Welt : Sanfte Töne

Von politischen Bekundungen war bei den American Music Awards dieses Mal nichts mehr zu hören

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Los Angeles Amerikas Popmusiker haben das Kriegsbeil wieder begraben. Noch vor gut zwei Wochen riefen viele von ihnen die Fans auf, John Kerry zum Präsidenten zu wählen. Andere hatten im Wahlkampf für George W. Bush geworben. Viele musikalische Preisverleihungen waren von politischen Meinungsäußerungen gekennzeichnet, vor allem gegen den Irakkrieg. Bei der Gala zur Vergabe der American Music Awards trafen Amerikas Musiker in der Nacht zum Montag erstmals wieder in großer Zahl aufeinander.

Doch beide Seiten hielten sich mit politisch gefärbten Äußerungen zurück. Hinter und erst recht auf der Bühne des Shrine Auditorium von Los Angeles war „Spaß statt Politik“ angesagt. Zu den Ausnahmen gehörten der Country-Star Toby Keith und der Rocker Billy Idol.

Der in Amerika überaus populäre Keith, der den Irakkrieg von Anfang an unterstützte, grüßte vor Millionen von Fernsehzuschauern „unsere Brüder und Schwestern in den Streitkräften“. Billy Idol konnte sich hingegen bei der Ansage einer Nummer von Snoop Dogg einen Seitenhieb nicht verkneifen. Der Rapper gehöre bekanntlich zur „Gangster Party“. „Das ist die Partei, die ich gewählt hätte“, fügte der gebürtige Brite Idol hinzu.

Doch Stars wie Sheryl Crow, Alicia Keys und Bon Jovi, die sich kräftig für Kerry ins Zeug gelegt hatten, kam auch nicht die leiseste Andeutung zu den gerade begonnenen „Four More Years“ für die Bush-Mannschaft über die Lippen. Zur harmonischen Grundstimmung passte, dass R&B-Star Usher mit den sanften Klängen seines Hit-Albums „Confessions“ der große Sieger der American Music Awards war. „Ich danke euch allen für diesen Moment“, sagte der 25-Jährige, als er seinen vierten Preis des Abends entgegennahm. Vorher ließ er sich von dem erotischen Unterton hinreißen, den die Regie für Teile der Award-Show inszenierte. „Ich danke Gott und all den liebenswerten Mädchen“, sagte er.

Usher gewann in vier Kategorien. Das Rapduo OutKast erhielt drei Auszeichnungen.

Model Anna Nicole Smith fiel allerdings bei ihrem Kurzauftritt im tief ausgeschnittenen schwarzen Kleidchen fast aus dem Rahmen des im öffentlichen US-Fernsehen Erlaubten, als sie die roten Lippen schürzte und scheinbar angetrunken ins Mikro lallte: „Mögt ihr meinen Körper?“ Die gleiche Frage stellte kurz danach – als Ad-hoc-Parodie auf Smith – die nicht weniger kurvenreiche Jessica Simpson. Und zwischen diesen beiden berühmten Blondinen zeigte sich Ex-Baywatch-Star Pamela Anderson im kürzesten Kleid der Nacht, um zu trällern „I Like the Way You Move“. Fast zum Schluss wünschte der aus London eingeblendete Ringo Starr bei der Ansage einer seit 40 Jahren nicht mehr gezeigten Studioaufnahme der Beatles allen Amerikanern „Peace and Love“. Ob er das im Sinne von John Lennons legendärem Anti-Kriegssong „Give Peace a Chance“ meinte, blieb offen.

Die American Music Awards gelten als die wichtigsten Musikpreise hinter den Grammys. Grundlage für die Nominierungen sind Verkaufszahlen. Über die Preisvergabe entscheiden dann 20000 befragte Hörer. dpa

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