Sauerlandprozess : Zünder der Bomben waren defekt

Die mutmaßlichen Terroristen der sogenannten Sauerlandgruppe hatten sich, allerdings unwissend, für ihre Anschläge überwiegend defekte und untaugliche Sprengzünder besorgt.

Das war bei Tests des Bundeskriminalamts (BKA) herausgekommen. Nur drei von 22 Bomben hätten funktioniert, sagte ein Kriminaltechniker des BKA im Düsseldorfer Prozess gegen die vier islamistischen Angeklagten. Die Defekte seien für die Angeklagten aber nicht erkennbar gewesen. Selbst bei einem elektrischen Funktionstest hätten sie davon ausgehen müssen, dass die Sprengladungen intakt waren.

Die Ursache für das Versagen der Standardzünder aus tschechischer und bulgarischer Produktion sei wahrscheinlich eine falsche Lagerung und Feuchtigkeit. Unklar sei, wie alt die Sprengzünder gewesen seien. Vier weitere Minenzünder seien als Übungsmunition ohnehin untauglich gewesen. Mit den wenigen funktionierenden Zündern hätten allerdings beliebig große Bomben problemlos elektrisch gezündet werden können, sagte der wissenschaftliche Direktor des BKA.

Das Gericht präsentierte den Prozessbeteiligten sowohl die Trümmer der detonierter Zünder, als auch zur Untersuchung aufgesägte Exemplare. Im gewerblichen Bereich seien die Zünder nicht mehr zugelassen. Bei richtiger Lagerung könnten allerdings auch viele Jahre alte Exemplare noch auslösen.

Die Verdächtigen wurden in ihrem Ferienhaus im sauerländischen Oberschledorn festgenommen. Dort hatten die Antiterroreinheiten 20 tschechische und zwei bulgarische Zünder sowie vier militärische Übungszünder im Ferienhaus entdeckt. Sie waren teilweise in Schuhsohlen versteckt nach Deutschland geschmuggelt worden. Die zylinderförmigen, wenige Zentimeter großen Sprengkapseln waren im BKA genau untersucht worden. Die Sprengversuche der Ermittler wurden mit Hochgeschwindigkeitskameras dokumentiert.

Den vier Angeklagten wird unter anderem die Vorbereitung von Anschlägen mit Autobomben in Deutschland vorgeworfen. Sie sollen der Islamischen Dschihad Union (IJU) angehören und in pakistanischen Terrorlagern ausgebildet worden sein. Die ebenfalls als Zeugen geladenen Eltern des Angeklagten Adem Y. verweigerten die Aussage. aku/dpa

 

ZEIT ONLINE

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