Samoa : Die Schatzinseln

Die vom Tsunami betroffene Inselgruppe Samoa war einst eine deutsche Kolonie.

Apia/Berlin – Die Inselgruppen Samoas liegen auf der anderen Seite der Welt, und doch trägt ein Hotel auf Upolu den Namen „Hotel Insel Fehmarn“, und viele Menschen beten innig mit melodischen, vielstimmigen Gesängen sonntags in einer katholischen Kirche. Die Samoa-Inseln waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs deutsche Kolonie, auch vor diesem Hintergrund sei die Bundesrepublik den Menschen sehr verbunden, hieß es beim Auswärtigen Amt.

Touristen fliegen heute meist über Los Angeles/USA, Japan, Neuseeland oder Australien in die Südsee. Als erster polynesischer Staat erlangte West-Samoa 1962 seine Unabhängigkeit, zuvor war es von den Neuseeländern besetzt. Auf den 2831 Quadratkilometern der Hauptinseln Savai’i und Upolu waren zuletzt 220 000 Samoaner zu Hause. Während viele junge Leute zum Arbeiten auswandern, haben zahlreiche Chinesen die Wirtschaft im Lande mit aufgebaut. Stolz waren die Insulaner etwa auf die Eröffnung von „McDonald’s“. Viele arbeiten im Tourismus, aber auch bei Banken. Die Lebenshaltungskosten stiegen zuletzt stark, Produkte sind teils dreifach so teuer wie in Deutschland. Der kleinere Teil der polynesischen Inselgruppe, Amerikanisch-Samoa, erstreckt sich über 200 Quadratkilometer. 65 600 Menschen leben Reuters-Angaben zufolge in dem US-Gebiet. Der Ort Pago Pago besaß bislang einen der besten natürlichen Tiefseehäfen im Südpazifik. Urlauber liebten das Inselparadies nicht nur wegen der Traumstrände, der üppigen Natur. Ältere Reisende checkten auf Upolu gern im Aggie-Grey’s-Hotel ein, ein Kulthotel, in dem schon 50er-Jahre-Filmstars nächtigten. Beliebt war Samoa aber auch wegen des polynesischen Lebensgefühls: Da gibt es Polizisten in blauen Lavalava-Wickelröcken, viele Familien leben in Fale-Häusern ohne Wände. Selbst am abgelegensten Strand konnte es einem passieren, dass man Touristen trifft, die einem im breitesten Berlinerisch antworten. Tour-Operator wie „Polynesian Xplorer“ wiesen Touristen gern auf die Wanderung zum Grab von „Schatzinsel-Autor“ Robert Louis Stevenson am Mount Vaea hin. Vor allem Rucksackreisende schätzten Samoa, wegen der vielen Backpacker-Hostels. Jetzt aber hat das Auswärtige Amt Sicherheitshinweise für Reisen veröffentlicht: Infolge von Seebeben und Tsunamis sei die Infrastruktur vielerorts zerstört. Ozeanien-Spezialist „Tischler-Reisen“ aus Garmisch-Patenkirchen riet gestern Urlaubern nicht ab.

Auf Upolu hatte es zuletzt Proteste gegeben, weil die neue Regierung den Straßenverkehr vom Rechtsverkehr, ein Erbe deutscher Kolonialzeit, wieder auf Linksverkehr umgestellt hat. Familienväter blockierten Fahrbahnen, weil sie sich neue Autos mit umgekehrter Lenkanordnung nicht leisten konnten und Angst um die Sicherheit ihrer Kinder hatten. kög

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