• Sauber, aber nicht rein - Berliner Mikrobiologe warnt - Über 10 000 Fälle im Jahr

Welt : Sauber, aber nicht rein - Berliner Mikrobiologe warnt - Über 10 000 Fälle im Jahr

Jan-Martin Wiarda

Ringförmige Entzündungen an Händen und Unterarmen, unerträglicher Juckreiz am Hals und im Gesicht: So kann die Schmuserei mit einer Katze enden. Doch was häufig als gewöhnliche Allergie missdeutet wird, stellt sich mitunter als langwierige Infektion heraus, verursacht durch einen Hautpilz.

Mikrobiologe Hans-Jürgen Tietz von der Hautklinik der Berliner Charite sagt, dass jedes Jahr mehr als 10 000 Pilzerkrankungen in Deutschland durch Übertragung von Erregern von Tieren auf Menschen, vor allem auf Kinder, ausgelöst werden. Diese Entzündungen seien nicht vergleichbar mit herkömmlichen Haut- oder Fußpilzen, sondern bei weitem aggressiver. "In den allermeisten Fällen sind Katzen die Infektionsquelle", sagt Tietz. Allerdings können auch Hunde, Hasen, sogar Meerschweinchen und Pferde die Erreger tragen. "Die Therapie kann sehr langwierig werden", sagt der Mikrobiologe. Sechs bis acht Wochen seien die Regel.

Beim Berliner "Katzenschutzbund e.V." hat man von Pilzerkrankungen, die durch Katzen ausgelöst werden, noch nichts gehört. "Allergien kommen immer mal wieder vor", sagt eine Sprecherin. "Die vermehrte Übertragung Hautpilzen auf Menschen können wir aber nicht bestätigen." Ohnehin sei sie skeptisch, wenn es um Krankheiten in Zusammenhang mit Tieren geht. "Es ist schon eigenartig, wenn eine Allergie nach Jahren gerade dann auftritt, wenn man die Katze ohnehin loswerden will."

Die Unwissenheit der Betroffenen ist den Forschungsergebnissen der Mikrobiologen zufolge allerdings wenig verwunderlich. Die Situation habe sich erst nach 1995 dramatisch verschärft, sagt Hans-Jürgen Tietz. Vorher seien die Pilzkulturen fast ausgestorben gewesen: "Wir haben es mit einem Erreger zu tun, der verschwindet, um in regelmäßigen Abständen wieder aufzutauchen." Viele Pilze würden aus dem Urlaub im Süden mitgebracht.

Peter Kutzer, Tierarzt am FU-Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen, unterscheidet drei verschiedene Pilzarten: den als Katzenpilz bekannten "microsporum canis" sowie zwei als Trichophyten bezeichnete Gattungen, die fast alle Säugetiere befallen können. "Alle diese Arten haben eine ähnliche Symptomatik", sagt Kutzer. "Sie setzen sich in der Unterhaut fest und verursachen Entzündungen." Halter sollten spätestens dann misstrauisch werden, wenn ihre Tiere haarlose Stellen entwickelten, die sich rasch ausbreiteten.

Experten wie Hans-Jürgen Tietz empfehlen angesichts der wachsenden Erkrankungsgefahr die Wiedereinführung der Meldepflicht für Tierpilzerkrankungen beim Menschen. Gefährlich sei der Pilzbefall vor allem dadurch, dass er häufig für eine bakterielle Infektion gehalten werde. "Dann verabreicht man Antibiotika, und die Entzündungen werden immer schlimmer." Am Ende infiziere der Erkrankte möglicherweise sein gesamtes Umfeld mit den ansteckenden Erregern. Tietz rät daher, bei Ausschlägen frühzeitig einen Hautarzt aufzusuchen.

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