Schadensbilanz : Hurrikan "Rita" blieb gnädig

Nach Hurrikan "Rita" wächst im Südosten der USA die Angst vor Überschwemmungen und Tornados. Zu einem tropischen Tief herabgestuft, zog "Rita" heute mit heftigen Regenschauern weiter nordwärts.

Houston/Washington (25.09.2005, 15:16 Uhr) - Laut US-Katastrophenschutz hinterließ «Rita» - der zweite Hurrikan binnen vier Wochen - zwar erneut eine Spur der Verwüstung, richtete aber weit weniger Schäden an als befürchtet.

US-Meteorologen kündigten bis Montag weitere ergiebige Niederschläge und Gewitterstürme an. Im Süden des US-Bundesstaates Louisiana stieg das Hochwasser der Flüsse bedrohlich an. Für Mississippi, Arkansas und Tennessee galten Tornado-Warnungen. Insgesamt wurden in neun Bundesstaaten Überflutungen befürchtet.

«Rita» hatte am Samstag in Texas und Louisiana die schwersten Überschwemmungen der vergangenen vier Jahrzehnte verursacht. Vier Wochen nach Hurrikan «Katrina» ging «Rita» mit meterhohen Flutwellen und sintflutartigen Regenfällen an Land.

Besonders stark betroffen waren die Städte Lake Charles (Louisiana) und Beaumont (Texas). Die amerikanische Ölmetropole Houston kam dagegen «mit einem blauen Auge» davon. Auch in New Orleans hielten die Dämme weitgehend. Die Krisenregion war diesmal fast vollständig evakuiert worden. Retter rückten am Sonntag aus, um den verbliebenen Menschen, die vom Hochwasser eingeschlossen waren, zu helfen.

US-Präsident George W. Bush appellierte an die insgesamt rund 2,7 Millionen Menschen, die vor «Rita» geflohen waren, vorerst in Sicherheit zu bleiben. Viele versuchten dennoch bereits am Wochenende zurückzukehren, an Tankstellen kam es erneut zu chaotischen Zuständen. Die US-Armee wollte 500 Soldaten aus New Orleans abziehen und weitere 2400 Nationalgardisten in das Katastrophengebiet verlegen.

US-Medien: Ein Toter durch Tornado

Genaue Angaben zu Verletzten oder Toten lagen zunächst nicht vor. Laut US-Medienberichten starb im US-Bundesstaat Mississippi ein Mensch durch einen Tornado, den «Rita» ausgelöst hatte. Mehrere Einwohner wurden verletzt. Mehr als 1,1 Millionen Menschen in Texas, Louisiana und Mississippi waren nach Angaben der US-Energiebehörde am Sonntag noch ohne Strom. Mangels Energie konnten vielfach auch keine Pumpen eingesetzt werden.

In der Krisenregion kam es zu dramatischen Szenen. Helfer berichteten, im Süden von Louisiana sei eine Mutter mit drei Kindern trotz der Evakuierungsaufrufe in ihrem Wohnwagen geblieben. Später sei ein Hubschrauber aufgestiegen. «Er hat den Wagen nicht mehr gefunden. Er war offenbar schon weggespült worden.» Ein junger Mann aus Esther (Louisiana) berichtete, dass er und sein Vater angesichts des rasant steigenden Wassers ein Loch ins Dach schossen, um freizukommen. Sie seien über den Highway zu Nachbarn geschwommen, wo sie von Helfern im Boot gerettet wurden.

New Orleans: "Katrina-Flüchtlinge" können bald zurück

In New Orleans war schon am Freitag ein Damm unter der Wucht der Ausläufer von «Rita» gebrochen. Das Wasser überschwemmte erneut den Stadtteil Ninth Ward, dort standen die Fluten bis zu vier Meter hoch. Die anderen Stadtteile blieben bis auf Regenwasser weitgehend trocken. Anfang der Woche könnten die ersten Flüchtlinge, die vor «Katrina» geflohen waren, wieder zurückkommen, sagte Bürgermeister Ray Nagin.

Die besonders schwer von «Rita» getroffene Stadt Lake Charles versank weithin in den Fluten. Mehr als 1000 eingeschlossene Menschen seien dort dringend auf Hilfe angewiesen, sagte die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco. In der Inselstadt Galveston, die ursprünglich im Fadenkreuz des Sturms gelegen hatte, zerstörten Brände mehrere historische Gebäude.

Das Areal um die texanische Stadt Beaumont sah aus, als ob ein riesiger Bulldozer über Häuser und Bäume gefahren wäre. Strommasten und alte Eichen knickten um wie Streichhölzer. Unzählige Häuser wurden zerstört.

In Abbeville in Louisiana mussten Helfer mit Booten ausrücken, um Bewohner aus ihren Häusern zu holen. Nach Einschätzung der Retter waren viele zu früh in die Stadt zurückgekehrt und wurden durch die Wassermassen überrascht. In mehreren Orten gingen Häuser in Flammen auf.

Papst Benedikt XVI. rief beim Angelusgebet in der Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom die Gläubigen auf, für die Opfer «der Naturkatastrophen in den Vereinigten Staaten und in anderen Teilen der Welt» zu beten.

Schadenssumme: Schätzungen nach unten korrigiert

Nach Expertenangaben dürfte «Rita» die Versicherungen und Rückversicherer in aller Welt drei bis sechs Milliarden Dollar (2,49 bis 4,9 Milliarden Euro) kosten. Erste höhere Schätzungen wurden nach unten revidiert. Lediglich in Port Arthur wurden zwei Ölraffinerien durch die gewaltigen Winde, die bis zu 200 Kilometer pro Stunde erreichten, erheblich beschädigt.

«Rita» war am Samstagvormittag (MESZ) bei Sabine Pass an der Grenze von Texas und Louisiana auf Festland geprallt. Augenzeugen berichteten, der Sturm sei wie eine gewaltige Wasserwand über die Küste hereingebrochen. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben