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Sarstedt : Unbekannte erschießen Syrer an roter Ampel

Es liest sich wie ein Krimi: In einer niedersächsischen Kleinstadt stirbt ein Syrer im Kugelhagel in seinem Auto. Die Mordkommission fahndet mit Hochdruck nach den zwei Tätern, doch von ihnen fehlt jede Spur.

Beamten der Spurensicherung der Polizei dokumentieren den Tatort.
Beamten der Spurensicherung der Polizei dokumentieren den Tatort.Foto: dpa

Ein 35 Jahre alter Syrer ist in seinem Auto an einer roten Ampel mitten in Sarstedt bei Hannover am Neujahrstag erschossen worden. Nach Zeugenberichten traten zwei Männer am späten Abend an den wartenden Wagen heran und schossen mehrfach durchs Seitenfenster. Die Staatsanwaltschaft geht von einem gezielten Anschlag aus und ermittelt wegen Mordes. Die Täter flüchteten, nach ihnen wird mit Hochdruck gefahndet.

„Wir haben derzeit keinerlei Anhaltspunkte für einen fremdenfeindlichen oder politisch motivierten Anschlag“, betonte der Hildesheimer Oberstaatsanwalt Bernd Seemann am Montag. Der 35-Jährige starb noch am Tatort, einer zentralen Kreuzung in der Kleinstadt im Landkreis Hildesheim. Anwohner hatten die Schüsse zunächst für verspätete Silvesterböller gehalten.
Viele Sarstedter sind geschockt über die Bluttat und hoffen auf eine schnelle Aufklärung. „Man fühlt sich einfach nicht mehr sicher“, sagte ein Anwohner dem NDR.
Nach Polizeiangaben stammte das Opfer aus Hildesheim, hielt sich aber häufig in Sarstedt auf. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte sich die Staatsanwaltschaft zunächst nicht zu den Hintergründen des Verbrechens äußern.

Die Ermittler richteten eine Mordkommission ein. Es gebe im Laufe der Ermittlungen „eine Vielzahl von Überprüfungen“, aber noch „keine dringend Tatverdächtigen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hildesheim. Es sei daher bislang auch niemand festgenommen worden.

Der Geschäftsführer des Hildesheimer Vereins Asyl e.V., Uwe Wedekind, geht von einem Familiendrama aus. Er kannte den Asylbewerber seit mehr als zehn Jahren. Der Syrer habe eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt und sei von deren Familie bedroht worden, sagte Wedekind der Nachrichtenagentur dpa. „Er hat um sein Leben gefürchtet und war seit Mitte 2010 auf der Flucht.“ Zuletzt habe er vor etwa sechs Wochen mit dem Opfer gesprochen, berichtete Wedekind. „Er war am Ende seiner Kräfte und konnte nicht mehr fliehen. In solchen Situationen ist ein Verein hilflos.“ In Berlin war an Weihnachten ein syrischstämmiger Kommunalpolitiker von zwei Männern überfallen worden. Seine Partei, die Grünen, vermuten den syrischen Geheimdienst hinter dem Angriff, weil der Politiker Mitglied des Nationalrats der syrischen Opposition ist. Politische Hintergründe in dem Sarstedter Fall kann sich Wedekind dagegen nicht vorstellen.

Die Schüsse auf den 35-Jährigen hätten auch nichts mit der in Göttingen getöteten Studentin zu tun, sagte Oberstaatsanwalt Seemann.
Der 24 Jahre alte mutmaßliche Mörder der jungen Frau ist ebenfalls syrischer Staatsangehöriger. Nach ihm werde weiterhin international gefahndet, sagte eine Sprecherin der Polizei Göttingen. (afp/dpa)

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