Sauf- und Sextourismus : Die wilden Zeiten auf Mallorca sind vorbei

Mallorca geht mit harten Strafen gegen die Partyexzesse auf der Insel vor. Die ersten Unternehmen mussten wegen Schmuddelpartys bereits schließen. Urlaubern drohen Geldstrafen.

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Das Sangria-Saufen aus Eimern ist seit diesem Sommer an der Playa de Palma verboten.
Das Sangria-Saufen aus Eimern ist seit diesem Sommer an der Playa de Palma verboten.Foto: dpa

Das Image der beliebtesten Urlaubsinsel Europas ist nicht das beste. Immer wieder hört man von wilden Partys, Sexskandalen, Alkoholexzessen und Drogenmissbrauch. Doch dagegen geht Mallorca jetzt hart vor. Vor allem in den beiden Party-Hochburgen der Insel, an der Playa de Palma und in Magaluf, wird aufgeräumt. Die Touristen, allein vier Millionen von ihnen kommen pro Jahr aus Deutschland, sollen mit Kampagnen zu gutem Benehmen gebracht werden, aber auch Geldstrafen sind inzwischen möglich. Zudem müssen Lokale und Firmen, deren Unterhaltungsprogramm allzu schmuddelig ist, schließen.

So ordneten die Behörden in Magaluf nun die Schließung von zwei Vergnügungsbetrieben an, die weibliche Gäste mit Freigetränken dazu animierten, sexuelle Handlungen an männlichen Urlaubern vorzunehmen. Beide Unternehmen müssen darüber hinaus eine Geldstrafe von jeweils 55000 Euro bezahlen. Es handelt sich um eine Bar, in der die Ausschweifungen stattfanden, und um eine Agentur, die zum Pauschalpreis eine mehrstündige Sauftour dorthin organisiert hatte. Beide Unternehmen müssen für ein Jahr schließen. Magaluf ist die britische Partyhochburg der Insel und liegt westlich der westlich der Inselhauptstadt Palma.

Der Skandal war durch ein Internetvideo bekannt geworden, auf dem man sehen konnte, wie eine Frau auf der Bühne einer Kneipe mit mehr als 20 Männern nacheinander Oralsex praktizierte. Offenbar kein Einzelfall: Den Ermittlungen der Behörden zufolge werben mehrere Saufschenken in Magaluf mit solchen „Wettbewerben“. Dabei werden Frauen Freidrinks versprochen, wenn sie ihre nackten Brüste zeigen oder sogar sexuell aktiv werden. Nach dem Skandalvideo hatte sich die Polizei eingeschaltet – offenbar auch um klarzumachen, das Mallorca diese Art des Tourismus nicht dulden will.

Hotelbesitzer starten Kampagnen

Schon seit Monaten protestiert Mallorcas Hotelbranche gegen derartige Auswüchse des Partytourismus. „Es ist Zeit, laut und deutlich zu sagen, dass wir diese Art von Tourismus nicht wollen“, sagt der Mallorquiner Gabriel Escarrer Jaume, einer der prominentesten Hotelbesitzer der Insel. Er ist Vizechef der internationalen Meliá-Hotelgruppe und veröffentlichte kürzlich einen offenen Brief mit dem Titel „SOS Magaluf“. „Die Raffgier und die Skrupellosigkeit einiger weniger Unternehmer“ dürften nicht den Ruf Mallorcas zerstören, warnt Escarrer. Es müsse verhindert werden, dass Mallorca „in den Augen der gesamten Welt zum Paradigma für einen widerlichen und schmutzigen Tourismus wird“.

In Palma geht die Polizei seit diesem Sommer mit Geldstrafen gegen „unbürgerliches Benehmen“ vor. Als solches gilt zum Beispiel auch, nur mit Bikini oder nacktem Oberkörper durch die Altstadt oder die Geschäftsstraßen der Stadt zu bummeln. Die Hoteliers verteilen Broschüren, in denen auf Deutsch unter der Überschrift „freier Oberkörper“ erklärt wird: „Dies kann als respektlos und belästigend empfunden werden und zu einem Mangel an Hygiene führen.“ Nur am Strand und entlang der Strandpromenade sei Badebekleidung angemessen.

Glasflaschen am Strand sind verboten

An der Playa de Palma, der deutschen Hochburg, sollen störende Trinkgelage am Strand und auf der Promenade unterbunden werden. Die Polizisten gehen besonders gegen das Sangria-Saufen aus Eimern vor, welches oft mit Exzessen endet. Aber auch gegen Urlauber, die am Strand mit gläsernen Wein- oder Bierflaschen anrücken, was wegen des Scherbenrisikos untersagt ist. Bei Verstößen werden derzeit 50 Euro Strafe fällig. Zum Sittengesetz gehört zudem, dass die immer weiter wachsende Straßenprostitution an der Ballermann-Vergnügungsmeile zurückgedrängt werden soll. Freier, die bei neuerdings verbotenen „Geschäftsgesprächen“ erwischt werden, müssen mit bis zu 200 Euro Strafe rechnen.

Doch überaus streng möchte Mallorca nun auch nicht daherkommen. „Wir wollen das Feiern nicht untersagen“, sagt Palmas Tourismusdezernent Álvaro Gijón. In den Bars und Biergärten könne wie bisher weitergebechert werden. Es gehe allein darum, Ausschweifungen einzudämmen, „die viele Touristen und auch Mallorquiner extrem stören“.

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