SCHÄDEN : Noch keine Entwarnung

Sturmtief „Emma“ richtete vor allem in Bayern große Schäden an – den Norden traf es weniger hart

Berlin/Frankfurt am Main - Am schlimmsten hat es Bayern getroffen. Dort riss „Emma“ am Samstag Dächer von Häusern und Industriehallen, warf Bäume auf Häuser, Straßen und geparkte Autos und brachte Stromleitungen zu Fall. Mehr als 150 000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom, wie der Energiekonzern Eon in München mitteilte. Auf dem Wendelstein erreichte der Wind einen Spitzenwert von 220 Kilometer pro Stunde. Am Mittag kamen zum Sturm mit orkanartigen Böen auch noch Gewitter hinzu. Innerhalb von wenigen Minuten verdunkelte sich am helllichten Tag vielerorts der Himmel, Donner und Blitz lieferten ein gespenstisches Naturschauspiel. Plötzliche Graupelschauer bedeckten Straßen und Felder mit einer weißen Schicht, ein Temperatursturz ließ nach einem frühlingshaften Föhnsturm schlagartig den Winter zurückkehren. Feuerwehren und Rettungsdienste waren im Dauereinsatz, auf der Autobahn München-Salzburg (A 8) bildeten sich kilometerlange Staus. Ein Reisebus mit Touristen kippte auf dem Weg zum Münchner Flughafen in eine Böschung. Sechs Insassen wurden verletzt, einer von ihnen schwer.

Bei Weßling wurde ein 22-Jähriger mit seinem Motorroller von einem Windstoß auf die Gegenfahrbahn gedrückt und prallte auf einen entgegenkommenden Pkw, wie die Polizei mitteilte. Er starb noch an der Unfallstelle. Im Westerwald wurde ein 58-jähriger Mann von einem Baum erschlagen, als er mit drei Kollegen von der Nachtschicht nach Hause fuhr. In Sachsen kam eine Frau ums Leben, als sich das Auto ihres Sohnes wegen plötzlicher Schneeglätte quer stellte und ihnen ein entgegenkommender Wagen in die Seite raste.

Bei der Bahn verursachte das Sturmtief Störungen im ganzen Bundesgebiet. Am schwersten betroffen waren Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern. Das Unternehmen rief die Bevölkerung vorübergehend auf, auf Reisen mit der Bahn zu verzichten. Am Morgen war der ICE Köln-Wien bei Brühl in einen umgestürzten Baum gerast. Dabei wurde der Zugführer verletzt, die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Die Strecke blieb stundenlang gesperrt. An Flughäfen kam es zu Ausfällen und Verspätungen: Allein in Frankfurt am Main wurden mehr als 70 Flüge annulliert.

Auch viele Veranstaltungen wurden wegen des Sturms aus Sicherheitsgründen abgesagt, darunter das Bundesligaspiel von Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart, der Damen-Slalom beim alpinen Ski-Weltcup im niederbayerischen Zwiesel sowie eine Demonstration in Dresden gegen die umstrittene Waldschlösschenbrücke.

In Hamburg und an der Küste blieben den Behörden zufolge größere Schäden bis zum Nachmittag aus. In der Deutschen Bucht erreichten die sturmgepeitschten Wellen eine Höhe von bis zu sieben Metern. Das Havariekommando meldete jedoch keine in Seenot geratenen Schiffe. Der Sturm richtete Sachschäden in Millionenhöhe an, wütete dem Deutschen Wetterdienst zufolge aber weitaus schwächer als Orkan „Kyrill“ im Vorjahr. Endgültige Entwarnung soll es erst am Sonntagabend geben. Bis dahin sei in Süd- und Norddeutschland mit Orkanböen zu rechnen, warnten die Experten.

„Emma“ richtete auch im Ausland Schäden an. In Österreich kamen vier Menschen ums Leben, darunter zwei deutsche Touristen. In Tschechien starben zwei Menschen. dpa/ddp/AFP

Die Bahn litt besonders unter dem Orkan. Der Sturm zerstörte Stromleitungen, warf Bäume auf die Gleise und verursachte Verspätungen. Der ICE von Köln nach Wien kollidierte gar mit einem umgestürzten Baum. Der Lokführer wurde verletzt.

Auch Autofahrer sahen sich mit blockierten Straßen konfrontiert. Im Westerwald wurde ein Autofahrer von einem Baum erschlagen.

An den Küsten tobte Emma am Morgen mit Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern.

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