonders intensiv nutzen, bezeichnen sich als Selftracker.

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Dieses vernetztes Pflaster ermittelt über Sensoren die Oberflächenspannung der Haut, den Puls, die Temperatur und Schrittzahlen.
Dieses vernetztes Pflaster ermittelt über Sensoren die Oberflächenspannung der Haut, den Puls, die Temperatur und Schrittzahlen.Foto: picture alliance / dpa

Florian Schumacher hat sein Leben unter Kontrolle. Die Computeruhr an seinem Armgelenk misst regelmäßig seinen Puls und zählt, wie viele Schritte er am Tag zurücklegt. Sitzt der Unternehmensberater zu lange ohne Pause am Schreibtisch, gibt das Gerät ihm ein Zeichen, dass er sich mal wieder bewegen sollte. Ist er mit dem Rennrad unterwegs, zeichnet sein Smartphone Geschwindigkeit und zurückgelegte Kilometer auf. Sein Gewicht kontrolliert der 35-Jährige mit einer Waage, die die Daten auf seinen PC überträgt. Eine Zeit lang hat er zusätzlich auch noch mit einer App dokumentiert, wie viele Kohlenhydrate und Vitamine er zu sich nimmt.

Schumacher ist ein Selftracker: Er ist Teil einer wachsenden Gruppe von Menschen, die mittels moderner Technik regelmäßig diverse Daten über ihren Körper oder ihr Leben aufzeichnet. Der Trend dazu kommt aus den USA, wo man vom "Quantified Self" spricht – von der Selbstvermessung des Menschen. Mittlerweile findet diese Bewegung auch in Deutschland zunehmend Anhänger. So haben sich in Berlin zum Beispiel bereits über 1100 Tracker einer Quantified-Self-Gruppe angeschlossen: Alle paar Wochen treffen sie sich, um sich über ihre Erfahrungen und neue Trends auszutauschen.

Bei den meisten steht hinter dem Tracking die Neugierde, mehr über den eigenen Körper zu erfahren. Wie für Schumacher sind die Daten für viele ein Ansporn, bestimmte Ziele zu erreichen: etwa regelmäßig Sport zu treiben. "Die Geräte und Apps können einem dabei helfen, gesünder zu leben", sagt er. Die Bedenken vieler Verbraucher, ihre Daten könnten missbraucht werden, hält Schumacher für übertrieben. "Hierzulande wird die Debatte über Wearables viel zu negativ geführt", sagt er. Dabei biete die Entwicklung ganz neue Chancen – zum Beispiel für die Medizinforschung. So könnten Tracker ihre Daten freiwillig der Wissenschaft bereitstellen: Die Forscher bekämen so mehr Studienteilnehmer und vor allem Daten aus Alltagssituationen.

Zumal die Vermessung immer neue Züge annimmt. Das Zählen der Schritte per App oder Fitnessarmband ist für viele Selftracker nur der Anfang. Schumacher testet zum Beispiel gerade eine Sporthose, in die Elektroden integriert sind: Sie messen, welche Muskeln er beim Sport anspannt, und sollen verhindern, dass er zu einseitig trainiert.

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